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Pfingstfestspiele abgesagt: Zu früh für kleine Ersatzspiele

Baden-Baden (cl) – Die Pfingstfestspiele 2020 finden wegen der Gefahr durch die andauernde Corona-Pandemie nicht statt. Dies teilte das Festspielhaus Baden-Baden nun mit. Zwar dürfen einige Theater im Land ab Montag unter Auflagen wieder starten, aber für Deutschlands größtes Konzerthaus sei es zu früh für ein kleineres Ersatzprogramm am Pfingstwochenende.

Hätte „neue Pfingstfestspiele“ mit dem SWR Symphonieorchester im Festspielhaus Baden-Baden einläuten sollen: Pultstar Teodor Currentzis.  Foto: Viering/Archiv

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Hätte „neue Pfingstfestspiele“ mit dem SWR Symphonieorchester im Festspielhaus Baden-Baden einläuten sollen: Pultstar Teodor Currentzis. Foto: Viering/Archiv

Von Christiane Lenhardt

Die Pfingstfestspiele 2020 hätten zu einem Currentzis-Festival werden – und das SWR Symphonieorchester nach Baden-Baden zurückbringen sollen. Und nicht nicht nur das: Ein transatlantisches Großprojekt plante das Festspielhaus zusammen mit dem neuen multimedialen Kulturzentrum „The Shed“ in New York an der Oos: Es sollte bewegte Bildwelten des 2019 gestorbenen Film-Avantgardisten Jonas Mekas zu Verdis Requiem geben. Aber statt des für 31. Mai geplanten Verdi-Abenteuers mit dem griechischen Stardirigenten, an dem auch sein Ensemble Music-Aeterna mitwirken wollte, kam gestern die Absage des Festivals.
Sie war schon länger erwartet worden. Das Land Baden-Württemberg hat die Schließung von Theatern und Konzerthäusern vor dem Hintergrund der andauernden Corona-Pandemie bis zunächst zum 4. Juni angeordnet. Das Festspielhaus folge damit den Anweisungen zum Schutz von Publikum und Künstlern wie bereits in den vergangenen Wochen, hieß es gestern in einer Erklärung. Auch wenn erste Theater wieder Programm in kleinerem Umfang mit bis zu 100 Besuchern anbieten dürfen: Selbst für ein kleineres Ersatzprogramm käme das Pfingstwochenende zu früh, heißt es aus dem Festspielhaus.

Verdis Requiem mit den Bilderwelten von Jonas Mekas waren geplant


„Es ist sehr schade, dass begonnene künstlerische Linien in dieser Saison jetzt nicht sichtbar werden. Das betrifft die Zusammenarbeit mit Teodor Currentzis. Auch die Rückkehr des SWR Symphonieorchesters nach Baden-Baden ist nun aufgeschoben“, erklärte Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa. „Ich wünschte, dass auch solche Gedanken abseits aller berechtigter wirtschaftlichen Fragen noch ein wenig im Gedächtnis bleiben“, fügte er hinzu.
Vor allem die Pfingstfestspiele, die zuletzt durch die Osterfestspiele der Berliner Philharmoniker weiter ins Hintertreffen gerieten, wollte Stampa durch die allein drei geplanten Aufführungen unter der Leitung von Teodor Currentzis aufwerten. Gerade durch die Begegnung von Verdis Requiem mit den Bildern des amerikanisch-litauischen Filmemachers Jonas Mekas, der vor seinem Tod noch an dem Projekt mitgearbeitet hatte, hätten die Pfingstfestspiele neue Impulse erhalten sollen.

Wann das Programm wieder starten kann, ist offen


Wann wieder Musik im Festspielhaus im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung erklingen könne, werde noch zu beraten sein, teilte das Haus mit. Als international agierendes Festival mit vielen Gast-Künstlern sei das schwer abzusehen und müsse auch künstlerisch Sinn machen.
Deswegen stehen auch die Sommerfestspiele auf der Kippe, bei denen vom 3. bis 26. Juli unter anderen der russische Stardirigent Valery Gergiev und das Mariinsky-Orchester St. Petersburg gastieren sollten. In Russland ist der Lockdown momentan noch in vollem Gange, an internationale Reisen kaum zu denken.
Der komplette, coronabedingte Programmausfall seit Mitte März macht dem Festspielhaus finanziell erheblich zu schaffen: „Viele Kosten, keine Einnahmen“, so Stampa, schlagen zu Buche. Von rund sechs Millionen Euro Einnahmeausfälle bis Saisonende war die Rede. Wegen der massiven Verluste hat das Festspielhaus „einen Rettungsfonds“ beim Land Baden-Württemberg beantragt, wie Festspielhaus-Chef Stampa kürzlich im BT-Gespräch erklärt hatte. Woraufhin Kunstministerin Theresia Bauer ankündigte, sich im Rahmen des vom Land vorgeschlagenen Nothilfeprogramms für Kunst- und Kultureinrichtungen für die Existenzsicherung des Festspielhauses einsetzen zu wollen. Offen ist aber, ob und in welcher Höhe die Unterstützung erfolgt.
Um die bereits entstandenen Kosten für das Festival abmildern zu können, hofft das Festspielhaus, dass viele gekaufte Eintrittskarten für Veranstaltungen der neuen Saison 2020/21 umgetauscht werden. „Die größte Hilfe stellt in der aktuellen Situation die Spende des Eintrittspreises dar“, so Stampa. Auf jeden Fall würden die Karteninhaber in den kommenden Tagen angeschrieben.

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Erstellt:
19. Mai 2020, 07:00 Uhr
Aktualisiert:
19. Mai 2020, 06:59 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 44sec

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