Versicherung im digitalen Wandel

Karlsruhe –Die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg befindet sich im digitalen Wandel. Knapp 4,2 Millionen Versicherte, 1,5 Millionen Rentner und 3600 Mitarbeiter sollen künftig von den Vorzügen einer neuen Arbeitsweise profitieren können.

Den künftigen Arbeitsplatz kennenlernen: Auf den Hausmessen informieren die verschiedenen Bereiche über die neue Arbeitsweise. Foto: DRV Baden-Württemberg

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Den künftigen Arbeitsplatz kennenlernen: Auf den Hausmessen informieren die verschiedenen Bereiche über die neue Arbeitsweise. Foto: DRV Baden-Württemberg

Von Markus Langer

Wie hoch wird meine Rente? Die Antwort auf diese Frage wird immer schwieriger – weil die Sozialgesetzgebung immer komplexer geworden ist und der klassische Arbeitnehmer, der 40 Jahre für einen Arbeitgeber tätig war, immer seltener wird. Helfen soll die Digitalisierung. Und das nicht nur bei der Berechnung der Leistung, sondern auch bei der Betreuung der Berufstätigen. Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Baden-Württemberg ist gerade dabei, ihre Arbeitsweise grundlegend umzukrempeln. Dabei muss sie nicht nur die knapp 4,2 Millionen Versicherten sowie 1,5 Millionen Rentner, sondern auch ihre rund 3 600 Mitarbeiter mitnehmen.

Die DRV Baden-Württemberg ist der Träger der gesetzlichen Rentenversicherung im Südwesten und damit ein Teil der Deutschen Rentenversicherung im Bund. Sie unterhält zwei Hauptverwaltungen in Stuttgart und Karlsruhe sowie 17 Regionalzentren und Außenstellen. Ihr Aufgabengebiet umfasst schon lange nicht mehr nur die Verwaltung der Altersbezüge. Vorsorge- und Rehamaßnahmen rücken immer stärker in den Fokus, um die Arbeitnehmer in ihrem immer länger dauernden Erwerbsleben zu betreuen. Die Folge: Die eigentliche Leistungsberechnung muss schneller und effektiver werden, um mehr Freiräume für die Beratung zu schaffen.

Dabei soll die Digitalisierung helfen. Deshalb hat sich der Bundesvorstand der Deutschen Rentenversicherung 2017 dazu verpflichtet, dass die einzelnen Träger bis zum Ende dieses Jahres die Akten des Leistungsbereichs elektronisch führen und bearbeiten. Im Südwesten wird man dieses Ziel erreichen und danach auch die Arbeitsfelder Sucht sowie Beitragseingang digitalisieren, wie Direktorin Elisabeth Benöhr bei der jüngsten Vertreterversammlung der DRV berichtete.

Doch das ist nur der erste Schritt. Bislang werden eingehende Schreiben – etwa 8 000 Stück pro Tag – eingescannt und danach am Bildschirm bearbeitet. Mittelfristig sollen immer mehr Daten online die Rentenversicherung erreichen – von Versicherten, aber auch von Krankenkassen, Behörden und Kliniken.

Die Kommunikation mit den Versicherten soll diesen künftig vor allem auch einen einfacheren Zugang zu Informationen über die Leistungen der DRV bieten und das Ausfüllen von Anträgen erleichtern. Dabei setzt man auf eine Verzahnung von klassischer Beratung und neuer Technik. So bietet man im Südwesten bereits Videoberatungen an, mit deren Hilfe die Wartezeit auf einen Termin verkürzt werden kann.

Sensible Daten müssen geschützt werden

Schwieriger wird es, wenn es um die Übermittlung von persönlichen Daten geht. Denn bei der Rentenversicherung läuft eine Fülle sehr sensibler Angaben – etwa über die Einkommensverhältnisse oder die Krankengeschichte eines Menschen – zusammen. Um einen Missbrauch auszuschließen, ist es nötig, dass sich die Nutzer einfach, aber auch sicher authentifizieren können – das ist bislang noch die größte Baustelle im digitalen Wandel.

Die österreichische Pensionsversicherungsanstalt ist da bereits einen Schritt weiter. Sie bietet ihren Versicherten eine Art „digitalen Ausweis“ an, den man nach einer Registrierung per Handysignatur aktivieren und danach elektronisch Anträge stellen, das eigene Pensionskonto einsehen und Antworten von der Versicherung erhalten kann. Diesen Weg will man auch in Deutschland beschreiten. Dazu wollen die verschiedenen Leistungsträger ein gemeinsames Rechenzentrum aufbauen und Arbeitsabläufe vereinheitlichen.

Der Einsatz neuer Technik verändert nicht nur den Kontakt zu den Versicherten und Leistungspartnern, sondern auch die Arbeit innerhalb der DRV. Die einstmals mit Papierakten gefüllten riesigen Archive in den beiden Hauptverwaltungen sind geräumt, die Daten digitalisiert. Aber auch die Arbeitsplätze der Mitarbeiter werden nach und nach umgerüstet. Locher, Ablagen und Stifte verschwinden.

Neue Angebote an die Mitarbeiter

Stattdessen werden in der Leistungsbearbeitung nun höhenverstellbare Schreibtische (an denen man auch stehen kann) mit zwei Bildschirmen eingesetzt. So können die Mitarbeiter auf einem Bildschirm einen Antrag bearbeiten und auf dem anderen Bildschirm nötige Unterlagen einsehen. Unterstützt werden sie dabei von einer Datenbank, in der man nach Mails, Intraneteinträgen oder Gesetzestexten zu einem Thema suchen kann – und alle Treffer in einer Liste angezeigt bekommt.

Den Mitarbeitern hat man die neuen Möglichkeiten nicht einfach vorgesetzt, sondern sie in den Prozess eingebunden. Koordiniert wird das von den Betreuern des abteilungsübergreifenden Projekts AIDA. Um den Wandel erlebbar zu machen, wurden von Januar bis April an den verschiedenen Standorten Hausmessen veranstaltet, auf denen die verschiedenen Bereiche ihre Projekte zur Digitalisierung vorstellten. Rückfragen und Verbesserungsvorschläge waren erwünscht. Nach den Schulungen zur neuen Arbeitsweise können die Bearbeiter in ihrem Alltag jederzeit auf ein elektronisches Lernprogramm zurückgreifen.

Begleitet wird der digitale Wandel auch durch zusätzliche Angebote an die Mitarbeiter – etwa eine augenärztliche Betreuung oder die Schaffung von Rückzugsräumen, in denen sich Gruppen zwanglos austauschen können.

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Erstellt:
30. Juli 2019, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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