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Jodtabletten für den Katastrophenfall

Karlsruhe (vn) - Der Regierungsbezirk Karlsruhe hat 8,6 Millionen Jodtabletten erhalten. Im Fall eines kerntechnischen Unfalls werden sie von den Stadt- und Landkreisen an die Bevölkerung verteilt.

Mit Jodtabletten soll die Bevölkerung geschützt werden. Foto: Volker Neuwald/BT

Mit Jodtabletten soll die Bevölkerung geschützt werden. Foto: Volker Neuwald/BT

Von Volker Neuwald

Als sogenannte Höhere Katastrophenschutzbehörde hat das Regierungspräsidium gestern die erste Charge in Empfang genommen. „Mit der Bereitstellung der Jodtabletten leisten wir einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung des Schutzes der Bevölkerung. Das ist mir ein besonderes Anliegen“, sagte Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder.

Wann muss man diese Tabletten nehmen?

Hochdosierte Jodtabletten (wissenschaftlich korrekt Kaliumjodid genannt) werden im Fall eines kerntechnischen Unfalls eingesetzt, wenn dabei radioaktive Stoffe in die Umgebung gelangen.

Welche Wirkung haben sie?

Sie sättigen die Schilddrüse mit nicht radioaktivem Jod. Eine Einlagerung von radioaktivem Jod kann so verhindert werden (Jodblockade).

Für welche Personengruppe ist die Einnahme empfohlen?

Kinder und Jugendliche sowie Schwangere sind aufgrund der Entwicklung und Empfindlichkeit der Schilddrüse Hauptzielgruppe. 18- bis 45-Jährige sind weniger anfällig, die Behörden würden im Ernstfall Empfehlungen geben. Über 45-Jährige sollten gemäß Empfehlungen der Strahlenschutzkommission von einer Einnahme absehen. Mit steigendem Alter treten häufiger Stoffwechselstörungen der Schilddrüse auf.

Warum bekommen die Bürger die Tabletten nicht selbst ausgehändigt?

„Die zeitlich korrekte Einnahme ist von entscheidender Bedeutung für den Wirkungsgrad“, erläutert Jürgen Link anhand einer Grafik. Link ist stellvertretender Leiter des Referats 16 und unter anderem für Katastrophenschutz zuständig. „Eine verfrühte Einnahme vermindert die Schutzwirkung der Jodblockade, da der Wirkstoff im Körper abgebaut wird.“ Deshalb gibt im Ernstfall die Katastrophenschutzbehörde den richtigen Zeitpunkt zur Einnahme bekannt.

Ist das dann nicht zu spät?

Link betont, dass durch die Sicherheitsmechanismen heutiger Reaktoren selbst bei einem schweren Unfall bis zur möglichen Freisetzung radioaktiver Stoffe mehrere Stunden vergehen. „Dieser Zeitraum wird im Ernstfall genutzt, um die Bevölkerung in Abhängigkeit des Bedrohungsgrades zu evakuieren und mit Jodtabletten zu versorgen.“ Deshalb werden die insgesamt 8,6 Millionen Einheiten zeitnah an die Stadt- und Landkreise weitergegeben, wo sie korrekt gelagert werden und sofort einsetzbar sind.

Ist es noch notwendig, Jodtabletten vorrätig zu halten?

Zwar sind die Kernkraftwerke Phillipsburg (seit Ende 2019) und Fessenheim in Frankreich (seit 29. Juni) abgeschaltet, Neckarwestheim folgt Ende 2022. Dennoch halten Bund und Land an ihrer Strategie fest. Zum einen klingen die Brennelemente noch mehrere Jahre an ihren Standorten ab. Zum anderen befindet sich Deutschland auch nach 2022 weiter im Einflussbereich ausländischer Kernkraftwerke. So sind Cattenom in Frankreich sowie Leibstadt und Beznau in der Schweiz nur jeweils rund 160 Kilometer von Karlsruhe entfernt.

Wie lange ist das Kalumjodid haltbar?

Auf den Packungen ist kein Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben. Link schätzt, dass sie mindestens zehn Jahre verwendet werden können.

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Erstellt:
1. Juli 2020, 21:00 Uhr
Aktualisiert:
1. Juli 2020, 19:54 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 14sec

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