SWR Symphonieorchester kehrt ins Festspielhaus zurück

Baden-Baden (cl) – Für das „Presence“-Pfingstfestival des Festspielhauses kehrt das SWR Symphonieorchester Ende Mai nach Baden-Baden zurück – mit der Option auf weitere Jahre als Festivalorchester.

SWR Symphonieorchester bald in Baden-Baden (von rechts): SWR-Intendant Kai Gniffke, Orchester-Gesamtleiterin Sabrina Haane und Rüdiger Beermann vom Festspielhaus stellen das neue Festivalkonzept vor.  Foto: Christiane Haumann-Frietsch/Festspielhaus

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SWR Symphonieorchester bald in Baden-Baden (von rechts): SWR-Intendant Kai Gniffke, Orchester-Gesamtleiterin Sabrina Haane und Rüdiger Beermann vom Festspielhaus stellen das neue Festivalkonzept vor. Foto: Christiane Haumann-Frietsch/Festspielhaus

Von BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

Die Pfingstfestspiele Baden-Baden sind für Neue Musik nicht bekannt. Anders als die Donaueschinger Musiktage oder das Eclat-Musikfestival in Stuttgart. Zu Beginn (das Festspielhaus feiert 2023 sein 25-jähriges Bestehen) sind sie noch unter dem Namenszusatz Herbert von Karajan mit einem traditionsreichen klassischen Programm gelaufen. Die Baden-Badener Pfingstfestspiele sind die Keimzelle der Festivalidee gewesen. Damit sollte die Kurstadt 1998 zur Festspielstadt werden.

Mit dem „Presence“-Festival (Gegenwarts-Festival) zu Pfingsten soll eine andere musikalische Zielgruppe angesprochen werden, indem der Schwerpunkt auf Neuer Musik liegen soll. Nachdem das Pfingstfestival seit 2013 in seiner Bedeutung hinter den damals neu konzipierten Osterfestspielen der Berliner Philharmoniker zurückgefallen ist.

Für das neue Konzept kehrt das SWR Symphonieorchester mit Sitz in Stuttgart Ende Mai als Festivalorchester nach Baden-Baden zurück. Es sei nun der dritte Anlauf für eine enge Zusammenarbeit des SWR-Orchesters mit dem Festspielhaus, die beiden geplanten Auftritte 2020 und 2021 seien von der Pandemie vereitelt worden, wie SWR-Intendant Kai Gniffke am Dienstag auf der Pressekonferenz in Baden-Baden sagte.

Die „Presence“-Pfingstfestspiele setzen vom 28. Mai bis 6. Juni insbesondere auf junge Musiker und ihre eigenen Formate, wie die Geigerin Patricia Kopatchinskaja und den Dirigenten Dima Sloboneniouk. François-Xavier Roth, der frühere Chefdirigent des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden/Freiburg, sozusagen dem mehr der zeitgenössischen Musik zugewandten badischen Teil des 2016 mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart fusionierten SWR-Klangkörpers, wird das Auftakt-Konzert am 28. Mai leiten.

Festspielhaus-Intendant mit Omikron angesteckt

Der aktuelle Chefdirigent des SWR-Sinfonieorchesters, Teodor Currentzis, hat nicht den Schwerpunkt Neue Musik. Deshalb war von vorneherein Roth als einer der Gastdirigenten vorgesehen. Currentzis ist in die Kritik geraten, da er sich bisher nicht wie andere russische Künstler von Wladimir Putin und dem aktuellen Russland, zu dem der Grieche starke künstlerische Beziehungen und am Opernhaus in Perm eine Basis hat, distanzierte.

Musikalisch beginnt die neue Zeit im Festspielhaus mit Mahlers siebter Sinfonie, die eher auf die frühe musikalische Moderne verweist. Bei dem Festival für Gegenwartsmusik „Presence“ stehen aber auch Richard Wagners Oper „Walküre“ konzertant und Beethovens „Eroica“ als Programmpunkte auf dem Plan. Im Mittelpunkt soll das Werk des zeitgenössischen Komponisten Esa-Pekka Salonen sein.

Der Finne, selbst als Dirigent und Festivalleiter hervorgetreten, wird mit seinen sehr eingängigen Werken die aktuelle Musik bei „Presence“ einführen; er hat auch amerikanische Filmmusik geschrieben. Sein neueres Werk „Gemini“ über den Mythos der unzertrennlichen Zwillinge „Castor und Pollux“ soll in Baden-Baden erklingen. Im Konzerthaus Dortmund, das der Baden-Badener Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa zuvor leitete, war Salonen einst Residenzkünstler.

Die SWR-Symphoniker wollen bei den Pfingstfestspielen unter dem Titel „Classical mobil“ auch in Seniorenzentren und im Hospiz spielen, wie die neue Gesamtleiterin des SWR Symphonieorchesters, Sabrina Haane, erklärte; Haane ist die Nachfolgerin des Orchester-Fusionsmanagers Johannes Bultmann, der zum Jahresende in Ruhestand ging. Es sei bewegend, nach zwei Jahren Corona-Pandemie die Qualität des fusionierten Orchesters hier unter Beweis zu stellen. „Alle im Sender seien ein Stück weit demütiger geworden und schätzten heute Dinge, die früher selbstverständlich waren“, betonte SWR-Intendant Gniffke am Dienstag.

Für 2022 hat das Festspielhaus bereits Mittel aus dem Corona-Nothilfefonds des Landes Baden-Württemberg, der für die Breitenkultur, kleinere Theater und Ensembles aufgelegt ist, beantragt. Schon 2020/21 gab es rund vier Millionen vom Land für die privat betriebene Kulturstiftung, um die pandemiebedingten Ausfälle zu kompensieren. Wann und in welcher Höhe Gelder aus einem Hilfsfonds fließen, dazu konnte Festspielhaus-Intendant Stampa am Dienstag nicht Stellung nehmen. Stampa muss, just zehn Tage nach Ende der Osterfestspiele, in Quarantäne bleiben, weil er sich mit der Omikron-Variante angesteckt hat.

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Erstellt:
26. April 2022, 18:30 Uhr
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