Theater des Landes bis Ende März geschlossen

Stuttgart (cl) – Planungssicherheit durch längere Schließzeit: Die Staatstheater des Landes setzen den Spielbetrieb bis mindestens Ende März aus. Ob sich das Theater Baden-Baden anschließt, ist offen.

Kunstministerin Theresia Bauer hat gestern verkündet, dass der Spielbetrieb an den Theatern des Landes bis mindestens 31. März ruhen wird. Eine weitere Bewertung der Lage wurde für Mitte Februar vereinbart.  Foto: Uli Deck/dpa

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Kunstministerin Theresia Bauer hat gestern verkündet, dass der Spielbetrieb an den Theatern des Landes bis mindestens 31. März ruhen wird. Eine weitere Bewertung der Lage wurde für Mitte Februar vereinbart. Foto: Uli Deck/dpa

Von Christiane Lenhardt

Die Staatstheater des Landes werden ihren regulären Spielbetrieb wohl mindestens bis Ende März aussetzen. Auch die kommunalen Theater wollen sich dem Vernehmen nach diesen gestern bei einer gemeinsamen Konferenz des Kunstministeriums und der Theaterszene beschlossenen Maßnahmen anschließen. Bereits im November wurden die beiden Mehrspartenhäuser, das Badische Staatstheater Karlsruhe und das Württembergische Staatstheater Stuttgart, bis 31. Januar für den Publikumsbetrieb geschlossen, nun wird es für weitere zwei Monate keine Aufführungen geben.
„Das Infektionsgeschehen lässt eine Öffnung des Spielbetriebs leider noch nicht zu. Um den Häusern zumindest eine gewisse Planungssicherheit zu geben, haben wir uns mit den beiden Staatstheatern deshalb bereits jetzt für eine Fortführung der Schließzeit ausgesprochen“, erklärte Kunstministerin Theresia Bauer gestern in Stuttgart. Das Land Baden-Württemberg ist dem Vorstoß aus Hessen weitgehend gefolgt, das bereits Anfang der Woche verkündet hatte, seine Staatstheater in Darmstadt, Wiesbaden und Kassel, erst wieder zu Ostern öffnen zu wollen.
Die pandemiebedingte ungewisse Dauer des Lockdowns sei für die Theater nach wie vor eine große betriebliche Belastung, so Ministerin Bauer: „Wir müssen die Lage weiter beobachten und werden spätestens Mitte Februar gemeinsam neu bewerten, wann und welche Formen des Spielbetriebs wiederaufgenommen werden können.“ Staatssekretärin Petra Olschowski hatte sich gestern mit Vertreterinnen und Vertretern der Kommunaltheater, der Landesbühnen, von Privattheatern, Kinder- und Jugendtheatern sowie aus der Soziokultur über die Perspektiven der Theater und Spielstätten in den kommenden Monaten ausgetauscht. In den gemeinsamen Gesprächen zeigte sich zumindest bei den größeren Häusern die Tendenz, sich dem Vorgehen der Staatstheater anzuschließen.

Baden-Badener Intendantin Schmidt: „Ob sich das Theater dem Beschluss des Landes anschließt, entscheidet die Stadt“


Für das Theater Baden-Baden hat dessen kommissarische Intendantin Kekke Schmidt an der gestrigen Konferenz des Kunstministeriums teilgenommen: Natürlich sei daran gedacht, dass die Wiedereröffnung der Theater im Land nach dem Lockdown möglichst einheitlich geschehe. Letztlich müsse aber die Stadt Baden-Baden als Träger des Theaters entscheiden, wann am Goetheplatz wieder gespielt werden dürfe. Sie werde jetzt an Oberbürgermeisterin Margret Mergen herantreten und ihr über die Ergebnisse der Konferenz berichten. „Wenn das Glück es will und man könnte schon vorher spielen, würden wir das gerne versuchen“, erklärte Kekke Schmidt im BT-Gespräch. In jedem Fall werde der aktuelle Spielplan – es sei mindestens der zehnte, den sie fürs Theater angesichts der pandemiebedingten Unsicherheiten entworfen habe – so nicht mehr umsetzbar.
Einige Premieren und Wiederaufnahmen müssten wohl verschoben werden oder gar ganz ausfallen. Die für den 19. Februar geplante Premiere des Ibsen-Klassikers „Die Gespenster“ soll aber, so hofft Schmidt, noch etwas später in der Saison erfolgen; auch die für die Weihnachtszeit geplante Musical-Revue sei noch dabei.
Das Weihnachtsmärchen „Die Bremer Stadtmusikanten“ allerdings müsse auf die nächste Spielzeit verschoben werden – „wir wollen dann lieber eine richtige Premiere machen“. Das Festival „Fit fürs Abi“ (geplant vom 1. bis 5. März) wird in einer digitalen Version durchgeführt werden, dafür sei bereits eine Video-Variante mit den Schauspielern der 2014 inszenierten Produktion, Sebastian Mirow (Faust) und Mattes Herre (Mephisto), produziert worden; sie würden interaktiv per Video mit den Schülern kommunizieren. Auch die für Ende Juni angekündigte Open-Air-Komödie auf dem Marktplatz stehe noch auf dem Spielplan, allerdings werde der Titel geändert. Einen coronatauglichen Spielplan will Kekke Schmidt in den nächsten Wochen vorlegen.

Nächste Spielzeitpläne in Baden-Baden wird auch coronatauglich sein


Derzeit wird bereits im Theater Baden-Baden an der nächsten Saison gearbeitet. Zusammen mit Nicola May, die im vergangenen Sommer ihr Sabbatjahr angetreten hat und im Herbst ihre Intendanz wieder aufnimmt, bespreche sie bereits grundlegende Dinge, die sich so schnell nicht ändern würden. „Wir trauen uns auch nicht, einen nicht coronatauglichen Spielplan für die nächste Saison zu machen“, so Kekke Schmidt. „Auch nach Corona wird es nicht so sein können wie vor Corona“, fügte sie hinzu. Selbst im Herbst müssten noch Abstandsregeln beachtet werden, alles hänge vom Stand des Impfgeschehens ab.
Bei der Konferenz mit Staatssekretärin Olschowski sei auch deutlich geworden, dass die Theater ab September wohl mit einer Besetzung des Zuschauerraums im Schachbrettmuster planen könnten. „Dann würden wir eine Auslastung von 50 Prozent erreichen“, so Schmidt. Zum Saisonstart durfte das Theater nur 99 Plätze besetzen, also etwa ein Fünftel. Alles hänge von der jeweiligen Belüftungssituation in den Theatern ab. Ein regulärer Abo-Betrieb – der bereits zum Saisonstart bereits ausgesetzt worden war – sei wohl noch nicht umsetzbar.

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Erstellt:
14. Januar 2021, 19:30 Uhr
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