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Rastatter Wassersportler sitzen auf dem Trockenen

Rastatt (mi) – Die Corona-Krise hat auch den Wassersport fest im Griff. Vom Rastatter Ruder-Club darf derzeit kein Athlet das Vereinsgelände betreten, geschweige denn ins Boot steigen.

Für die RC-Mitglieder besteht auf dem heimischen Goldkanal derzeit keine Chance, in eines der Ruder-Boote zu steigen. Foto: Stache/dpa

© picture alliance / dpa

Für die RC-Mitglieder besteht auf dem heimischen Goldkanal derzeit keine Chance, in eines der Ruder-Boote zu steigen. Foto: Stache/dpa

Von Michael Ihringer

Nach dem „Herzlich Willkommen“ blinkt es auf der Homepage des Ruder-Clubs Rastatt 1898 direkt darunter knallig rot auf, was wie in allen Sportvereinen Deutschlands momentan nichts Gutes verheißt. „Aufgrund der behördlichen Beschlüsse muss unser Gelände bis auf Weiteres geschlossen bleiben. Wassersport eingeschlossen!“, steht dort nämlich geschrieben. Die Corona-Verordnung der Landesregierung lässt also auch die Wassersportler auf dem Trockenen sitzen.

Wobei es in Rastatt nicht nur die Ruderer trifft, denn der Club vereint auch die andere olympische Sportart Segeln und das Motorbootfahren. Betroffen sind also alle drei Abteilungen. „Derzeit ist alles untersagt. Das Gelände und unser Bootshaus sind gesperrt“, sagt der erste Vorsitzende Uli Jung. Ruderwart Matthias Koerwer bringt die Gefühlslage der Sportler, die bei schönstem Wetter zur Inaktivität verurteilt sind, auf den Punkt, relativiert aber angesichts der Gesamtsituation im Land: „Das ist schlimm, aber es ist richtig so. Wir müssen die Zähne zusammenbeißen und da durch. Ich stehe hinter den strengen Auflagen. Es ist derzeit wichtiger, in anderen Bereichen des Lebens zu öffnen als im Sport.“

Ruderer ohne Kurse, Segler ohne Regatten

Wobei Koerwer darauf hinweist, dass die rund 100 Ruderer des Vereins im Gegensatz zu den Seglern eher im breitensportlichen Spektrum anzusiedeln sind. „Bei uns sind keine Regatten geplant. Es betrifft bei uns die angebotenen sogenannten Wanderfahrten.“ Die frühere Ausnahmeathletin Meike Dütsch, die in der Vergangenheit schon für den Nationalkader nominiert war und an Junioren-Weltmeisterschaften teilnahm, hat sich aus dem Hochleistungssport mittlerweile zurückgezogen, ist aber noch Vereinsmitglied. Für den breitensportlichen Charakter der Abteilung spricht das Durchschnittsalter von über 50 Jahren. Da das Rudern – wenn nicht im Hochleistungssport betrieben – durchaus aber als gesundheitsfördernd einzustufen ist, bedauert Koerwer, dass die geplanten drei Kurse, um neue Mitglieder zu gewinnen, natürlich auch abgesagt werden mussten: „Das schmerzt.“

Dagegen sind die mitgliederstärkeren Segler leistungsorientierter und von daher noch stärker betroffen. So fielen bereits die Oster- und Schneeglöckchen-Regatta buchstäblich ins Wasser. Die Teilnahme an zwei weiteren Regatten war fest in Planung, doch auch hier heißt es: Still ruht der See. Uli Jung: „Momentan ist alles spekulativ, wir warten die Entscheidung der Landesregierung ab. Allerdings kann man noch nicht sagen: Die ganze Saison ist verloren. Wir haben natürlich das größte Interesse daran, dass die Athleten bald wieder herumschippern können.“

Kranbetrieb für Segel- und Motorboote ab Montag

Zumindest einen Hoffnungsschimmer gibt es. Ab nächsten Montag dürfen die ersten Boote wieder andocken. Segelwart Michael Westholt freut sich in seiner Mitteilung an die „lieben Bootsbesitzer, dass wir nach Abschluss der notwendigen organisatorischen Vorbereitungen den Kranbetrieb für Segel- und Motorboote aufnehmen“. Die Einschränkungen der Vereinstätigkeit auf dem Goldkanal und die Regelungen des Kontaktverbots aufgrund der Verordnung vom 15. April sind indes einschneidend, wie Westholt akribisch auflistet:

Das Segeln an sich ist nach wie vor bis auf Weiteres nicht gestattet.

Die Boote dürfen lediglich bis zu deren Liegeplätzen verbracht werden.

Keine Versammlung von mehr als fünf Personen gleichzeitig auf dem RCR-Gelände.

Der Aufenthalt auf dem Gelände und den Steganlagen ist auf ein Minimum zu reduzieren (nur zum Kranen und Sichern der Boote).

Maßnahmen zur Bootspflege und Instandsetzung bleiben auf dem Gelände untersagt.

Den jüngsten Hoffnungsträger unter den rund 400 Seglern, Riko Rockenbauch, trifft es mit am härtesten. Der 16-Jährige wurde im Vorjahr deutscher Meister in der 29er-Klasse. „Er ist als unser Aushängeschild für Olympia in Paris auf dem Schirm“, hält Westholt große Stücke auf den Nationalkader-Athleten. „Der fliegt normal auch nach Brasilien oder Spanien. Jetzt ist das für ihn erst mal durch.“

Den Großen der Szene geht es indes nicht besser. So absolvieren Ruder-Teammitglieder des deutschen Weltmeister-Achters ihre Trainingseinheiten zwar auf ihrem gewohnten Rollsitz. Aber statt auf Wasser auf dem eigenen Balkon.

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Erstellt:
29. April 2020, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 56sec

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