Lesetipps der Journalredaktion

Baden-Baden (red) – Anlässlich des „Welttags des Buches“ sind Redakteure der Journalredaktion ihre Schränke und Regale durchgegangen und haben ihre liebsten Schmöker ausgepackt, um sie vorzustellen.

Fiona Herdrich, Thomas Riedinger, Michael Brenner und Dennis Fettif (von links). Foto: Relic

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Fiona Herdrich, Thomas Riedinger, Michael Brenner und Dennis Fettif (von links). Foto: Relic

Feminismus trifft Humor

von Fiona Herdrich

Sind Sie Feminist? Oder würden Sie sich als alter weißer Mann bezeichnen? Und wenn ja, warum? Sophie Passmann hat diese Fragen Männern gestellt, Politikern, Journalisten und Kabarettisten, um herauszufinden, was hinter dem gängigen Klischee und Feindbild vieler junger, stolzer Frauen steckt. Alle Interviewten sind weiß, aber nicht alle sind alt. 15 Gespräche, unter anderem mit Kai Diekmann, Sascha Lobo, Robert Habeck und Kevin Kühnert, hat die 26-Jährige in ihrem Buch „Alte weiße Männer“ zusammengefasst. Klingt nach Kampfansage? Soll es aber nicht sein, denn die Autorin und Moderatorin (1 Live, Zeitmagazin) ist zwar selbst Feministin, dabei aber gar nicht mit der Plattitüde einverstanden, der alte weiße Mann sei an allem schuld.

Den Ort des Treffens ließ sie ihren jeweiligen Gesprächspartner auswählen – was oft schon Bände spricht, bevor überhaupt ein Wort gesagt wird, etwa wenn Papa Passmann seine vegan lebende Tochter ins Steakhaus ausführt oder Claus von Wagner fürs Picknick extra vegane Aufstriche kauft. Nicht jeder Gesprächspartner ist eben Feminist (auch wenn alle betonen, für Gleichberechtigung zu sein), und nicht immer trennt sich die Feministin versöhnlich von entlarvten alten weißen Männern. So manchem mag Passmanns Buch harmlos oder nicht bissig genug erscheinen – es ist auch kein feministisches Manifest, sondern Geschlechterkampf geführt mit Humor und Ironie für Feministen und Feministinnen und solche, die es noch werden wollen.

Sophie Passmann, „Alte weiße Männer“, Kiwi-Verlag

Ferien-Geschichte für die ganze Familie

von Daniela Körner

„Nicht in Kuhkacke treten!“: Die Mutter hatte einen Unfall. Die Kinder müssen zu ihrer Großmutter aufs Land. An ihre Oma können sich nur die zwölfjährige Martha und ihr jüngerer Bruder Mats vage erinnern. Mikkel, der Jüngste, war noch nicht geboren, als die Familie die Oma zum letzten Mal besucht hatte. Jetzt stehen sie da mit Rollkoffer, Rucksack, Sponge-Bob-Tasche und mit Annika, einer Freundin der Mutter, die die Kinder in die Obhut der Großmutter geben soll – mitten auf einer Kuhweide, ringsum ein paar Häuser mit Reetdächern. In Gummistiefeln und mit einem Luftgewehr empfängt die Großmutter die Kinder und jagt ihnen erst einmal Angst ein. Widerwillig nimmt sie die Geschwister bei sich auf. „Und so beginnt der wunderbarste Sommer.“ Es dauert ein bisschen, bis sich die Oma und die Kinder in Kirsten Boies „Ein Sommer in Sommerby“ aneinander gewöhnen. Ferien ohne WLAN? Für Martha zunächst undenkbar. Sie muss fast über die ganze Weide laufen, um ihrer Freundin mit dem Handy Nachrichten schicken zu können. Telefon hat Oma auch nicht, nicht einmal einen Fernseher. Für die Kinder eröffnet sich eine neue Welt mit Bauernfrühstück, selbst gemachter Marmelade, Hühnern, Bootsausflügen, vielen Freiheiten und neuen Freunden. Doch die Idylle gerät in Gefahr. An dieser Geschichte, die an die Welten von Astrid Lindgren erinnert, hat die ganze Familie ihre Freude – und es macht riesigen Spaß, sie vorzulesen. Es gibt witzige Dialoge, die Eltern oder Großeltern nur zu gut aus ihrem eigenen Alltag kennen. Und die Kinder erleben ein spannendes Abenteuer. Gut zu wissen, dass mit „Zurück in Sommerby“ im Juli eine Fortsetzung erscheinen soll.

Daniela Körner. Foto: privat

© pr

Daniela Körner. Foto: privat

Kirsten Boie: „Ein Sommer in Sommerby“, mit Vignetten von Verena Körting. Oetinger-Verlag.

Nichts für Zartbesaitete

von Dennis Fettig

In einem Apartment in Los Angeles wird eine grauenvoll zugerichtete Frauenleiche entdeckt. Autor Chris Carter beschreibt den Tatort derart detailliert, dass selbst hart gesottene Leser gleich zu Beginn der Lektüre kurzzeitig überlegen dürften, ob sie das Buch nicht doch besser wegschließen. Am Futter fürs Kopfkino mangelt es im Thriller „Der Kruzifix-Killer“ jedenfalls nicht. Und als studierter Forensiker, der sechs Jahre als Kriminalpsychologe für die Staatsanwaltschaft arbeitete, dürfte Carter ziemlich genau wissen, wovon er schreibt. Zuständig für den Fall sind Detective Robert Hunter und sein Partner Carlos Garcia – brutale Gewaltverbrechen sind ihr Spezialgebiet. Am Tatort gibt es keinerlei Spuren, nur ein doppeltes Kreuz ist in den Nacken des Opfers eingeritzt – das Markenzeichen des Kruzifix-Killers. Ebenjenen hat das Ermittler-Duo vermeintlich einige Monate zuvor zur Strecke gebracht. Doch offensichtlich ist der echte Killer noch immer auf freiem Fuß und fordert Hunter und Garcia zu einem perfiden Katz-und-Maus-Spiel heraus. „Der Kruzifix-Killer“ ist nichts für Zartbesaitete. Daher sind es vor allem Genre-Fans, die Spaß dabei haben dürften, an der Seite der beiden Cops auf Serienkillerjagd zu gehen.

Wer nach Band eins Blut geleckt hat, kann sofort weiterlesen: Zehn Bände umfasst die Thriller-Reihe mittlerweile.

Chris Carter: „Der Kruzifix-Killer“, Ullstein Verlag.

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Erstellt:
23. April 2020, 10:25 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 19sec

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