Route geändert: Kurdenmarsch durch die Pfalz und das Saarland

Baden-Baden/Mannheim – Der traditionelle Kurdenmarsch nach Straßburg, der an die Verhaftung von Kurdenführer Abdullah Öcalan erinnert, wird Baden dieses Jahr nur ganz im Nordwesten streifen. Die Veranstalter haben die Route geändert. Von Mannheim aus geht es über die Pfalz und das Elsass nach Straßburg. In Mitteelbaden sieht man der Verlegung des Marsches, der immer wieder für Ärger und Krawalle sorgte, nicht ungern.

Zwischenstopp auf dem Rastatter Bahnhofsvorplatz: Protestmarsch von kurdischen Aktivisten mit dem Konterfei von Abdullah Öcalan. Vetter/av

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Zwischenstopp auf dem Rastatter Bahnhofsvorplatz: Protestmarsch von kurdischen Aktivisten mit dem Konterfei von Abdullah Öcalan. Vetter/av

Von Dieter Giese

– Die Gerüchteküche brodelte schon ein Weilchen, nun bestätigte die Stadt Mannheim, dass der „Kurdenmarsch“ von Frankfurt nach Mannheim dieses Mal nicht durch Mittelbaden führen wird: „Der Stadt Mannheim liegt eine Anmeldung für einen Kurdenmarsch vom 8. bis 13. Februar 2020 von Frankfurt nach Saarbrücken vor. Der Marsch soll durch Hessen, Baden-Württemberg – hier Mannheim –, Rheinland-Pfalz und das Saarland führen“, erläuterte Désirée Leisner, Pressereferentin des Ersten Bürgermeisters von Mannheim, auf Anfrage des Badischen Tagblatts.

Für Ablauf und Route außerhalb Mannheims sei das jeweilige Bundesland der Ansprechpartner, hieß es weiter. Weshalb diese Richtungsänderung vorgenommen worden ist, ließ sich nicht eruieren.

Zwischen Bruchsal und Kehl wird man die geänderte Route jedenfalls nicht ungern sehen. Denn Ärger und unter Umständen auch Krawall zwischen den marschierenden Kurden und nationalistischen Türken bei der Veranstaltung, mit der an die Verhaftung des Kurdenführers Abdullah Öcalans am 15. Februar 1999 in Nairobi erinnert wird, waren in jüngster Zeit fast schon programmiert.

Im vergangenen Jahr fand der Kurdenmarsch am Friedrichsplatz in Karlsruhe nach der dritten Etappe im Land ein jähes Ende. Hatten die rund 70 Teilnehmer, die sich in Bruchsal morgens auf den 21 Kilometer langen Weg gemacht hatten, vom Polizeipräsidium Einsatz (PPE) in Göppingen noch ein gutes Zeugnis ausgestellt bekommen, so änderte sich das rapide. Im Laufe des Tages skandierten die Teilnehmer immer wieder verbotene Parolen mit Bezügen zur „Arbeiterpartei Kurdistans“ (PPK), die in Deutschland als Terrororganisation eingestuft ist. Darüber hinaus wurden Flugblätter ohne Impressum verteilt. Am späten Nachmittag zog die Polizei dann einen Schlussstrich und beendete den Zug nach Straßburg, was die Versammlungsteilnehmer mit weiteren inkriminierten Parolen und dem Zeigen des Konterfeis von Öcalan quittierten. Das Ganze gipfelte dann in kleineren Handgreiflichkeiten zwischen Teilnehmern und der Polizei. Der Tross stieg dann am Morgen darauf in einen Bus nach Straßburg.

Beim Kurdenmarsch 2017 war in Bruchsal ein Mitglied einer türkischen Rockergruppe mit einem Messer verletzt worden. Vielleicht auch deshalb fiel der Kurdenmarsch 2018 aus. 2016 hatte es verschiedene Auseinandersetzungen zwischen Türken und Kurden in Neumalsch und Rastatt gegeben. In Rastatt war damals Endstation für den Kurdenmarsch, der in Stuttgart begonnen hatte. Die Versammlungsbehörde in Stuttgart hatte weitere Etappen auf deutschem Gebiet untersagt und damit die Konsequenz aus „zunehmend gewalttätigen Ausschreitungen“ gezogen. Dabei war auch eine Polizistin verletzt worden. Die Polizei hatte 26 Kurden vorläufig festgenommen.

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Erstellt:
27. Januar 2020, 11:37 Uhr
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