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Große Kanoldt-Schenkung für Kunsthalle Karlsruhe

Karlsruhe (cl) – Die Kunsthalle Karlsruhe verfügt über eine der größten Sammlungen von Alexander Kanoldt, des Stars der Neuen Sachlichkeit aus Karlsruhe. Nun hat der Sohn von Kanoldt-Freund Heinrich Freiherr von Welck der Kunsthalle mehrere Gemälde und Grafiken des Künstlers gestiftet.

Typisch für Alexander Kanoldt: Die Geometrisierung der Bildfläche ist auf seinem Gemälde „Die Kirche III“ von 1920 gut erkennbar.  Foto: Kunsthalle

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Typisch für Alexander Kanoldt: Die Geometrisierung der Bildfläche ist auf seinem Gemälde „Die Kirche III“ von 1920 gut erkennbar. Foto: Kunsthalle

Von Christiane Lenhardt

Die stattliche Kanoldt-Sammlung der Kunsthalle Karlsruhe ist um vier Gemälde und zwei Papierarbeiten reicher. Der bedeutende Künstler der frühen Avantgarde, Alexander Kanoldt, wurde 1881 in Karlsruhe geboren. Die nun gestifteten Werke entstanden zwischen 1903, als Kanoldt noch in seiner Geburtsstadt lebte, und 1931. Seine Stillleben von suggestiver Farbkraft haben das Erscheinungsbild der Neuen Sachlichkeit entscheidend mitbestimmt.
Wie die Kunsthalle gestern bekannt gab, kamen die Bilder als Schenkung des privaten Stifters Stephan Freiherr von Welck ins Haus. Der Vater des aus Dresden stammenden Diplomaten des Auswärtigen Amts war eng mit Alexander Kanoldt befreundet. Unter anderem erhielt die Kunsthalle das „Bildnis Heinrich Freiherr von Welck“ aus dem Jahr 1922.
„Die von mir gestifteten Kunstwerke Alexander Kanoldts könnten aus meiner Sicht keinen besseren Ort für ihre künftige Präsentation finden als diese Stadt, in der Kanoldt geboren ist, und dieses Museum, das bereits jetzt über die größte und äußerst qualitätsvolle Sammlung von Werken Kanoldts verfügt. Ich hoffe sehr, dass meine Stiftung den Ruf der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe als Kompetenzzentrum für diesen Hauptvertreter der sogenannten Neuen Sachlichkeit langfristig festigen wird“, erklärte Stephan von Welck gestern. Die Kunsthalle verfügt nach eigenen Angaben bislang über zehn Gemälde Kanoldts, 50 Aquarelle und Zeichnungen, zwei Skizzenbücher und das gesamte druckgraphische Werk.

Zwei Gemälde einst Devisenbeschaffer in der DDR


Unter den Neuerwerbungen ist etwa das 1916 geschaffene „Stillleben III (Mohnblumen)“, das während eines Heimaturlaubs des Soldaten Kanoldt im Badischen entstand. Das Werk zeigt noch den Stil der expressionistisch geprägten Neuen Künstlervereinigung München um Wassily Kandinsky, Franz Marc und Gabriele Münter, zu dessen Gründungsmitglieder Kanoldt gehörte. 1920 entstand „Die Kirche III“. Typisch für Kanoldts Schaffen zu der Zeit waren die Geometrisierung der Bildfläche und die gedrängten Bildelemente. In der richtungsweisenden Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ in der Mannheimer Kunsthalle 1925 war er mit 15 Werken der am besten vertretende Künstler. Das jüngste Werk in der Schenkung, „Kreuzjoch“, stammt von 1931, als Kanoldt mit seiner Familie nach Garmisch-Partenkirchen übersiedelte und viele Landschaften malte. Das Bild war das Hochzeitsgeschenk von Kanoldt an die Eltern von Welcks. 1933 wurde sein Gesamtwerk im Kontext der Ausstellung „Regierungskunst 1918-1933“ zusammen mit den Künstlern der „Badischen Secession“ in der Kunsthalle Karlsruhe als „entartet“ gebrandmarkt. Noch 1933 wurde Kanoldt Direktor einer Berliner Kunsthochschule und Senator der Preußischen Akademie der Künste. 1936 legte er alle Ämter nieder und starb 1939 in Berlin.
Das „Bildnis Heinrich Freiherr von Welck“ und das „Kreuzjoch“ haben eine bewegte Geschichte. Sie waren nach dem Zweiten Weltkrieg in der Sowjetischen Besatzungszone konfisziert worden und kamen in die Sammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. 1969 wurden sie zur Devisenbeschaffung in den Westen verkauft. Über den Kunsthandel gelangten sie in die Sammlungen des Lenbachhauses in München („Kreuzjoch“) und des Landesmuseums Wiesbaden („Bildnis Heinrich Freiherr von Welck“), aus denen die Familie von Welck sie nach langwierigen Verhandlungen zurückerhalten habe, so von Welck.
Mit der Schenkung an die Kunsthalle Karlsruhe kommen diese Bilder nun wieder in eine Museumssammlung – diesmal rechtmäßig, wie die Kunsthalle betonte. Die Kunsthalle plant in Bälde eine Präsentation der Werke im Kontext der eigenen Kanoldt-Bestände.
Homepage der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe

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Erstellt:
20. Mai 2020, 07:45 Uhr
Lesedauer:
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