Messenger-Dienst für alle Schulen

Stuttgart (bjhw) – Ein neues Bündnis, das für Zehntausende Lehrkräfte und Eltern im Land steht, fordert, die Digitalisierung der Schulen endlich grundsätzlich anzugehen.

Die Bildungsverbände fordern mehr Tempo beim Thema Digitalisierung. Symbolfoto: Jaspersen/dpa

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Die Bildungsverbände fordern mehr Tempo beim Thema Digitalisierung. Symbolfoto: Jaspersen/dpa

Von Brigitte Henkel-Waidhofer

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), der zum Wochenbeginn ein entsprechender Brief zuging, reagierte noch während einer Pressekonferenz des Grundschul- und des Berufsschullehrerverbands, der GEW, des Verband Bildung und Erziehung (VBE) sowie des Vereins für Gemeinschaftsschulen. Sie kündigte einen Messenger-Dienst als „ersten Baustein der digitalen Plattform in Echtzeitbetrieb“ an.

Diskutiert wird seit Jahren, und die Wunschliste der „Initiative für Digitalisierung“ unterstreicht den Nachholbedarf: Bis zu den Sommerferien im nächsten Jahr wird die „hundertprozentige Grunddigitalisierung unserer Schulen“ verlangt, mit einer Geräteausstattung für alle Kinder, mit verbindlichen Vereinbarungen über Qualität und Geschwindigkeit der Internetversorgung sowie einer belastbaren LAN- und WLAN-Struktur in allen Schulen, einer einheitlichen Mailadresse für alle, einem Messenger-Dienst sowie Chat-, Telefon- und Videokonferenztools.

Die Zeit drängt auch deshalb, wie Volker Arntz von der Hardtschule in Durmersheim erläutert, weil sich viele Schulen in der Corona-Krise eigene Wege geschaffen haben. Je mehr dezentral inhaltlich wie finanziell investiert werde, desto schwieriger sei die Koordination: „Wenn jetzt alle weiter loslaufen, haben wir 500 Systeme auf dem Markt, die kaum mehr einzufangen sind.“

Hohe Nachfrage erwartet

In Sachen Messenger schafft Eisenmann Abhilfe. Um die Kommunikation zu erleichtern, werde ab sofort den Schulen im Land ein sicherer Messenger-Dienst zur Verfügung gestellt. Pro Lehrkraft werde es eine Lizenz zum freiwilligen Abruf „schulweise in Stufen“ geben. Die Kultusministerin erwartet eine hohe Nachfrage und dass „bei mehr als 130000 Lehrkräften ein reibungsloser Rollout und Support ohne Engpässe“ gewährleistet werden kann. Die Lehrerinnen und Lehrer würden über die Schulleitungen informiert, sobald ihre Schule für den Abruf freigeschaltet wird.

Die Initiative verlangt weitere schnelle Schritte und macht auch einen Vorschlag zur Finanzierung. Denn zum großen Teil sind die Mittel aus dem Digitalpakt von Bund und Ländern bisher nicht abgerufen. Sie könnten beschleunigt und unbürokratischer zugewiesen werden, heißt es in dem Brief an Eisenmann. Das aktuelle Konzept sei deshalb weiterzuentwickeln und eine Mindestausstattung für jede Schule zu definieren. Die versammelten Lehrkräfte, Eltern und Verbandsvertreter erinnern auch daran, dass die technische Voraussetzung nur der erste Schritt ins digitale Schulzeitalter sei, dem pädagogische Konzepte und Fortbildungen folgen müssten. Letztere gebe es derzeit gar nicht, so der stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Michael Futterer, weil alle Angebote erst einmal digitalisiert werden müssten.

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Erstellt:
28. April 2020, 17:30 Uhr
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