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Sonaten mit Charakter

Baden-Baden (red) – Beethoven vom Feinsten zum Auftakt des bundesweiten Jubiläumsjahrs gab es auch im Festspielhaus mit Geiger Nikolaj Szeps-Znaider und Pianist Robert Kulek. Sie boten einen erfrischenden Hörgenuss mit den Sonaten – von lyrisch bis stürmisch (Foto: Gundersen).

Sonaten mit Charakter

© pr

Von Nike Luber

Heute, am 17. Dezember, hat Ludwig van Beethoven Geburtstag, den 249sten. Das sei doch viel wichtiger als der 250ste, den alle Welt nächstes Jahr feiern würde, erklärte der Geiger Nikolaj Szeps-Znaider augenzwinkernd zu seinem Beethoven-Programm. Das Publikum im Festspielhaus Baden-Baden eroberte er im Sturm, nicht nur dank seiner charmanten Anmerkungen, sondern auch und vor allem durch seine fesselnde Interpretation von vier ausgewählten Beethoven-Sonaten für Violine und Klavier.

Szeps-Znaider und der kongeniale Pianist Robert Kulek zogen die Zuhörer in ihren Bann, man hörte höchstens ein leises Hüsteln zwischen zwei Sätzen. Ansonsten hatten die beiden Künstler die volle Aufmerksamkeit des Publikums, was keineswegs so selbstverständlich ist wie es klingt, und wofür sie sich auch bedankten.

Nikolaj Szeps-Znaider spielte sehr ausdrucksvoll, mit einer schlackenlosen, variablen Tongebung. Pointiert angerissene, „sprechende“ Ausrufe standen neben lyrisch angelegten, voller Empfindung musizierten Passagen. Robert Kulek spielte den Klavierpart durchhörbar, mit einer wunderbar leichten, leuchtenden Intonation und erwies sich auch im Ausdruck als gleichwertiger Partner in den musikalischen Dialogen der beiden Instrumente.

„Jede Sonate ist für sich eine eigene Welt“, sagte der Geiger. Tatsächlich gelang es Szeps-Znaider und Kulek, jeder der vier Sonaten einen eigenen Charakter zu verleihen. Ihre Interpretation war jeweils bis ins letzte Detail durchdacht und wirkte zugleich ausgesprochen lebendig. Der frühen Sonate in D-Dur op. 12, 1 gaben die Musiker durch den erfrischend ausgelassen gespielten Finalsatz eine jugendliche Unbeschwertheit. In ihrer Wiedergabe der Sonate in A-Dur op. 30,1 steigerten sie den Kopfsatz zu bohrender Intensität.

Besonders spannend legten Szeps-Znaider und Kulek die beiden viel gespielten Werke des Programms an. Über den dunklen Grundton der c-Moll-Sonate op. 30, 2 spannten sie einen Hauch von Tragik, der gerade im Kopfsatz zur Geltung kam. Hinreißend gesanglich gab Szeps-Znaider auf der historischen Guarneri-del Gesù-Geige den Violinpart im Adagio cantabile. Den Finalsatz spielten die Musiker mit fulminantem Nachdruck, passend zur Atmosphäre des Stücks. Die von einem verkaufstüchtigen Verleger so getaufte „Frühlingssonate“ in F-Dur op. 24 hoben sich die Interpreten für den Schluss auf. Mit Esprit und Elan, aber auch mit Leidenschaft, musizierten sie die vier Sätze. Dem Adagio molto espressivo verliehen sie eine wunderbar friedvolle Aura. Dass die vertrackt versetzten Einsätze im Scherzo punktgenau kamen, und das in hohem Tempo, zeigte ebenso wie die en passant integrierte Virtuosität, das herausragende Können des Duos.

Frühlingshaft stürmisch erklang der Finalsatz. Auf so viel Beethoven vom Feinsten kann nur eines folgen, mehr Beethoven: Als Zugabe gab es das Adagio aus der letzten Sonate für Violine und Klavier.

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Erstellt:
17. Dezember 2019, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 19sec

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