Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Hingabe und spektakuläre Tanzkunst

Baden-Baden (sr) – Sie sind wieder da, die fabelhaften Tänzer des St. Petersburger Mariinsky-Theaters. Im ausverkauften Festspielhaus ging die erste von drei „Dornröschen“-Vorstellungen mit Riesenjubel zu Ende. Bis 27. Dezember gastieren Ballett und Orchester mit drei Programmen (Foto: pr).

Traditionspflege auf heutigem Niveau: Alina Somova, Vladimir Shklyarov und Ensemble. Razina/Mariinsky-Theater

© pr

Traditionspflege auf heutigem Niveau: Alina Somova, Vladimir Shklyarov und Ensemble. Razina/Mariinsky-Theater

Von Sabine Rahner

Tschaikowsky war ein großer Ballettfan. Als er vom Petersburger Theaterdirektor aufgefordert wurde, für den Choreografen Marius Petipa die Musik zum Handlungsballett „Dornröschen“ zu schreiben, reagierte der Komponist begeistert, „nicht Besseres“ habe er sich wünschen können. Zwar hatte sein erstes Ballett „Schwanensee“ damals gerade in Moskau gefloppt, aber das lag an den unprofessionellen Bedingungen der Produktion. Wenige Jahre später brachte Marius Petipa „Schwanensee“ in Petersburg zur vollen Blüte. Mit dem „Nussknacker“ entstand 1892 noch ein drittes gemeinsames Ballett der beiden Künstlerpersönlichkeiten, alle drei zählen bis heute zu den leuchtendsten Sternen am Balletthimmel.

Der Ort, an dem diese großen romantischen Werke ihren Anfang nahmen, ist immer derselbe: das Mariinsky-Theater in St. Petersburg. „Dornröschen“ ging hier vor genau 130 Jahren erstmals über die Bühne. Das lange nicht mehr gezeigte Werk ist jetzt beim Weihnachtsgastspiel des weltbekannten, mehr als 200 Tänzer umfassenden russischen Ensembles im Festspielhaus zu sehen.

Die Geschichte vom „Dornröschen“ kennt jeder, aber das Ballett ist gar nicht so leicht zugänglich. Es spielt auf einem Schloss, natürlich, das Hofzeremoniell ist ein wesentlicher Bestandteil der Inszenierung und war einst als Huldigung an den Zaren gedacht. Das macht den Auftakt etwas steif und zäh, doch werden die bedeutungsvoll gestikulierenden Hofschranzen schon bald durch lange Reihen von Feen und Prinzessinnen in Spitzenschuhen verdrängt, der „echte“ Tanz kann beginnen.

Das Werk fordert auch eine Weltklasse-Compagnie wie die Petersburger heraus, denn es sind viele und hervorragende Solistinnen nötig, die an Prinzessin Auroras Wiege vorbeitanzen. Dabei hat Petipa jeder Fee einen eigenen Charakter und eine differenzierte, hochvirtuose Tanzsprache gegeben.

Im zweiten Akt, der einen magischen Moment im Zauberwald beschwört, überwältigen Petipas variationsreiche geometrische Gruppen-Formationen – die von den Tänzerinnen wie am Schnürchen gezogen gebildet und kunstvoll wieder verworfen werden. Das synchrone Tanzen wird man nirgendwo perfekter sehen, nirgendwo die Hingabe zur Traditionspflege ernsthafter spüren als hier.

Bei den Divertissements im vierten Akt sind bestechende Soli zu erleben, die auch dann nicht zu übersehen sind, wenn die Tänzer als liebestoller gestiefelter Kater oder als ängstlich zitterndes Rotkäppchen amüsieren. Der Petersburger Ballettdirektor Yuri Fateyev hat wieder ein fabelhaftes Ensemble nach Baden-Baden gebracht.

Historische Kulissen und aufwendige Kostüme bestimmen das Bühnenbild. Sie sind nicht 130 Jahre alt, sondern gehen wie die Inszenierung auf eine sanfte Modernisierung des Werks 1952 durch Konstantin Sergejew zurück. Die Tschaikowsky-Ballette werden ununterbrochen im Petersburger Repertoire gehalten. Überarbeitungen finden immer wieder statt, auch haben viele Tänzer die Rollen technisch weiterentwickelt – so etwa der legendäre Rudolf Nurejew, der als Prinz Désiré lieber seine schier unglaublich hohen und weiten Sprünge zeigen wollte als immer nur die Ballerina zu tragen. Er hat damit neue Standards gesetzt, die seine Nachfolger am Mariinsky-Theater heute alle erfüllen.

Vladimir Shklyarov, einer der Prinzipale des Ensembles, überzeugt als Prinz durch maskuline Noblesse und atemberaubende Sprünge. Auch Alexei Timofeyev als Blauer Vogel ist so ein Sprungwunder. An seiner Seite ist mit May Nagahisa ein neuer Star im Mariinsky-Ensemble zu bewundern: Die erst 17-Jährige zeigt eine stupende Technik und bezaubert mit einem ganz eigenen Charisma.

Und das Dornröschen? Ist ein klassischer Fall für die Ersten Ballerinen am Haus, hier ist es Alina Somova. Sie strahlt die quirlige Leichtigkeit eines sehr jungen Mädchens aus, verfügt dabei ganz natürlich über das makellose Können der ganz großen Tänzerin. Ihre unerschütterliche Balance, ihre schwindelerregenden, blitzsauberen Drehungen gehen mit größter Eleganz einher.

Das Mariinsky-Orchester fächert unter Gavriel Heines Leitung alle Farben von Tschaikowskys Musik auf und lässt die absolut perfekte Übereinstimmung von Musik und tänzerischem Ausdruck in diesem Werk deutlich werden. Großer Jubel im ausverkauften Haus.

Hingabe und spektakuläre Tanzkunst

© pr

Zum Artikel

Erstellt:
23. Dezember 2019, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 53sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.