Lesetipp der Kulturredaktion

Baden-Baden (red) – Anlässlich des „Welttags des Buches“ ist Kulturredakteurin Sabine Rahner ihre Schränke und Regalen durchgegangen und hat ihren liebsten Schmöker ausgepackt, um ihn vorzustellen.

Lesetipp der Kulturredaktion

Sabine Rahner. Foto: privat

Wie Beethoven der Titan wurde

Sabine Rahner

Die Löwenmähne ist unverzichtbar – kein Beethoven-Porträt, kein Denkmal kommt ohne dieses großartige Erkennungsmerkmal aus. Man stellt den Jubilar des Jahres als genialischen Kämpfer dar, der seinen Weg durch die Nacht zum Licht mit grimmig-entschlossener Miene erstürmt. Wer hat dieses Beethoven-Bild erfunden? Und welche Ideen stecken dahinter?

Der Kunsthistoriker Werner Busch und der im November 2019 verstorbene Musikwissenschaftler Martin Geck haben die bekanntesten und einige unbekannte Darstellungen jeweils aus ihrer fachlichen Sicht analysiert und ein aufschlussreiches Buch darüber veröffentlicht. Es ist ein Spaziergang durch die Kunst- und Zeitgeschichte, mit detaillierten Verknüpfungen zu Beethovens Werken. Die Helden-Denkmäler in Bonn und Wien, oder der aus wertvollsten Materialien geformte, dennoch verunglückte plastische Stilmix von Max Klinger, oder das auf unzähligen Programmheften leuchtende Porträt von Joseph Stieler, das Beethoven mit rotem Schal und roten Backen zeigt – das sind nur die bekanntesten Ansichten.

Die beiden universell gelehrten Autoren zeigen aber auch vergessene oder nur geplante Denkmäler. Sie betrachten die Porträts im Kontext ihrer Entstehungszeit, weil jede Epoche ihr eigenes Beethoven-Bild hat. Und so landen sie schließlich bei Peter Breuers Monument, das der Volksmund „Beethoven in der Badewanne“ getauft hat, und bei Markus Lüpertz’ despektierlicher Skulptur von 2014. Beide sind in der Geburtsstadt Bonn zu finden. Man erfährt in diesem Buch en passant vieles über die Wirkungsmacht Beethovens und zu der Frage, warum er immer der Titan sein muss.

Werner Busch, Martin Geck: Beethoven-Bilder. Was Kunst- und Musikgeschichte (sich) zu erzählen haben, im Verlag Metzler-Bärenreiter.