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Lupenreine Tanzpreziosen

Baden-Baden (cl) – Hohe russische Tanzkunst, facettenreicher Feinschliff, funkelnde Farbenpracht in Pas de deux und Ensembletänzen: Mit Balanchines elegantem Juwelen-Ballett ist das Weihnachtsgastspiel des Mariinsky-Balletts im ausverkauften Festspielhaus zu Ende gegangen (Foto: Razina).

Verführerische „Rubine“: Renata Shakirova (Mitte) und ihr Gefolge im Festspielhaus.Razina/Mariinsky-Theater

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Verführerische „Rubine“: Renata Shakirova (Mitte) und ihr Gefolge im Festspielhaus.Razina/Mariinsky-Theater

Von Christiane Lenhardt

Als Marilyn Monroe in den goldenen Zeiten Hollywoods „Diamonds are a girls best friends“ verführerisch hauchte und Audrey Hepburn vom „Frühstück bei Tiffanys“ schwärmte – da schuf George Balanchine mit „Jewels“ eines seiner besten Ballette in New York. Wie für Holly Golightly waren die glitzernden Edelsteine und ihre funkelnde Farbenpracht in den Auslagen der großen Juweliere auf der Fifth Avenue damals inspirierend für den gebürtigen St. Petersburger, den letzten Chef der legendären französischen Ballets Russes, der schließlich in den USA den neoklassischen Ballett-Stil mit seiner neuen New Yorker Compagnie prägte.

Jahrelang waren die „Jewels“ von Balanchine ausschließlich beim New York City Ballet in Besitz, nun tanzen auch andere große Compagnien die Choreografie – von Paris, Hamburg bis St. Petersburg. Das Mariinsky-Ballett, das Einzelteile bereits effektvoll in seine Galas einfügte, hat das Juwelen-Ballett nun erstmals in Gänze zum Abschied seines Weihnachtsgastspiels im Festspielhaus Baden-Baden aufgeführt.

Für sein erstes abstraktes Ballett „Jewels“ – mit Akten in Smaragdgrün, Rubinrot und Diamantglitzer – erfand Balanchine eine temperamentvolle Reminiszenz an die französisch-russische Tanztradition und reicherte seine Choreografie mit amerikanischem Swing und Schwung an – ein glänzendes Werk, mit dem sich das Mariinsky-Ballett nun schmücken und seine hohe Tanzkunst virtuos ausspielen kann.

Balanchines Stil, der die Eleganz und Anmut der Ballerinen feiert, die Solistenpaare in einem facettenreichen Spiel mit dem klassischen Bewegungsmaterial herausfordert und die Ensembles temporeich zu immer neuen Strukturen formt, präsentieren die St. Petersburger Tänzerinnen und Tänzer perfekt auf die Musik abgestimmt, geschmeidig dahinfließend und mit sprunggewaltigem Temperament.

Den Tänzerinnen legt der Choreograf die Edelsteine in Fülle um den Hals, macht die Trägerinnen mit glitzernden Krönchen auf dem Kopf zu Ballettköniginnen, die Herren funkeln nicht weniger. Lupenrein sind die klunkerreichen Kostümentwürfe Madame Karinskas von 1967 am Mariinsky neu rekonstruiert worden – und knüpfen an den Glanz zaristischer Zeiten an, in denen Balanchine selbst noch Tänzer beim damaligen Mariinsky war. Über der Szene glitzert das einem Collier nachempfundene Bühnendekor.

Das dreiteilige Ballett erinnert an die drei Staaten, mit denen sich Balanchine eng verbunden fühlte: Der erste Teil „Smaragd“ feiert die große Balletttradition Frankreichs in grünen, noch knielangen Ballettkleidern in lyrischen, wiegenden Bewegungen, Pirouetten und Hebungen. Die Paare und Ballerinengruppen erinnern ein wenig, wenn auch beschwingt und raumgreifend, an die geometrische Ordnung aus absolutistischer Zeit.

Das Mariinsky-Orchester unter der Leitung des US-Amerikaners Gavriel Heine, dem Ständigen Dirigenten der Petersburger, hat den ätherischen, französischen Tanzstil mit der feinen Melodik Gabriel Faurés kongenial unterlegt. Bei Strawinskys rhythmisch geschärftem Capriccio für Klavier zu den amerikanischen „Rubinen“ in glutvollem Rot hat Pianistin Lyudmila Sveshnikova den Solopart übernommen. Der jazzig angehauchte zweite Teil mit pointierten Schritten und ausgestellten Hüften lässt nicht nur die Ballerinen verführerisch funkeln, sondern gibt auch den Tänzern die Gelegenheit, mit dynamischen Sprüngen zu glänzen.

Sätze aus Tschaikowskys dritter Sinfonie unterstreichen schließlich die Grandezza der russischen Tanzkunst in den „Diamonds“. Im dritten Teil des Balletts spiegelt sich der Glanz des weißen Balletts vor allem im großen Pas de deux des exzellenten Solistenpaars: Viktoria Tereshkina und Xander Parish. Die elegante russische Prinzipalin und der herausragende britische Tänzer, seit 2010 beim Mariinsky, brillieren in einer sich steigernden Variation aus kraftvollen Soli, schwierigen Hebungen und Schwüngen bis zum effektvollen Schlussbild: das das Paar, ein bisschen wie bei „Schwanensee“, vor diagonal zulaufender Formation rahmt.

Mit Balanchines modernisierter Balletttradition hat sich das Mariinsky aus Baden-Baden in lupenrein geschliffener Tanzkunst verabschiedet – bis Weihnachten 2020.

Lupenreine Tanzpreziosen

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Erstellt:
30. Dezember 2019, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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