Kläranlagen: Zwischen Klimaschutz und Reinigung

Stuttgart/Rastatt (fk) – Viele Kläranlagen erzeugen Strom aus Faulgasen – doch fast alles geht für die Wasseraufbereitung wieder drauf.

Unter anderem in der Kläranlage in Bühl-Vimbuch werden die Überreste der Abwasserreinigung für die Klärgaserzeugung genutzt. Foto: Holger Siebnich/Archiv

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Unter anderem in der Kläranlage in Bühl-Vimbuch werden die Überreste der Abwasserreinigung für die Klärgaserzeugung genutzt. Foto: Holger Siebnich/Archiv

Von Florian Krekel

Nicht weniger als 63900 Haushalte könnte man mit dem Strom versorgen, der Zahlen des Statistischen Landesamtes zufolge in den baden-württembergischen Kläranlagen erzeugt wurde. Wohlgemerkt: Könnte. Denn faktisch verbrauchen die Klärwerke davon 93 Prozent selbst. Trotzdem ist die Entwicklung der Stromgewinnung aus Klärgas laut der Landesbehörde erfolgreich. Auch im Landkreis Rastatt und dem Stadtkreis Baden-Baden wird so Energie erzeugt, allerdings längst nicht bei allen Anlagen, denn die vermeintlich so nahe liegende Art der Stromerzeugung lohnt sich bei Weitem nicht immer.
„Die Gaserzeugung durch Klärschlamm rechnet sich nur in großen Anlagen, an die mehr als 20000 Einwohner angeschlossen sind“, bilanziert Michael Eiermann aus dem Umweltamt des Rastatter Landratsamtes. Denn die Werke bräuchten teure und aufwendige Bauten, unter anderem große Faultürme. Falle zu wenig Klärschlamm an, sei das nicht lohnenswert. Deswegen werde auch nur in fünf der 14 Kläranlagen im Kreis Gas aus Klärschlamm erzeugt: Allerdings transportierten einige kleinere Anlagen ihren Klärschlamm zur Faulgasnutzung auf eine Großkläranlage. „So werden etwa 80 Prozent des Klärschlammes im Landkreis Rastatt zur Eigenstromerzeugung genutzt“, sagt Eiermann. Das Prinzip dabei ist dem Experten zufolge einfach: Der Klärschlamm wird in einen Faulturm gepumpt und auf 38 Grad Celsius erwärmt. Anaerobe Bakterien finden so ideale Bedingungen, um den Klärschlamm zu zersetzen. Dabei entstehe verhältnismäßig energiereiches Faulgas, das in Blockheizkraftwerken verbrannt und mittels Generatoren in Strom umgewandelt wird. Die bei der Verbrennung von Faulgas anfallende Wärme werde oft für Heizung- und Warmwasserbereitung – etwa in den Büro- und Aufenthaltsräumen der Klärwerke genutzt. Landesweit wurden insgesamt gut 99 Prozent der erzeugten Wärme in den Kläranlagen selbst verbraucht.

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Erstellt:
28. August 2020, 08:45 Uhr
Lesedauer:
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