Keine Windkraft, keine Photovoltaik – aber was dann?

Berlin/Baden-Baden (vn) – „Vernunftkraft“ will Wege aus der Energieabhängigkeit Deutschlands aufzeigen. Die Baden-Badener Initiative für ein „Windkraftfreies Grobbachtal“ macht Vorschläge.

Mit Fahnen wie dieser hat der Verein „Vernunftkraft Odenwald“ 2018 gegen Windräder protestiert. Bundesweit gibt es rund 900 lokale Gruppierungen. Foto: Uwe Anspach/dpa

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Mit Fahnen wie dieser hat der Verein „Vernunftkraft Odenwald“ 2018 gegen Windräder protestiert. Bundesweit gibt es rund 900 lokale Gruppierungen. Foto: Uwe Anspach/dpa

Von BT-Redakteur Volker Neuwald

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat viele Gewissheiten der deutschen Energieversorgung über den Haufen geworfen. Davon tangiert ist auch „Vernunftkraft“, eine nach eigenen Angaben aus rund 900 lokalen Gruppen bestehende „Bundesinitiative für vernünftige Energiepolitik“. Windkraft und auch Photovoltaik („Wetterstrom“) lehnen ihre Vertreter aus vielerlei Gründen ab.

Am Donnerstag stellte „Vernunftkraft“ in Berlin die Neuauflage eines 64 Seiten umfassenden Kompendiums von 2017 vor, das „wirkungsvolle Wege aus der Energieabhängigkeit Deutschlands“ aufzeigen will. 21 Sachverständige aus den Ingenieur-, Wirtschafts- und Naturwissenschaften sind als Autoren genannt.

Gefährliche Missverständnisse

Man sei den Zielen bislang nicht nähergekommen, räumte der Vorsitzende Nikolai Ziegler ein und warnte zugleich vor gefährlichen Missverständnissen: Windkraft sei weder eine „Freiheitsenergie“ noch „ökologischer Pazifismus“ und auch kein Beitrag zur „nationalen Sicherheit“. Auf der Internetseite wird die Gruppierung noch deutlicher: „In der Ukraine herrscht Krieg. Die deutsche Windkraftlobby ist mit Propaganda zur Stelle.“

Doch unabhängig vom Geplänkel zwischen Windkraftgegnern und -befürwortern: Welche Alternativen gibt es noch, sollten auch die russischen Erdgasströme versiegen? Vor fünf Jahren konnten die Autoren noch „ein groß und großzügig angelegtes Energieforschungsprogramm“ fordern, „das technologieneutral alle Aspekte von Energieeffizienz, -speicherung, -transport und -erzeugung einschließt“. Viel konkreter wurden sie seinerzeit nicht. In der Fortschreibung heißt es jetzt: „Geduldig die Ergebnisse des technologieoffenen Wettbewerbs abzuwarten, ist in der akut prekären Lage (...) unmöglich.“

Worauf setzt „Vernunftkraft“ also? „Unter den aktuellen geopolitischen Randbedingungen ist alles zu tun, um die noch in Betrieb befindlichen deutschen Kernkraftwerke vor der nur noch ideologisch begründbaren Zerstörung zu bewahren.“ Auch die Braunkohle müsse „wenigstens temporär aus der weitgehend politisch definierten Schmuddelecke herausgeholt werden“.

Ohne „ideologische Scheuklappen“ sollten technologische Optionen geprüft werden, so das CCS-Verfahren, bei dem es um das Abscheiden und Speichern von CO2 in Kohlekraftwerken geht. Für die Probleme der Kernenergie würden sich Lösungen abzeichnen: Moderne Mini-Kernkraftwerke würden kaum radioaktiven Müll produzieren.

Der Schwerpunkt sollte aber auf Einsparungen durch intelligentere Technik liegen, heißt es weiter: „Die Stromerzeugung der Zukunft muss den Kriterien Umweltverträglichkeit, Bezahlbarkeit und Verlässlichkeit Rechnung tragen und (...) fortwährend optimiert werden.“

Wälder sollen naturbelassen bleiben

Die Baden-Badener Initiative „Windkraftfreies Grobbachtal“ gehört zum Netzwerk von „Vernunftkraft“. Auf der Internetseite ist sie aktuell relativ prominent mit einer Abhandlung vertreten, „warum uns Erneuerbare Energien nicht aus der Abhängigkeit Russlands befreien“. Ihr Sprecher Stephan Maier bekräftigt gegenüber dieser Zeitung, worauf es der Initiative ankommt: „Wir setzen uns vor allem dafür ein, dass die Wälder und Schutzgebiete um Baden-Baden naturbelassen bleiben. Das ist ganz im Sinne der EU-Biodiversitätsstrategie (...) Darin werden die Mitgliedsstaaten aufgefordert, 30 Prozent ihrer Landgebiete zu Schutzzonen zu machen, diese also nicht zu industrialisieren. Die 30 Prozent erreichen wir nur, wenn wir unsere Wälder und sämtliche Schutzgebiete, auch die Landschaftsschutzgebiete, in Ruhe lassen.“ Das entspreche, so Maier weiter, auch dem Abkommen zum Stopp der Entwaldung, das die Zerstörung der Wälder beenden soll und beim Klimagipfel 2021 in Glasgow von mehr als 100 Staaten unterzeichnet wurde, darunter Deutschland.

www.vernunftkraft.de

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Erstellt:
28. April 2022, 23:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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