Vier Fragen an: Marc Marshall

Baden-Baden (ml) – Seit gut einem Monat gibt Marc Marshall jeden Abend um 19 Uhr ein kostenloses Konzert im Internet und tritt zudem vor Senioreneinrichtungen in der Region auf. In der Reihe „Vier Fragen an“ berichtet der Künstler über seine Motivation und Erfahrungen.

Seit mehr als einen Monat jeden Abend „auf Sendung“: Marc Marshall (rechts), hier mit Schauspieler Ralf Bauer. Foto: privat

Seit mehr als einen Monat jeden Abend „auf Sendung“: Marc Marshall (rechts), hier mit Schauspieler Ralf Bauer. Foto: privat

Von Markus Langer

BT: Herr Marshall, Sie spielen Ihre kostenlosen Livekonzerte im Internet bereits seit dem 16. März. Zu Beginn hatten Sie gesagt, dass Sie das so lange durchziehen wollen, bis sich die Menschen wieder freier bewegen können. Das heißt, es ist im Moment noch kein Ende in Sicht?

Marc Marshall: Ja und nein. Ich hatte mir zwischendurch das Minimalziel von 50 Konzerten am Stück gesetzt. Das hätte ich dann am 4. Mai erreicht. Danach muss ich darüber nachdenken, wie ich weitermache, um als Künstler auch wirtschaftlich noch existieren zu können. Dazu gibt es schon einige Überlegungen, die aber noch sehr wild und unreif sind. Ich liebe das, was ich im Moment mache. Das ist unglaublich schön, vor allem, seit auch die nachmittäglichen Konzerte für die Alten- und Pflegeheime hinzugekommen sind. Das ist alles sehr bereichernd. Doch wenn sich abzeichnet, dass es in diesem Jahr keine größeren Veranstaltungen mehr geben wird, dann bedeutet das für mich den Verlust aller Auftritte. Deshalb muss ich mir überlegen, wie ich mit dem, was ich in den vergangenen fünf Wochen im Netz aufgebaut habe, auch wirtschaftlich wieder nach vorne kommen kann. Es fühlt sich seltsam an, darüber nachzudenken, weil ich das Publikum eigentlich live begeistern will. Ich komme ja aus einer alten Welt, in der es um Handwerk geht, um sich hinstellen, live singen und damit Emotionen wecken. Plötzlich fällt das alles weg. Und die Unterstützung von Menschen, die den Kulturbetrieb am Laufen halten, lässt sehr zu wünschen übrig. Wenn man dann als Künstler von Regierungskreisen quasi als verzichtbar erklärt wird, dann tut das schon weh.

BT: Seit mehr als einen Monat absolvieren Sie jeden Abend ein 40-minütiges Konzert und studieren dafür auch noch eine ganze Reihe neuer Stücke ein. Gehen Sie mit dieser Mammutleistung an Ihre physische Grenze?

Marshall: Ja, irgendwann bestimmt, aber noch nicht (lacht). Durch die Zusammenarbeit mit Rene Krömer und das Projekt entsteht sehr viel positive Energie. Mein Tagesablauf ist ganz klar strukturiert: Erst gibt es eine kurze Analyse zum Vorabend, dann spricht man über das Programm des kommenden Abends und nach dem Frühstück wird geprobt, das Programm festgelegt, noch mal geprobt und dann geht es um 17 Uhr schon zur Location, von der aus wir unser Programm in die sozialen Netzwerke stellen. Im Moment stoße ich noch nicht an meine Grenzen, meine Stimme ist sehr zuverlässig und ich versuche auch, mich mit Sport fit zu halten.

BT: Ihre Abende haben auf der heimischen Terrasse begonnen, inzwischen waren Sie auch schon unter anderem in einem Hotel, einem Fitnessstudio und sogar im Baden-Badener Rathaus. Wie entwickelt sich das mit den Auftrittsorten?

Marshall: Es freut mich, dass zum Beispiel kleinere Hotels, Einzelhändler, Kirchen, das Museum Frieder Burda, die Volksschauspiele Ötigheim und auch unsere Baden-Badener Oberbürgermeisterin bei mir anfragen, ob ich bei ihnen auftreten könnte. Diese Menschen registrieren, dass ich eine Stimme bin, die das kulturelle Baden-Baden auch nach außen hin weiterhin erlebbar macht. Ich habe das begonnen, um etwas zu tun zu haben. Dann habe ich gespürt, dass es auch meinen Zuschauern guttun kann – und ich kann meine Heimatstadt repräsentieren. Das ist mir wichtig, denn für die Kultur- und Gastgeberstadt Baden-Baden wird die nächste Zeit auch nicht einfach werden, da müssen wir zusammenhalten. In diesem Zusammenspiel der Kulturschaffenden könnte noch mehr passieren. Ich finde, in diesen Zeiten müssen wir Künstler uns zeigen.

BT: Nach gut 40 Abenden stellt sich die Frage, wie sie sich verändert haben.

Marshall: Wir haben bis heute jeden Tag andere Lieder im Programm gehabt, insgesamt weit mehr als 200 Titel. Der Mix geht von Klassik über Pop, Jazz bis hin zu Chansons. Außerdem habe ich manchmal auch Gäste dabei. Schauspieler Ralf Bauer war da, auch andere Prominente kamen oder wurden zugeschaltet. So kann ich Gespräche einfließen lassen. Es ist mir wichtig, dass es kein Klamauk wird, sondern Unterhaltung ist – mal nachdenklich, mal fröhlich. Jeder Abend ist wie eine kleine Marc-Marshall-Fernsehshow.

Facebook-Seite von Marc Marshall

„Vier Fragen an:“ ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

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Erstellt:
26. April 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 16sec

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