Großherzoglicher Pomp fürs Karlsruher Schloss

Karlsruhe (cl) – Thron, Krone, Zepter des Großherzogtums Baden sind frisch restauriert. Bis Ostern soll der neue Thronsaal zum pompösen Auftakt im Badischen Landesmuseum werden, so Restaurator Morr.

Eine zentrale Sammlung zur badischen Landesgeschichte wird ab Ostern, sofern die Museen des Landes wieder öffnen dürfen, unmittelbar vom Foyer des Karlsruher Schlosses aus zugänglich sein.  Foto: Daniel Schoenen

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Eine zentrale Sammlung zur badischen Landesgeschichte wird ab Ostern, sofern die Museen des Landes wieder öffnen dürfen, unmittelbar vom Foyer des Karlsruher Schlosses aus zugänglich sein. Foto: Daniel Schoenen

Von BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

Das Badische Landesmuseum soll mit dem frisch restaurierten Thronensemble einen pompösen Auftakt erhalten. Bis Ostern wird der Thronsaal mit den großherzoglich-badischen Insignien nach historischem Vorbild eingerichtet sein, auch die Fürstengalerie wird Teil des Auftakts werden. Bislang war das Thronensemble im Landesmuseum eher unscheinbar inmitten der Dauerausstellung des Obergeschosses – schräg darüber der Hecker-Hut des badischen Revolutionärs – platziert. Nun soll die eher puristische Innenausgestaltung aus den 1970er Jahren des im Zweiten Weltkrieg ausgebombten Karlsruher Schlosses wieder einen kleinen Eindruck des alten badischen Repräsentationsbaus erhalten.
Unter Großherzog Leopold I. (1790-1852) war der Thronsaal 1838 noch im Obergeschoss des Schlosses repräsentativ neu möbliert worden. Das ehemalige kleine Fürstentum in Baden, die Markgrafschaft, war 1806 zum Großherzogtum mit etlichen Gebietszuwächsen erhoben worden. Sein Nachfolger Großherzog Friedrich I. (1826-1907) verlegte dann den Thronsaal ins Erdgeschoss, wo er bis zum Ende der Monarchie nach dem Ersten Weltkrieg blieb (über die Abdankung Großherzog Friedrichs II. 1918 hinaus). Jetzt wird der Thronsaal wieder im Erdgeschoss hergerichtet, besucherfreundlich erreichbar gleich nach dem Eingang unten links.

Besondere Schätze des historischen Ensembles: Die badischen Throninsignien von 1811 mit Edelsteinen aus säkularisierten Kirchenschätzen.  Foto: Peter Gaul/Landesmuseum

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Besondere Schätze des historischen Ensembles: Die badischen Throninsignien von 1811 mit Edelsteinen aus säkularisierten Kirchenschätzen. Foto: Peter Gaul/Landesmuseum


„Die wichtigsten Objekte zur badischen Fürstengeschichte werden zusammengezogen“, erklärt Chefrestaurator Oliver Morr im BT-Gespräch. „Der historische Eindruck ist heutzutage vom Publikum wieder sehr gefragt“, fügt er hinzu. Das Landesmuseum hat sich an einer alten Aufnahme des Karlsruher Fotografen Wilhelm Kratt um 1900 orientiert.
Das im Farbklang Rot, Gold und Weiß gehaltene Thronensemble wird demzufolge von einem frisch restaurierten Baldachin-Himmel aus Seide überfangen. Die Armlehnen des Thronsessels werden von Greifen, dem badischen Wappentier, getragen. Über dem Thron wird das badische Staatswappen angebracht. Die Insignien – Krone, Zepter, Schwert – bilden sodann das Zentrum des neuen Thronensembles; die Krone entstand 1811 als „Funeralkrone“ aus Anlass der Beisetzung des verstorbenen badischen Großherzogs Karl Friedrich. Sie sollte samt Zepter und Schwert bei den Beisetzungsfeierlichkeiten mitgeführt werden. Die Hofjuweliere fertigten damals in der Eile eine Krone aus Goldblech und Samt auf einer Unterkonstruktion aus Pappe an.

Thron und Insignien von den badischen Großherzögen nicht benutzt


„Eine kunsthandwerklich fantastische Arbeit“, so Morr. Die aufgesetzten, kostbaren Farbedelsteine und Diamanten stammten von säkularisierten Kirchenschätzen, darunter auch das aus dem Besitz des Fürstbischofs von Speyer Damian Hugo von Schönborn stammende Juwelen verzierte Schwert. Thron und Insignien seien aber von den Großherzögen nicht genutzt worden, so wie es bei der englischen Königin noch regelmäßig zu erleben sei, erklärt Restaurator Morr.
Obwohl ungetragen hatten der Lauf der Zeit, Lagerungen und Umzüge an Textilien und Möbeln des badischen Hofs sichtbare Spuren hinterlassen. Auf dem Mobiliar schichteten sich Staub, Schmutz und Bohnerwachs zu einer dicken und dunkler werdenden Patina. „Das, was wir heute als Patina glorifizieren, ist für die Objekte ein ernst zu nehmendes Problem“, sagt Restaurator Morr, „durch Feuchtigkeit und Materialbewegungen kommt es zu Spannungen, die Lackierung platzt ab – und dann hat man den Schaden.“ Vor allem die Reinigung und Ausbesserung des Seidenstoffs am Baldachin mit den eingestickten Steinen, dem Gold, Brokat und den Silberfäden am Thron-Himmel sei sehr aufwändig gewesen
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Die Textilrestauratorinnen des Landesmuseums begutachten den Thron-Baldachin: In monatelanger Arbeit ist der Seidenstoff gereinigt und ausgebessert worden.  Foto: Uli Deck/Landesmuseum

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Die Textilrestauratorinnen des Landesmuseums begutachten den Thron-Baldachin: In monatelanger Arbeit ist der Seidenstoff gereinigt und ausgebessert worden. Foto: Uli Deck/Landesmuseum


Eine Restaurierung, die hauptsächlich in Handarbeit erfolgen musste: Rund zwei Jahre haben unterschiedlichste Fachbereiche der Restaurierungswerkstätten des Landesmuseums – von den Textilexpertinnen, über die Holzfachleute bis zu externen Fachkräften, die sich den Gemälden angenommen haben – daran gearbeitet. Alles wurde aber nicht mehr hergestellt: Die Wandbespannung wird, statt aus rotem Samt, durch einen modernen Farbdruck auf Tapete ersetzt. „Samt wäre zu aufwändig und teuer gewesen, das hätte den Rahmen gesprengt“, so Morr. Die Einrichtung des Thronsaals sei ohnehin nur eine temporäre Sache. Wenn in einigen Jahren, wie geplant, eine Generalsanierung des Schlosses anstünde, werde auch das Museum samt Thronsaal wieder neu eingerichtet werden. Aber das ist noch Zukunftsmusik.
Ab nächster Woche soll jetzt erst einmal das historische Ensemble nach der alten Fotovorlage möbliert werden. Zur aktuellen Ausstellung „Schloss und Hof“ rund um den Thronsaal gehört dann auch die Fürstengalerie. Über die Generationen hinweg zeigen sich die Fürsten und Fürstinnen Badens in 14 Bildnissen von namhaften Künstlern ihrer Zeit; darunter befindet sich ein Gemälde des europäischen Fürstenmalers Franz Xaver Winterhalter aus Menzenschwand, den Großherzogin Sophie von Baden gefördert hatte. Auch ein Modell der barocken Planstadt gehört dazu. Von der Stadtgründung unter Markgraf Karl Wilhelm bis zum Ende des Ersten Weltkriegs diente das Karlsruher Schloss als Residenz.

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Erstellt:
23. Februar 2021, 23:00 Uhr
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