Schneller als gedacht

Karlsruhe (ket) – Die Würfel waren dann doch recht schnell gefallen, schneller jedenfalls als allseits angenommen - die Trennung des KSC von Trainer Alois Schwartz.

„Ich bin zwar nicht mehr Trainer, aber ich bleibe Fan“: Alois Schwartz verabschiedet sich stilvoll aus dem Wildpark. Foto: Prang/GES

© GES/Helge Prang

„Ich bin zwar nicht mehr Trainer, aber ich bleibe Fan“: Alois Schwartz verabschiedet sich stilvoll aus dem Wildpark. Foto: Prang/GES

Von Frank Ketterer

So traf der Beirat des Karlsruher SC, dem neben Präsident Ingo Wellenreuther und seinen beiden Vize Günter Pilarsky und Holger Siegmuind-Schultze die Verwaltungsräte Michael Steidl und Thomas H. Hocke angehören, bereits am Montagvormittag um 11.30 Uhr zusammen, um sich von Sportdirektor Oliver Kreuzer ein Grundsatzreferat zur aktuellen sportlichen Situation des Fußball-Zweitligisten anzuhören.

An dessen Ende stand die Empfehlung der Geschäftsführung – neben Kreuzer gehört Michael Becker dieser an – sich von Trainer Alois Schwartz zu trennen. Wie der Beirat schließlich einstimmig entschied, gab der Verein gestern um kurz nach Viertel zwei per Pressemitteilung bekannt. „KSC trennt sich von Cheftrainer Alois Schwartz“, war diese überschrieben. Mit Chefcoach Schwartz gehen muss auch dessen Co-Trainer Dimitrios Moutas. Christian Eichner, der zweite Co., wurde hingegen befördert und fungiert „bis auf Weiteres“ als Cheftrainer.

Kreuzer empfiehlt Trennung

Es war also ein ziemlicher Paukenschlag, der da am Montag durch den Wildpark donnerte. Dabei war weniger der Fakt der Trennung an sich überraschend als vielmehr deren Zeitpunkt. Am Samstag, nach der 0:2-Heimniederlage gegen Holstein Kiel, hatte es schließlich noch so ausgesehen, als würde Schwartz zumindest noch im morgigen Pokal-Achtelfinale gegen denn Regionalligisten 1. FC Saarbrücken (20.45 Uhr in Völklingen) auf der Bank der Blau-Weißen sitzen. Allen voran Sportdirektor Kreuzer hatte das so propagiert. „Wir haben jetzt vier Spiele nacheinander verloren. Aber muss man jetzt den Trainer wechseln? Mit Sicherheit nicht“, hatte der 54-Jährige nach der Partie gegen Kiel wörtlich gesagt – und ergänzt: „Nach dem Auftritt heute kann ich doch nicht sagen, nächste Woche wird mit einem anderen Trainer alles besser.“

„Mehrere Komponenten“

Am Montag konnte davon keine Rede mehr sein. Gleich „mehrere Komponenten“ für seine Trennungs-Empfehlung habe Kreuzer nach vielen Gesprächen übers Wochenende dem Beirat vielmehr vorgetragen, sagte Vereinspräsident Ingo Wellenreuther gegenüber dieser Zeitung. Ins Detail gehen wollte der Klubchef freilich nicht. Laut Pressemitteilung war Kreuzer „nach intensiver Analyse zu dem Schluss gekommen, in der aktuellen sportlichen Situation einen neuen Impuls setzen zu müssen, um unser großes Ziel, den Klassenerhalt, erreichen zu können.“

Dass ein Trainer nach vier Niederlagen in Serie und dem damit verbundenen Abrutschen auf einen Abstiegsplatz um seinen Job bangen muss, gehört zu den ureigensten Mechanismen der Branche. Bei Schwartz erschwerend hinzu kam, dass es schon seit längerem Vorbehalte – um nicht zu sagen: Kritik – an seiner spieltaktischer Ausrichtung der Mannschaft gab, in der die Stabilität der Defensive über allem stand. Dass just diese dem KSC zuletzt verloren gegangen war, muss postum als Anfang vom Ende der zweieinhalbjährigen Amtszeit des 52-Jährigen im Wildpark gesehen werden, als deren Glanzpunkt immerhin die Rückkehr in Liga zwei vor dieser Saison bleiben wird.

Nach gutem Start in dieser wirkte die Mannschaft zuletzt freilich zusehends verunsichert, der Trainer mehr und mehr ratlos sowie dünnhäutig. „Mir fehlt Mut. Mir fehlt Entschlossenheit. Mir fehlt Tempo“, hatte KSC-Boss Ingo Wellenreuther seine Kritik an den letzten Auftritten der Mannschaft nach der Niederlage gegen Kiel am Samstag unverblümt geäußert.

Schwartz will KSC-Fan bleiben

Dass Schwartz zudem immer mehr dem Hang nachgab, Fehler gerne bei anderen zu suchen, dürfte ihm in der Abschlussbewertung zudem nicht positiv ausgelegt worden sein. Mal war es das fehlende Matchglück, das ein besseres Ergebnis verhindert hatte, mal eine zweifelhafte Entscheidung des Schiedsrichters, von den prinzipiell begrenzten finanziellen Möglichkeiten in Karlsruhe ganz zu schweigen.

Gestern hat der KSC Schwartz’ Zeit im Wildpark ein Ende gesetzt. „Wir sind von einem Abstiegsplatz in der Dritten Liga noch in die Relegation gekommen und im Jahr danach aufgestiegen. Wir haben den Grundstein dafür gelegt, dass der KSC positiv in die Zukunft blicken kann. Aber dazu ist es wichtig, dass der Club in der 2. Bundesliga bleibt. Dieses Ziel steht über allem. Dafür wünsche ich der Mannschaft und dem ganzen Verein nur das Beste. Denn ich bin zwar nicht mehr Trainer, aber ich bleibe Fan. Vielen Dank für zweieinhalb tolle Jahre“, wird der 52-Jährige in der Pressemitteilung zitiert.

Nun also Christian Eichner. Der bisheriger Co-Trainer und einer der Führungsspieler beim letzten Bundesligaaufstieg der Karlsruher vor knapp 13 Jahren, übernimmt. Wie lange, stand gestern noch nicht fest. Die Frage, ob sich der KSC auf Trainersuche begebe – spekuliert wurde bereits über eine Verpflichtung von Daniel Bierofka, beantwortete Wellenreuther gestern kurz, knapp – und ausweichend: „Christian Eichner hat unser vollstes Vertrauen. Er ist jetzt unser Cheftrainer“, sagte der Vereinsboss.

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Erstellt:
4. Februar 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 18sec

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