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Neuer Archäologie-Saal unter Dach und Fach

Colmar (red) – Massiver Goldschmuck aus einem keltischen Fürstengrab gehört zu den Highlights der neuen Archäologie-Abteilung des Unterlinden-Museums Colmar. Am Wochenende wird bei freiem Eintritt ins alte Dominikanerkloster samt Neubau Eröffnung gefeiert (Foto: Viering).

Blick in die Archäologie-Abteilung im denkmalgeschützten Gewölbekeller des früheren Dominikanerklosters.Viering

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Blick in die Archäologie-Abteilung im denkmalgeschützten Gewölbekeller des früheren Dominikanerklosters.Viering

Von Thomas Viering

Das Unterlinden-Museum in Colmar eröffnet heute im denkmalgeschützten Gewölbekeller des ehemaligen Dominikanerklosters einen neuen Ausstellungsraum. Hier werden fortan Objekte aus der Jungsteinzeit bis zum Mittelalter zu sehen sein. Der enzyklopädische Charakter der stets erweiterten Sammlungen des Museums, der nun von der Jungsteinzeit bis zur zeitgenössischen Kunst reicht, erhält damit jetzt sein sichtbares Fundament.

Gerade einmal fünf Jahre ist es her, dass mit dem spektakulären Erweiterungsbau des Museums durch die Schweizer Architekten Herzog und de Meuron zusätzlicher Präsentationsraum für die rund 45 000 Werke der Unterlinden-Sammlung fertiggestellt wurde, da kommt mit dem neuen Archäologie-Saal dringend benötigter Platz hinzu; dennoch kann nur ein Zehntel der ur- und frühgeschichtlichen Fundstücke gezeigt werden. Weitere Fundstücke kommen außerdem jährlich hinzu, da die archäologischen Ausgrabungen fortgesetzt werden und auch weiterhin am Oberrhein gebaggert wird. Das Ausstellungskonzept sieht deshalb Vitrinen vor, die wechselnden Ausstellungen vorbehalten sind. Diese ergänzen den chronologisch und geographisch auf den nördlichen Oberrhein eingegrenzten Parcours durch den neuen Saal.

Zu den ältesten und schönsten Fundstücken zählen Keramiken aus Merxheim, die rund 5 500 Jahre vor Christus in Gebrauch waren. Ältere Spuren menschlicher Besiedlung im Elsass, die auf die Urzeiten 600 000 vor Christus datiert werden, sind darüber hinaus kaum belegt.

Wie sehr die Kelten am Oberrhein mit Kelten im Siedlungsraum entlang der Donau bis in die österreichischen Alpen im Austausch standen, zeigen zwei Kupferperlenketten, die wohl, nach jüngsten Laboruntersuchungen ermittelt, aus dem österreichischen Alpenraum ihren Weg in diese Region gefunden hatten. Sie zählen zu den ältesten Bronzefunden in ganz Frankreich. Die Bronzezeit wird didaktisch in drei Sparten aufgeteilt: In Metallurgie, Keramikformen – gezeigt werden spezielle Funde wie die Glockenbecher, die einer ganzen regionalen Kultur auch als Namensgeber dienen – sowie verschiedene Fundkomplexe. Gräber sind hier insbesondere ausgestellt, weil sie die Fundgruppe sind, die nicht selten als markante Punkte in der Landschaft immer wieder über mehrere Epochen hinweg verwendet wurden und von denen die Altertumsforscher somit am meisten wissen.

Das gilt insbesondere auch für das Grab von Sonthofen. Wo ein Schwert aus der Eisenzeit in einem Grab aus der mittleren Bronzezeit gefunden wurde. Zugeordnet werden die elsässischen Fundobjekte jenen Epochen, die nach markanten vorausgegangenen Fundorten in Österreich – Hallsteinzeit (um 500 v. Chr.) und die jüngere Epoche La-Tène-Zeit (Schweiz) – überschrieben sind. Obwohl in der Eisenzeit geschmiedet, sticht hier ein Goldschmuck aus massivem Gold besonders ins Auge. Er stammt aus dem keltischen Fürstengrab von Ensisheim (wo 1492 auch einer der ältesten bezeugten Meteoritenfälle Europas stattfand, den Albrecht Dürer in seiner Kunst verewigte).

Die wissenschaftlichen und thematisch aufbereiteten Sektionen werden verzahnt durch haptische Vermittlungsstationen, an denen Töpfern, Spinnen sowie Metallverarbeitung erklärt werden. Berührt werden kann auch eine Silexpfeilspitze, die sonst nur hinter Vitrinen zu sehen ist. Auch werden diese Fundstücke ergänzt, mit dem, was der Archäologie nicht mehr erhalten ist, wie das Holz des Pfeils. Die Ausstellung soll für Novizen ebenso zugänglich sein wie für Kenner der Thematik.

Im Kellergewölbe daneben befindet sich ein Raum mit römischer Kunst. Zentrales Objekt hier ist das Mosaik von Bergheim. Ein kompletter, komplex mit Tausenden kleinster Steinchen verzierter Fußboden einer römischen Prunkvilla. Dieser Fund auf einem Hügel mit Blick auf das Oberrheintal wurde 1848 bei Arbeiten in einem Weinberg entdeckt. Er wurde in das leerstehende, ungenutzte ehemalige Dominikanerkonvent nach Colmar gebracht und war Anlass für die Gründung des Unterlinden-Museums.

Neuer Archäologie-Saal unter Dach und Fach

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Hat Gewicht: Der Schmuck mit 98 Prozent massivem Goldanteil aus dem keltischen Fürstengrab von Ensisheim im Elsass sticht hier besonders ins Auge.

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Hat Gewicht: Der Schmuck mit 98 Prozent massivem Goldanteil aus dem keltischen Fürstengrab von Ensisheim im Elsass sticht hier besonders ins Auge.

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Erstellt:
23. Januar 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 46sec

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