Rastatter Tageblatt

„Wir stehen in den Startlöchern“

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„Wir stehen in den Startlöchern“

Johannes Hermann, Rektor der Albert-Schweitzer-Schule Muggensturm, in der gekennzeichneten Lehrer-Fläche. Foto: Vetter

Rastatt/Durmersheim/Muggensturm (dm/as/sl) – Nachdem sich die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder darauf geeinigt haben, ab 4. Mai den Schulbetrieb beginnend mit den Abschluss- und Prüfungsklassen wieder aufzunehmen (wir berichteten), warten die Bildungsstätten nun auf konkrete Vorgaben vor Ort. Unterdessen werden entsprechende Vorbereitungen getroffen.

„Wenn wir mit den Abschlussklassen am 4. Mai starten können, dann hätten wir noch zwei Wochen, um die Schüler konzentriert auf die Prüfungen vorbereiten zu können“, stellt der Leiter des Staatlichen Schulamts Rastatt, Wolfgang Held, fest. Nach aktuellem Stand sollen die Prüfungen für die mittleren Bildungsabschlüsse am 20. Mai beginnen, die Abiturprüfungen am 18. Mai. Dass die oberen Klassen vor den jüngsten Schülern wieder zurück in die Schulgebäude sollen, kann der Leitende Schulamtsdirektor vor dem Hintergrund der dann erforderlichen Verhaltensregeln nachvollziehen. Diese Maßstäbe seien auch der Grund, warum die Sonderschulen wohl die letzten sein werden, die ihren Betrieb wieder aufnehmen. Gerade bei körperlich behinderten Kindern sei direkter Kontakt – zum Beispiel beim Stützen – oft unvermeidlich.

Vieles muss noch vor dem Betriebsstart in den Schulen geregelt werden: Verköstigung, Schülertransport, nicht zuletzt die Umsetzung von Abstands- und Hygiene-Erfordernissen, so Held. Offen ist zum Beispiel noch, ob es eine Mundschutzpflicht für Schüler und Lehrer im Unterricht geben wird.

Vorbereitet wird aktuell zudem der Unterricht zu Hause, der in der kommenden Woche in jedem Fall wieder fortgesetzt werde. Andreas von der Forst, Rektor der Gustav-Heinemann-Schule und geschäftsführender Schulleiter der Rastatter Schulen: „Wir stehen in den Startlöchern“.

Auch im Rastatter Tulla-Gymnasium wartet Schulleiterin Andrea Rösch noch auf genauere Aussagen des Kultusministeriums darüber, welche Klassen genau den Unterricht vor Ort wieder aufnehmen sollen, ob das nur für die Schüler gilt, für die das Abitur unmittelbar bevorsteht, oder auch für andere. Die Kultusministerien hätten ihres Wissens Zeit bis 27. April, ein konkretes Konzept zu erstellen, „ich hoffe aber, dass wir Schulleiter schon früher etwas erfahren“. Als Schulträger sei die Stadt Rastatt für ein Hygienekonzept zuständig. „Ich bin froh, dass wir am Tulla-Gymnasium in jedem Zimmer ein Waschbecken haben“, ist Rösch zuversichtlich. Auch Seife sei genügend vorhanden. Am Montagnachmittag will laut der städtischen Pressesprecherin Heike Dießelberg die Stadtverwaltung mit den Schulleitern der fünf städtischen Schulen in einer Telefonkonferenz das weitere Vorgehen abstimmen. Das betreffe zum Beispiel den Einsatz von Reinigungskräften in den Schulgebäuden, für die die Stadt zuständig ist.

Für die Realschule Durmersheim steht fest, dass die Schülerinnen und Schüler der Klassen 9a, 10a, 10b und 10c ab 4. Mai wieder zur Schule gehen, auch wenn die konkreten Anweisungen des Kultusministeriums noch abgewartet werden müssen. Derweil nehmen die Lehrer den Unterricht via „Homeschooling“ am Montag für alle wieder auf.

Rektor Volker Arntz von der Hardtschule Durmersheim sieht die Entscheidung kritisch. An der Gesamtschule sei bis zu den Osterferien das reguläre Lernpensum per Videoschalte von 8.30 bis 13 Uhr täglich vermittelt worden. Organisatorisch sei die Wiedereröffnung kein Problem, aber die Gesamtschule bräuchte sie nicht. „Der Lernzuwachs ist da“, betont Arntz, dass kein Unterricht ausgefallen sei. Er hat vielmehr Bedenken, was passiert, wenn es bei den etwa 160 betroffenen Schülern einen Corona-Fall geben sollte und Klassenkameraden sowie Lehrer zwei Wochen in Quarantäne müssten: „Dann wird das mit der Prüfung auch nichts.“ Man schaue prüfungsorientiert zu sehr auf 20 bis 25 Prozent der Schüler, findet er, dabei müsste es vielmehr endlich klare Vorgaben geben für alle Schularten, was Homeschooling beinhalten muss.

„Hätten am Montag starten können“
„Wir sind vorbereitet und hätten am Montag mit dem Schulbetrieb starten können“, erklärt Johannes Hermann, Rektor der Albert-Schweitzer-Schule Muggensturm. Das Kollegium der Grundschule saß gestern Morgen zusammen, um das Homeschooling nach den Ferien vorzubereiten. „Wir müssen jetzt die Eltern in die Pflicht nehmen, Mathe, Deutsch und etwas Sachkunde zu unterrichten“, betont Hermann.

Das Gebäude wurde im Auftrag der Gemeinde in der ersten Osterferienwoche intensiv gereinigt und desinfiziert. Zudem habe man ausreichend Platz, um die Klassen zu teilen, sodass nicht mehr als 15 Schüler in einem Raum unterrichtet werden könnten. Außerdem wurden schon mit Absperrband auf dem Fußboden sogenannte Lehrer-Areas um Tafel und Pult gekennzeichnet, „sodass die Lehrkräfte sich im Fall einer Maskenpflicht dort ohne Maske aufhalten könnten“, erklärt Hermann. Des Weiteren hatte die Schule geplant, montags und mittwochs die ersten und zweiten Klassen, an den restlichen drei Tagen dann die Dritt- und Viertklässler zu unterrichten. Die Lehrer sollten sich dazu ebenfalls in zwei Gruppen aufteilen. Eine Desinfektion der Klassenräume in den großen Pausen war auch vorgesehen. Doch nun kommt alles anders. Zunächst sollen nach den Plänen der Bundesregierung nur die Viertklässler im Mai wieder in den Schulen unterrichtet werden. Hermann findet diese Entscheidung nicht richtig. „Die Erst- und Zweitklässler brauchen viel mehr Unterstützung durch die Lehrkräfte“, die Dritt- und Viertklässler könne man gut anleiten, ihre Arbeitsaufgaben beispielsweise mit Hilfe von Erklärvideos zu erledigen. Dazu wurde für das Programm Sofatutor eine kostenlose Lizenz für alle Schüler zur Verfügung gestellt, auf die auch viele Muggensturmer Kindergartenkinder zugreifen. Dort gibt es Aufgabenblätter, und die Erklärvideos böten altersgerechte Anleitungen etwa in Mathematik, erklärt Hermann. Wer zu Hause keinen PC oder Drucker hat, bekommt von der Schule das Material ausgedruckt. „Es darf kein Kind deswegen benachteiligt sein“, betont er.

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