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Jenseits von Schwarz

Donaueschingen (red) – An Heiligabend wird der französische Künstler Pierre Soulages 100 Jahre alt. Der Louvre ehrt den „Magier der schwarzen Farbe“ mit einer großen Retrospektive. Im Museum Art.Plus in Donaueschingen werden dauerhaft neun großformatige Werke gezeigt (Foto: Museum).

Magier einer einzigen Farbe: Jetzt würdigt der Pariser Louvre den Künstler mit einer Ausstellung – eine Ehre, die vor ihm nur Picasso und Chagall erfahren haben.Guillot/AFP

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Magier einer einzigen Farbe: Jetzt würdigt der Pariser Louvre den Künstler mit einer Ausstellung – eine Ehre, die vor ihm nur Picasso und Chagall erfahren haben.Guillot/AFP

Von Sabine Glaubitz

Der Pariser Louvre öffnet ihm für eine einzigartige Retrospektive einen seiner schönsten Säle, das Centre Pompidou zeigt seine historischen Werke, das Museum Fabre in Montpellier wirft ein neues Licht auf seine Kunst, und Rodez, seine Geburtsstadt im Süden Frankreichs, würdigt den 100. Geburtstag von Pierre Soulages schon seit Anfang des Jahres. Sie alle feiern den Maler mit Ausstellungen, die Einblick in ein 80-jähriges Schaffen geben. Denn Soulages, der am 24. Dezember ein Jahrhundert alt wird, steht mit seinen 1,90 Metern noch immer vor der Leinwand. „Warum sollte ich aufhören?“ lautet seine Antwort auf die Frage von Journalisten, ob er in seinem hohen Alter immer noch male.

Dauerausstellung


in Donaueschingen

Als Beweis: Für seine im Louvre vor Kurzem eröffnete Retrospektive hat er in seinem Atelier in der südfranzösischen Hafenstadt Sète eigens ein Triptychon gemalt. Zu sehen ist auf den drei monumentalen Werken dick aufgetragene schwarze Acrylfarbe, in die Soulages mit Bürsten, Eisenhaken und Spachteln Striche gezogen hat: mal dicke, mal dünne, mal schräge, mal gerade. Keines der Bilder gleicht dem anderen.

Soulages setzt sich seit Jahrzehnten mit der Farbe Schwarz auseinander. Das zeigt auch die Louvre-Retrospektive in dem prächtigen „Salon carré“. Man habe mit wenigen Werken ein 80-jähriges Schaffen illustrieren wollen, sagte der Kurator Alfred Pacquement. Es ist die erste Retrospektive, die das Pariser Museum Soulages widmet. Eine ganz besondere Ehre, die zuvor nur Pablo Picasso und Marc Chagall zu ihrem 90. Geburtstag zuteil wurde.

Die Louvre-Wahl fiel auf 19 meist großformatige Bilder, die seine künstlerische Entwicklung markieren. Und dazu gehören seine ersten Arbeiten, die ab Mitte der 40er Jahre entstanden sind. Es sind Darstellungen, auf denen er mit Nussbeize, ein Material zum Aufpeppen alter Möbel, schwungvoll breite schwarz-bräunliche Linien geschaffen hat. In diesen Werken benutzte Soulages die Farbe Schwarz noch, um durch sie den Lichteffekt von Weiß und anderen Farben zum Ausdruck zu bringen.

Im Jahr 1979 sollte sich das ändern. Er begann, die Leinwand ganz mit Schwarz zu bedecken und die Farbe zur Reflexion des Lichts zu nehmen. Überdimensionale Triptychen und Polyptychen sind entstanden, deren Struktur der schwarzen Farbpaste das Licht moduliert. „Outrenoir“, Jenseits von Schwarz, nannte er diese Kompositionen, die seitdem seine Arbeit bestimmen.

Die „Outrenoir“ haben Soulages international bekannt gemacht. Dabei sind sie eher aus einer künstlerischen Krise heraus entstanden. Wie Soulages in mehreren Interviews erklärte, hatte er verzweifelt sein Atelier verlassen, nachdem er stundenlang vor einer Leinwand stand und ratlos mit der Farbe Schwarz experimentierte. Als er später in sein Atelier zurückkehrte, hatte sich das Schwarz über die ganze Leinwand verbreitet.

Schwarz sei die erste Farbe in der Kunstgeschichte gewesen, erklärt Soulages seine Bildwelt. Mit dem Licht seien zwar die Farben geboren worden, doch das Schwarz habe es schon zuvor gegeben, so der Maler, der sich auch stets in Schwarz kleidet.

Soulages wurde in Rodez im Jahr 1919 als Sohn eines Kutschenbauers geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging er nach Paris, wo er die Künstler Hans Hartung und Francis Picabia kennenlernte. Sie waren, so wie er, Vertreter der informellen Kunst, der nicht geometrischen Abstraktion.

In Rodez ist 2014 das Soulages-Museum mit rund 500 Werken des Künstlers eröffnet worden. Nur 40 Kilometer von seiner Geburtsstadt entfernt liegt Conques, wo sich die Klosterkirche Sainte-Foy befindet, für die er die heute weltweit bekannten Glasfenster entwarf: milchig-weiß, von schwarzen Bleibändern quer und diagonal durchzogen.

Arbeiten von Pierre Soulages befinden sich in mehr als 300 Museumssammlungen, darunter das MoMA in New York, die Tate Gallery in London und die National Gallery of Art in Washington D.C.. Die größte Dauerinstallation von Werken Pierre Soulages‘ außerhalb Frankreichs befindet sich jedoch im Museum Art.Plus in Donaueschingen. Seit 2018 zeigt das Kunsthaus an der Brigach dauerhaft neun großformatige Arbeiten des Künstlers in seinem modernen Anbau. Zuvor hatte das Museum ihm die Ausstellung „Leidenschaft. Passion“ gewidmet, in der seine Werke den Arbeiten weiterer internationaler Künstler gegenübergestellt wurden. Es sind Werke seiner aktuellen Schaffensperiode „Outrenoir“, die seit 1979 entstehen und durch ihre Ausdruckskraft, Tiefe und Eleganz überzeugen.

Jenseits von Schwarz

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Für Paris ein neues Triptychon: Pierre Soulages vor wenigen Tagen beim Interview. Saget/AFP

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Für Paris ein neues Triptychon: Pierre Soulages vor wenigen Tagen beim Interview. Saget/AFP

Ein Soulages-Raum mit neun großformatigen Werken befindet sich im Donaueschinger Museum Art.Plus.Museum

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Ein Soulages-Raum mit neun großformatigen Werken befindet sich im Donaueschinger Museum Art.Plus.Museum

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Erstellt:
24. Dezember 2019, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 08sec

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