„Nahverkehrspapst“ Dieter Ludwig gestorben

Karlsruhe (tt) – „Nahverkehrspapst“ Dieter Ludwig ist am Donnerstag gestorben, einen Tag nach seinem 81. Geburtstag. Das bestätigte Sarah Fricke, Sprecherin des Karlsruher Verkehrsverbunds, dem BT.

Dieter Ludwig steuerte selbst regelmäßig S-Bahnen durch die Region (das Bild entstand 2004 zu seinem 65. Geburtstag). Foto: Uli Deck/dpa/Archiv

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Dieter Ludwig steuerte selbst regelmäßig S-Bahnen durch die Region (das Bild entstand 2004 zu seinem 65. Geburtstag). Foto: Uli Deck/dpa/Archiv

Von Thomas Trittmann

Ludwig, der weit über die Region hinaus bekannt war, starb in seinem Wohnort Ettlingen. Der gebürtige Dortmunder war bis 2006 in Personalunion Chef des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV), der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK), der Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) und der Karlsruher Schieneninfrastrukturgesellschaft (Kasig). Er gilt als der Vater des Karlsruher Modells, der Verknüpfung von Straßenbahn- und Eisenbahnstrecken, um umsteigefreie Verbindungen aus der Region in die Stadt schaffen zu können. Ludwig war stolz darauf, dass Fachbesucher aus aller Welt in die Fächerstadt kamen, um sich über das Modell zu informieren, und darauf, dass es im In- und Ausland kopiert wurde.

Einsatz für Stadtbahntunnel

Dabei waren die Startbedingungen nicht gerade gut. Ludwig legte den Grundstein für sein Modell in einer Zeit, die extrem autofixiert war und in der Straßenbahnen als Auslaufmodell galten. Nicht für Ludwig: „Wir haben seit 1975, seit ich hier Chef bin, 38 Stadtbahn-Abschnitte in Betrieb genommen. Das hätte vorher niemand geglaubt“, sagte er 2004 in einem BT-Interview. Weitere Stadtbahnstrecken folgten, und auch den Stadtbahntunnel in der Karlsruher Innenstadt trieb Ludwig mit Vehemenz voran.

„Unglaubliches Standing“ bei Mitarbeitern

Nach seinem Ausscheiden mischte Ludwig, der regelmäßig selbst S-Bahnen durch die Region steuerte, weiter kräftig mit. Er war Gast bei nationalen und internationalen Fachkongressen und ging bei VBK und AVG weiter ein und aus. Bei den Mitarbeitern, die ihn noch in seiner aktiven Zeit erlebt hatten, hatte er „ein unglaubliches Standing“, sagt Sarah Fricke. Als das BT 2015 zum 300. Geburtstag Karlsruhes Promis aus der Fächerstadt nach ihrem Lieblingsplatz fragte, war es nicht überraschend, dass der Karlsruher Ehrenbürger den Albtalbahnhof nannte. Ludwig schaute den Bahnen zu, die von dort in die ganze Region fuhren, und sagte: „Das macht mir Spaß, das zu sehen.“

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Erstellt:
16. Juli 2020, 22:11 Uhr
Lesedauer:
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