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Musik mit hypnotischer Wirkung

Baden-Baden (red) – Stardirigent Valery Gergiev hat dem Festspielhaus wieder einen Besuch abgestattet: Zusammen mit den Münchner Philharmonikern und einer internationalen Sängerschar führte er den zweiten Aufzug aus Richard Wagners „Tristan und Isolde“ auf (Foto: pr).

Dirigent Valery Gergiev (Mitte) mit den Sängern Mikhail Petrenko, Andreas Schager, Martina Serafin und Yulia Matochkina (von links). Gregonowits/Festspielhaus

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Dirigent Valery Gergiev (Mitte) mit den Sängern Mikhail Petrenko, Andreas Schager, Martina Serafin und Yulia Matochkina (von links). Gregonowits/Festspielhaus

Von Nike Luber

Valery Gergiev ist ein viel beschäftigter Mann. In St. Petersburg leitet er das Mariinsky- Theater, seit 2015 ist er außerdem Chefdirigent der Münchner Philharmoniker. Man kann nicht sagen, das eine hätte nichts mit dem anderen zu tun, denn für die konzertante Aufführung des zweiten Aufzugs aus Richard Wagners „Tristan und Isolde“ brachte Gergiev die Münchner Philharmoniker mit österreichischen Solisten und Sängern des Mariinsky-Theaters zusammen. Im Festspielhaus konnte man die interessante musikalische Kombination erleben.

Zuerst stellten sich die Münchner Philharmoniker mit einer absoluten Rarität vor, den Sinfonischen Fragmenten aus „Le Martyre de Saint Sébastien“ von Claude Debussy. Aus einer für heutige Begriffe ziemlich schrägen Aufführung im Jahr 1911, in der die Tänzerin Ida Rubinstein den heiligen Sebastian gab in einem Stück, in dem Schauspiel, Tanz und Oratorium vorkamen, war die Orchestermusik nur eines von mehreren Elementen. Diese Musik wird in den Sinfonischen Fragmenten zusammengefasst, sehr farbenreich und sehr anspruchsvoll zu spielen. Die geschmeidig musizierenden Holzbläser verliehen dem Vorspiel den Charme einer Naturidylle. In dem gläsernen Klangbild des Orchesters kamen die Farbenspiele der Bläsersoli und der Harfen wunderbar zur Geltung. Den „Exstatischen Tanz und das Finale des ersten Aktes“ ließen die Münchner Philharmoniker in einem satten Fortissimo erstrahlen. Verhalten, aber mit innerer Spannung, gaben sie die Passion des Heiligen. Man genoss die musikalischen Raffinessen, die das Orchester bestechend vortrug. Dennoch blieb der Eindruck, es handle sich um eine Art Filmmusik ohne den dazu gehörenden Film.

Da war der Zweite Aufzug aus „Tristan und Isolde“ ein ganz anderes Kaliber. Es ist ohnehin die konzertanteste aller Wagner-Opern, und was die zwei Liebenden nachts in Isoldes Kemenate verhandeln, braucht keine Kulissen. Dafür aber Ausnahmesänger, die eine große Stimme und eine ausgezeichnete Kondition haben. Andreas Schager gab einen glänzenden Tristan, mit kraftvoller Stimme und leidenschaftlichem Vortrag. Martina Serafin wusste als erfahrene Wagnersängerin die Partie der Isolde differenziert zu gestalten. Ihrer Stimme hörte man in den Spitzentönen die Anstrengung an, eine Schärfe und ein unruhiges Flackern machten die Anforderungen dieser Rolle hörbar. Das zentrale Liebesduett „O sink hernieder, Nacht der Liebe“ innerhalb des langen gesungenen Dialogs legten Serafin und Schager in einem feinen Pianissimo an, sodass sich die hypnotische Wirkung dieser Musik voll und ganz entfalten konnte. Die Sopranistin und der Tenor vermittelten, wie sich Isolde und Tristan in ihre verbotene Liebe so hinein steigern, dass sie beschließen zu sterben.

Isoldes Magd Brangäne sieht das Unheil kommen, warnt aber vergeblich. Yulia Matochkina sang diesen Part mit prachtvoller Stimme und dramatischer Verve. König Marke, Isoldes Ehemann und Tristans Onkel, hätte deren Affäre gerne länger ignoriert. Vom intriganten Melot (souverän: Miljenko Turk) wird er gezwungen, deren Untreue zur Kenntnis zu nehmen. Mikhail Petrenko zeichnete sehr ruhig und intensiv das Leid des hintergangenen Königs nach. Interessanterweise schmerzt ihn Isoldes Affäre kaum, Tristans Untreue aber umso mehr.

Valery Gergiev bewies einmal mehr sein sicheres Gefühl für Wagner. Unter seiner Leitung spielten die Münchner Philharmoniker die Musik des zweiten Aufzugs dramatisch aufgeladen. Schön folgte das Orchester den Sängern, untermalte leicht pulsierend deren Pianissimo-Momente und unterstützte aufschäumend die leidenschaftlichen Liebesschwüre. Musikalisch packend gelang es Gergiev, den Solisten und dem Orchester, das Seelenleben der Protagonisten auszuleuchten.

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Erstellt:
20. Januar 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 42sec

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