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Karlsruhe: Leichter Anstieg der Kriminalität

Karlsruhe (red) – Nachdem das Polizeipräsidium Karlsruhe 2018 einen leichten Rückgang der erfassten Kriminalität verzeichnen konnte, stieg die Zahl der Delikte im vergangenen Jahr um 0,9 Prozent an.

 Die Kriminalität ist im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Karlsruhe im vergangenen Jahr leicht angestiegen. Symbolfoto: Friso Gentsch/Archiv

© dpa-avis

Die Kriminalität ist im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Karlsruhe im vergangenen Jahr leicht angestiegen. Symbolfoto: Friso Gentsch/Archiv

Wie das Präsidium am Dienstag mitteilte, mussten 2019 insgesamt 44 433 Straftaten verfolgt werden. Auf 100 000 Bewohner kamen somit insgesamt 5 867 Straftaten, das sind 29 als im Vorjahr. Der Landesdurchschnitt liegt mit 5 184 Straftaten darunter. Die Aufklärungsquote sank leicht um 2,1 Prozentpunkte auf 59,6 Prozent. Sie liegt damit knapp unter dem Landeswert mit 60,8 Prozent. Der größte Anteil entfällt auf einfache oder besonders schwere Diebstähle, von denen 14 176 Fälle zu verzeichnen waren und die 31,9 Prozent der Gesamtkriminalität ausmachen. Allerdings gingen die Delikte das vierte Mal in Folge zurück und liegen 2019 auf einem Zehn-Jahres-Tiefstand. Zudem sind nunmehr zum sechsten Mal in Folge die Zahlen bei den Wohnungseinbrüchen rückläufig und erreichen 2019 mit 461 Fällen ebenfalls den tiefsten Stand seit zehn Jahren. „Unser ganzheitliches Konzept aus Prävention und Repression, einer qualifizierten Ermittlungs- und Tatortarbeit und dem Angebot kriminalpolizeilicher Beratung hat sich ausgezahlt. Das

Augenmerk besonders auf die präventive Arbeit zu legen trägt Früchte, denn 45,1 Prozent der Wohnungseinbrüche im Jahr 2019 blieben im Versuchsstadium stecken“, betont Polizeipräsidentin Caren Denner.

Aufklärungsarbeit zahlt sich aus

Eine intensive Aufklärungsarbeit zahlte sich auch bei der Bekämpfung des „Enkeltricks“ aus. Deren Anzahl ist 2019 um 5,1 Prozent auf 112 Fälle gesunken. Nur in einem Fall konnte der Täter 16 000 Euro erbeuten. Dabei verweist die Polizei auch auf die Mitarbeit von Bankmitarbeitern. Im Gegensatz dazu fällt das Phänomen „Angeblicher Polizeibeamter“ mehr ins Gewicht. Im Jahr 2019 sind hier 473 Taten registriert und somit 449 Fälle mehr als im Jahr 2018. Auffällig ist dabei, dass nur fünf Taten vollendet wurden, bei denen ein Gesamtschaden von 50 000 Euro entstand. Auch dies ist auf die genannten Präventionsmaßnahmen zurückzuführen.

Erstmals seit 2010 sank die Zahl der Rauschgiftdelikte. Sie ging mit 3 006 erfassten Fällen im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent zurück. Die Polizei setzte die Maßnahmen zur Verhinderung einer sogenannten „Offenen Rauschgiftszene“ in der Stadt Karlsruhe fort. Bei diesen Einsatzmaßnahmen wurden 28 Besitz- und Erwerbsstraftaten und 19 Handelsdelikte festgestellt und verfolgt. Bei den Dealern handelte es sich laut Präsidium vorwiegend um gambische Staatsbürger, die den Abnehmern einen anonymen, schnellen und unkomplizierten Handel anboten.

Gewalt gegen Polizisten

Ein weiterhin großes und sogar noch ansteigendes Problem sind Gewaltdelikte gegen Polizisten. Häufig werden Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte nicht nur bei der Durchsetzung von Zwangsmaßnahmen oder bei besonderen Einsatzlagen angegriffen, sondern auch zunehmend bei alltäglichen Standardmaßnahmen. Bei der „Körperverletzung“ zum Nachteil von Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten ist im Jahr 2019 zwar ein Rückgang um 27 Fälle oder 35,5 Prozent auf 49 Fälle feststellbar. Dieser zahlenmäßige Rückgang begründet sich vornehmlich aber auf die Einführung eines neuen Tatbestandes und der damit verbundenen Änderung in der Statistik. Beim Präsidium Karlsruhe wurden 2019 insgesamt 169 Fälle mit „Tätlichem Angriff auf Polizeibeamte“ registriert. Auch beim „Widerstand gegen

Vollstreckungsbeamte“ ist ein Anstieg der Fallzahlen von 72 Fällen im Vorjahr auf 116 Fälle zu verzeichnen. Hier ist anzumerken, dass alleine 22 Widerstandshandlungen und 24 tätliche Angriffe auf Polizeibeamte im Zusammenhang mit einem Demonstrationseinsatz standen.

Bei den Sexualstraftaten verzeichnete das Präsidium einen Anstieg um 19 auf 485 Fälle, liegt damit aber unter dem landesweiten Durchschnitt (plus 6,7 Prozent). Dabei stieg der Zahl der Vergewaltigungen von 58 auf 65 an, In den meisten Fällen bestand vor der Tat eine zumindest flüchtige Vorbeziehung zwischen Täter und Opfer. Die Zahl der sexuellen Belästigungen ging um zwölf auf 101 Fälle zurück. Ein Anstieg ist hingegen bei den Fällen „Verbreitung kinderpornografischer Schriften“ festzustellen, von 65 Fällen im Vorjahr auf 106

Fälle im Jahr 2019. Die Fallzahlen des sexuellen Missbrauchs von Kindern stiegen um 18 auf 95 und lagen damit über dem Niveau der Vorjahre. Insbesondere beim sexuellen Missbrauch von Kindern liegt die Tatzeit zum Zeitpunkt der Anzeigeerstattung teilweise schon Jahre zurück.

Weniger junge Tatverdächtige

Die Gesamtzahl der Tatverdächtigen ist im Vergleich zum Vorjahr um 555 oder 2,9 Prozent auf 18 806 zurückgegangen. Nach deren Höchststand im Jahre 2015 mit 21 118 Tatverdächtigen ist die Gesamtzahl somit das vierte Jahr in Folge rückläufig. Bereinigt man die Gesamtstraftaten um die ausländerrechtlichen Tatbestände, also die Straftaten, die nahezu ausschließlich von Nichtdeutschen begangen werden können, stehen den 10 454 deutschen Tatverdächtigen 6 826 nichtdeutsche Tatverdächtige gegenüber. Das Verhältnis ist dann 55,8 Prozent deutsche Tatverdächtige zu 44,4 Prozent nichtdeutsche Tatverdächtige. Bei den unter 21 Jahre alten Tatverdächtigen gab es erneut einen Rückgang um 6,1% auf 4 115 Personen.


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