KSC-Präsident Wellenreuther zurückgetreten

Karlsruhe (red) – Ingo Wellenreuther ist als Präsident des Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC zurückgetreten. Trainer Christian Eichner rät, sich jetzt auf das Sportliche zu konzentrieren.

Abgang: Ingo Wellenreuther tritt als KSC-Präsident zurück. Foto: Kienzle/dpa

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Abgang: Ingo Wellenreuther tritt als KSC-Präsident zurück. Foto: Kienzle/dpa

Ingo Wellenreuther ist nicht mehr Präsident des Karlsruher SC. Nach zehn Jahren an der Spitze des badischen Traditionsvereins trat der 60-Jährige am Donnerstag von seinem Amt zurück, um kurz vor elf Uhr tat der KSC dies in Form einer Pressemitteilung kund. Seit zwei Wochen wurden Rücktrittsforderungen immer lauter – und anhängig vom „Bündnis KSC“, das sich vor rund einer Woche offenbarte und die Zahlung von sechs Millionen Euro in Form von Aktien an die Bedingung geknüpft hatte, dass Wellenreuther vom Amt zurücktritt.

„Hiermit möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich mein Amt als Präsident des KSC mit sofortiger Wirkung niederlege. Wer mich und meine fast fünfzigjährige Verbundenheit zum KSC kennt, bei dem ich fast 40 Jahre Mitglied bin, weiß, dass mir dieser Schritt nicht leicht gefallen ist. Nachdem es trotz des durch die Corona-Krise unterbrochenen Aktienverkaufs nunmehr gelungen ist, die Insolvenz unseres Vereins zu verhindern, habe ich mich nach reiflicher Überlegung und auch mit Rücksicht auf meine Familie aber dazu entschlossen, mein Amt niederzulegen. Bei allen denjenigen, die mich im vergangenen Jahrzehnt und insbesondere in den letzten Wochen unterstützt haben, darf ich um herzliches Verständnis dafür bitten“, wird Wellenreuther in der Mitteilung zitiert.

Rückblick auf zehn bewegende Jahre

„Mit der Errichtung und Fertigstellung eines komplett neuen Stadions, für das ich fast 15 Jahre leidenschaftlich gekämpft habe, wird der Grundstein für den sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg des KSC gelegt sein. Am Tag der Eröffnung werden der KSC und die Menschen in Karlsruhe sowie der Region hoffentlich glücklich über das Erreichte sein. Allen Mitgliedern möchte ich Danke sagen für das mir gegenüber in vier Wahlen zum Präsidenten entgegengebrachte Vertrauen, zuletzt im Oktober 2019. Die Rechte der Vereinsmitglieder zu wahren, war mir immer oberstes Gebot. Zu jeder Zeit habe ich es als meine wichtigste Pflicht angesehen, mit allem, was in meiner Macht stand, das Beste für den Verein zu erreichen und Schaden für den KSC abzuwehren, oft unter Inkaufnahme persönlicher Belastungen“, so der ehemalige KSC-Boss, der sich in seinem Statement auch selbstkritisch äußert: „Insgesamt waren es zehn bewegende Jahre, in denen ich sicherlich auch einige falsche Entscheidungen getroffen habe. Zusammen mit den Kollegen im Präsidium und in den anderen Vereinsgremien habe ich aber immer nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Kollegen in den Vereinsgremien bedanke ich mich für die jahrelange kollegiale und freundschaftliche Zusammenarbeit. Viele persönliche Begegnungen werde ich nie vergessen. Dem KSC als Verein werde ich immer von tiefstem Herzen verbunden bleiben und ich wünsche der Mannschaft, den Trainern und dem Sportdirektor vor allem nachhaltigen sportlichen Erfolg und in diesem Jahr den ersehnten Klassenerhalt. Es war mir eine besondere Ehre, dem KSC 23 Jahre lang ehrenamtlich als Vorsitzender von Vereinsorganen dienen zu dürfen, 13 Jahre als Vorsitzender des Wahlausschusses und 10 Jahre als Präsident des KSC. Ich wünsche dem KSC für die Zukunft persönlich nur das Beste“, sagt Wellenreuther abschließend.

Eichner: Auf Sport konzentrieren

Trainer Christian Eichner hat seinen Spielern geraten, den Insolvenz-Krimi rund um den Verein am besten auszublenden. „Wenn wir anfangen, uns noch mit anderen Dingen zu beschäftigen, verlieren wir den Fokus. Wir sind in einer Situation, in der wir alles daran setzen müssen, uns auf den Sport zu konzentrieren“, sagte Eichner zwei Tage vor dem Spiel gegen Darmstadt 98 am Samstag (13 Uhr/Sky). Der KSC ist als Tabellenvorletzter in starker Abstiegsgefahr.

Den Rücktritt von Wellenreuther hätten die Spieler, die auf dem Trainingsplatz kurz informiert worden seien, unterschiedlich aufgenommen. „Es ist wie mit allen Dingen im Leben. Der ein oder andere geht jetzt in sein Zimmer und macht sich Gedanken, und es wird sich auch beim Essen am Zweiertisch mit Sicherheit noch einmal darüber ausgetauscht“, sagte Eichner.

Kyoung-Rok Choi (Aufbautraining nach Kreuzbandriss) und Babacar Guèye (Knöchelverletzung) werden beim Re-Start der 2. Liga nicht mit dabei sein. Sie waren gar nicht erst ins Quarantänecamp mit eingezogen. Auch Burak Çamo?lu, der noch an den Folgen einer Blinddarm-Operation leidet, spielt laut Eichner in den Überlegungen noch keine Rolle. Außerdem fehlen dem KSC Stürmer Änis Ben-Hatira (Rotsperre) und Innenverteidiger Christoph Kobalt (5. Gelbe Karte).

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Erstellt:
14. Mai 2020, 11:03 Uhr
Aktualisiert:
14. Mai 2020, 14:14 Uhr
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