Vier Fragen an: Liftbetreiber Christian Zimmermann

Baden-Baden/Schwarzwaldhochstraße (marv) – Wenn es nach der Kanzlerin geht, dürfen die Skilifte dieses Jahr gar nicht öffnen. Das BT hat den Liftbetreiber Christian Zimmermann dazu befragt.

Der Liftbetreiber Christian Zimmermann bezeichnet sich als „Bergbahner mit Leib und Seele“. Foto: Christian Zimmermann

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Der Liftbetreiber Christian Zimmermann bezeichnet sich als „Bergbahner mit Leib und Seele“. Foto: Christian Zimmermann

Von Marvin Lauser

Der 52-jährige Baden-Badener Christian Zimmermann bezeichnet sich selbst als „Bergbahner mit Herz und Seele“. Als Berater für nachhaltiges Pistenmanagement hat er schon auf allen Kontinenten gearbeitet. Seit 1969 betreibt seine Familie die Skilifte am Vogelskopf. Seit 1980 auch den Lift in Zuflucht. Dieses Jahr wird das eine besondere Herausforderung, noch ist unklar, ob ein Betrieb überhaupt möglich ist. Wie Bund und Länder beschlossen haben, bleiben alle Sport- und Freizeiteinrichtungen, zu denen auch die Skilifte gehören, bis zum 10. Dezember geschlossen. BT-Redakteur Marvin Lauser hat dem Liftbetreiber vier Fragen zur möglichen pandemiebedingten Komplettschließung der deutschen Skilifte und den Auswirkungen des Klimawandels auf die Branche gestellt.

BT: Herr Zimmermann, im vergangenen Winter konnten die Skilifte in den Höhengebieten der Region kaum öffnen, wie war die Situation bei Ihnen?
Christian Zimmermann: Im vergangenen Winter hatten wir das erste Mal seit 50 Jahren null Lifttage am Vogelskopf. Ich habe Tausende Euro investiert, bin mit mehr als 10.000 Euro in Vorleistung gegangen. Das ist jede Saison ein großes unternehmerisches Risiko.
Man muss aber auch sagen: Wir Liftbetreiber hier im Nordschwarzwald sind alle Idealisten. Ich mache das schon lange nicht mehr, um Geld zu verdienen, sondern um die Tradition aufrechtzuerhalten, und weil ich der Region etwas zurückgeben will. Einen Skilift zu betreiben macht viel Arbeit und man hat eine große Verantwortung.

BT: Nun droht den Liftbetreibern im Pandemiewinter die komplette Schließung, die Kanzlerin hat dies bereits angedeutet. Was würde das für Sie und die anderen Liftbetreiber der Region bedeuten?
Zimmermann: Meine Kollegen und ich haben als Skiarena Schwarzwaldhochstraße ein gemeinschaftliches Hygienekonzept erarbeitet und natürlich in verschiedene Bereiche investiert. Zum Beispiel in Desinfektionsständer, Masken, Plexiglas und Schilder. Auf den Pisten und im Lift ist genügend Abstand möglich. Wir setzen auch ein bisschen auf den gesunden Menschenverstand. Die Menschen feiern bei uns keine Partys, sondern machen Sport an der frischen Luft. Aber auch ohne diese Investitionen haben wir vor jedem Saisonstart erhebliche Vorbereitungskosten wie beispielsweise TÜV und Wartung der Anlagen und Maschinen. Eine neue Pistenraupe kostet 450.000 Euro, selbst ein gebrauchte noch 100.000 Euro. Auch haben wir ziemlich hohe laufende Kosten. Gerade für Strom zahlen wir monatlich eine nicht unerhebliche Bereitstellungsgebühr. Das wäre der zweite Winter in Folge ein Totalausfall. Wir sind schwere Winter zwar gewohnt, aber so ein Nullwinter, das ist schon hart.

BT: Das Weihnachtsgeschäft ist für die Liftbetreiber im Nordschwarzwald mit das wichtigste, rechnen Sie daher coronabedingt mit großen Verlusten?
Zimmermann: Wir brauchen das Weihnachtsgeschäft. An den Weihnachtstagen mache ich in einem guten Jahr 50 Prozent meines Umsatzes, dann wären die Grundkosten gedeckt. Wenn wir die Chance hätten, öffnen zu dürfen – corona- und wetterbedingt – denke ich, sollten sich die Umsätze gut entwickeln durch den Umstand, dass man sonst im angrenzenden Ausland nicht zum Skifahren gehen darf (Aktuell ist das für einen Tagestrip noch möglich, Anm. d. Red.). Sollten wir allerdings erst am 10. Januar oder gar nicht öffnen dürfen diese Saison, hätte das erhebliche wirtschaftliche Einbußen zur Folge und bestimmt die ein oder andere Konsequenz für viele Betriebe, die mit dem Wintersport in der Region zusammenhängen. Wir versuchen bei den Behörden Gehör zu finden, weil uns die Hilfen, so wie sie jetzt angedacht sind, nicht helfen. Im vergangenen Dezember hatten wir wetterbedingt ja ebenfalls keinen Umsatz.

BT: Seit neun Jahren haben Sie mit „Eco-SnowDrive“ eine Firma, die Pistenbetreiber schult und berät. Eines Ihrer Versprechen lautet „Wirtschaftlichkeit rauf, Umweltbelastung runter“, wie können Lift- und Pistenbetreiber nachhaltiger arbeiten?
Zimmermann: Durch meine weltweite Beratungstätigkeit beispielsweise in Finnland oder Neuseeland, habe ich sehr viele Betreiber dazu gebracht, über die Effizienz und Nachhaltigkeit ihrer Arbeitsweise nachzudenken. Die größten Einsparpotenziale liegen dabei im Bereich der technischen Beschneiung und der Pistenpflege, aber auch in einer cleveren Bauweise der neuen Anlagen und Gebäude. Eine der Lehren, die ich aus den Wetterveränderungen der vergangenen Jahre gezogen habe, ist, dass ich den Vogelskopf seit drei Jahren nicht mehr beschneit habe. Da ist mir das wirtschaftliche Risiko einfach zu groß, aufgrund der erheblichen Kosten und der sehr großen Fläche.

Vier Fragen an:“ ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

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Erstellt:
6. Dezember 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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