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Mit einer App gegen Corona

Baden-Baden (vo) – Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus könnte dem Handy eine wichtige Rolle zukommen. Denn mit ihm ließe sich ermitteln, wer Kontakt zu einem Infizierten hatte, dies möglicherweise selbst aber gar nicht weiß – und somit entsprechend gewarnt werden könnte. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist mit der Idee der Handynutzung zwar im ersten Anlauf gescheitert. Vom Tisch ist sie aber noch nicht – im Gegenteil.

Mathias Reidel hat eine spezielle App entwickelt, die es erlaubt, seinen Gesundheitszustand in eine „Heatmap“ zu melden.. Foto: pr

Mathias Reidel hat eine spezielle App entwickelt, die es erlaubt, seinen Gesundheitszustand in eine „Heatmap“ zu melden.. Foto: pr

Von Jürgen Volz

Zumal es nach einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur viel Rückhalt bei den Deutschen für solche Überlegungen gäbe: 50 Prozent sagten, sie hielten die Ortung von Kontaktpersonen von Infizierten für sinnvoll. 38 Prozent fänden das unangemessen. Zwölf Prozent machten keine Angaben.

In der Bundesregierung wird der Einsatz digitaler Methoden zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie weiterhin diskutiert. Es handelt sich dabei um eine App, die Menschen warnt, wenn sie mit einer infizierten Person in Kontakt gekommen sind (siehe nebenstehender Bericht).

Momentan stehen vor allem Aspekte des Datenschutzes im Vordergrund. Eine individuelle Kontrolle und Nachverfolgung einzelner Nutzer sei rechtlich extrem heikel, sagen Kritiker. Sie setze einen umfassenden Überwachungsapparat und massive Eingriffe in die Privatsphäre der Bürger voraus.

Allerdings gibt es bereits einen Präzedenzfall: Die Telekom hat dem Robert-Koch-Institut anonymisierte Daten übergeben. Diese erlauben ausschließlich Rückschlüsse darüber, wie viele Telefone sich in welchen Gebieten bewegt haben. Das funktioniert immerhin bis auf Landkreisebene, aber nicht so detailliert, dass einzelne Bewegungsmuster ausgelesen werden könnten.

Die Weitergabe solcher anonymisierten Informationen stufte der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber als rechtskonform ein. Zugleich mahnte er: „Ich sehe, dass in anderen Staaten während der Corona-Pandemie der Datenschutz teilweise vernachlässigt wird.“

Datenschutzbeauftragte empfiehlt „freiwillige Maßnahmen“

Und auch auf der technischen Seite bleibt die Frage, wie genau solche individuellen Standortdaten überhaupt ermittelt werden können, damit beispielsweise Infektionsketten nachvollziehbar werden, die dann wiederum unterbrochen werden könnten. In Deutschland sei die Infrastruktur zur Erfassung von Mobilfunkdaten ohnehin viel zu ungenau, um einen Rückschluss auf den Aufenthaltsort von Infizierten oder ihren Kontaktpersonen zuzulassen, sagt Kelber. Der Datenschutzbeauftragte empfiehlt stattdessen „freiwillige Maßnahmen“, um die Kontaktsperren so schnell wie möglich wieder aufheben zu können.

Genau an diesem Punkt setzt eine neue App an, die der Gaggenauer Mathias Reidel zusammen mit dem Münchner Start-Up Openasapp sowie ehemaligen Kollegen von Microsoft und Open Source Entwicklern initiiert hat. „Es werden keine Daten erfasst, die Rückschlüsse auf eine Person zulassen, sondern nur eine Installations-ID der Betriebssystemsoftware eines Mobiltelefons und Geo-Lokationsdaten, also Standorte“, sagt Reidel im BT-Gespräch. „Mithilfe der eingegangenen Daten können wir eine interaktive Karte erstellen und in Echtzeit auswerten“. Damit ließen sich beispielsweise Regionen erkennen, die eine geringe Bedrohungslage aufweisen und in denen sich etwa Kontakt-Beschränkungen wieder aufheben ließen. „Es geht um die kleinste Zelle, nicht um den Landkreis und nicht um das Bundesland“, sagt der 53-Jährige. Mithilfe der erfassten Daten könnten wiederum Verlaufskurven und Prognosen der Pandemie erstellt werden. Dies sei auch für die Frage, wann und wo die Wirtschaft in Teilbereichen wieder anlaufen kann, von Bedeutung.

Gespräche mit dem Landkreis Rastatt

„Wir müssen die Bürger mobilisieren, dass sie die App installieren und freiwillig und anonymisiert nur ihren Standort und den Gesundheitszustand mitteilen. Es kann nicht auf die einzelne Person zurückverfolgt werden. Nur wenn wir große Mengen an Daten generieren, können wir aussagekräftige Schlüsse ziehen und die Heatmap füllt sich mit Leben“, sagt Reidel.

„Auch wenn andere Staaten während der Corona-Pandemie den Datenschutz teilweise vernachlässigen, legen wir großen Wert darauf und würden unser Projekt gern einer juristischen und datenschutzrechtlichen Prüfung unterziehen, um die Lösung und die Auswertung grundrechtskonform zu gestalten“, so der gebürtige Forbacher gegenüber dem BT. Unter anderem hat er deshalb die App bereits dem Bundesdatenschutzbeauftragten vorgelegt. Auch gab es schon positive Rückmeldungen aus dem Bundesinnenministerium in Berlin, sagt Reidel. „Wir sehen unser Angebot als kostenfreie Ergänzung zu anderen Initiativen“, betont der IT-Experte, der unter anderem 13 Jahre lang bei Microsoft gearbeitet hat, und jetzt in der Non-Profit Initiative mitwirkt. Momentan sei man unter anderem mit dem Landkreis Rastatt über den Einsatz der App im Gespräch.

Das Beispiel Irland zeigt, welche Möglichkeiten sich durch eine solche App im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus eröffnen. Die Regierung will demnächst eine Smartphone-App anbieten, die weit mehr kann, als nur Ansteckungsverläufe nachzuverfolgen. Per Bluetooth soll sie dafür sorgen, dass sich die Smartphones aller App-Nutzer miteinander verbinden. Und sollte einer von ihnen an Covid-19 erkranken, würde die App direkt alle Kontaktpersonen warnen. Die irische Gesundheitsbehörde HSE will somit die freiwillige Vernetzung aller Iren in einem sozialen Netzwerk der ansteckungsgefährdeten Kontakte.

Weitere Informationen zur Initiative finden Sie hier.

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Erstellt:
2. April 2020, 11:50 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 11sec

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