Vier Fragen an: Martin Benninghoff

Baden-Baden/Frankfurt (marv) – Für sein Buch „Soundtrack Deutschland“ hat Martin Benninghoff Legenden wie Peter Maffay, Marius Müller-Westernhagen oder Heino getroffen. Dem BT verrät er, wie es war.

Die Autoren von „Soundtrack Deutschland“: Martin Benninghoff (links) und Oliver Georgi. Foto: Christof Jakob

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Die Autoren von „Soundtrack Deutschland“: Martin Benninghoff (links) und Oliver Georgi. Foto: Christof Jakob

Von Marvin Lauser

Am Dienstag, 3. November, erscheint das Buch „Soundtrack Deutschland. Wie Musik made in Germany unser Land prägt“. Die Autoren und Journalisten Martin Benninghoff und Oliver Georgi sprechen darin mit 23 der größten deutschsprachigen Musiker unserer Zeit, darunter: Peter Maffay, Marius Müller-Westernhagen, Heino, Klaus Meine, Trettmann, Smudo und Michi Beck von den Fantastischen Vier, Yvonne Catterfeld, Hartmut Engler, Felix Jaehn, David Garrett, Wolfgang Niedecken, Silbermond, Sven Väth, Ina Müller, Adel Tawil, Moses Pelham und Fynn Kliemann. BT-Redakteur Marvin Lauser hat dem 41-jährigen Autor und Journalisten Benninghoff vier Fragen zu diesem Interviewband gestellt.

BT: Herr Benninghoff, an wen richtet sich „Soundtrack Deutschland“?
Martin Benninghoff: „Soundtrack Deutschland“ richtet sich an Musikbegeisterte, aber nicht nur. Es sind ja 23 der bekanntesten und einflussreichsten Musikstars, die unserem Land teilweise seit Jahrzehnten ihren Stempel aufdrücken, durch ihre Texte, Musik und ihre Haltung. Maffay, Westernhagen, Reinhard Mey, Judith Holofernes, die Scorpions, aber auch Jüngere wie Felix Jaehn. Also, ich würde sagen: Wer sich für Debatten in Deutschland interessiert und auch ein bisschen was für Musik übrig hat, für den könnte das Buch etwas sein.

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Vier Fragen an: Martin Benninghoff
Heino. Foto: © EMF/ Daniel Pilar

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David Garrett. Foto: © EMF/ Daniel Pilar

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Ina Müller. Foto: © EMF/ Daniel Pilar

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Peter Maffay. Foto: © EMF/ Daniel Pilar

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Marius Müller-Westernhagen. Foto: © EMF/ Daniel Pilar

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Die Autoren Martin Benninghoff (links) und Oliver Georgi mit Sänger Adel Tawil (Mitte). Foto: privat.

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BT: Sie selbst sind ein erfahrener Musiker und haben in China schon vor großem Publikum gespielt. Hand aufs Herz, vor welchem Interview hatten Sie das größte Lampenfieber?
Benninghoff: Wahrscheinlich bei den älteren Stadionrockern, die in meiner Kindheit schon groß waren: Maffay, Westernhagen, Klaus Meine von den Scorpions. Als Gitarrist bin ich eher im Rock und Pop zu Hause, vielleicht noch im Jazz, und mein Co-Autor Oliver Georgi ist als Pianist eher im Pop unterwegs. Insofern hatten wir beide wohl auch etwas mehr Respekt beim Techno-Papst Sven Väth oder beim Deutsch-Hip-Hop-Pionier Moses Pelham. An diese Musikrichtungen sind wir eher als Lernende gegangen. Besonders toll war es aber natürlich auch, mit den Helden der Kindheit stundenlang am Tisch zu sitzen und zu plaudern: den Fantastischen Vier beispielsweise. Das sind auch sehr kluge Gesprächspartner.

Ina Müller: „Ein blödes Interview reicht heutzutage, und das kann es für dich gewesen sein“

BT: Gemeinsam mit Oliver Georgi haben Sie einige der größten deutschsprachigen Musiker getroffen. Welche dieser Begegnungen war die eindrücklichste?
Benninghoff: Eindrücklich war unser Treffen mit Heino und seiner Frau Hannelore im Eifelstädtchen Bad Münstereifel. Es gab Heino-Torte und Käffchen, dazu hat Hannelore ihren halben Merchandising-Stand ausgepackt – mit Haribo in Heino-Form und Heino-Backbuch. Zwischendurch lugten seine Fans durch die Tür und schossen Bilder. Beeindruckend an dem Gespräch war die Offenheit: Heino schert sich nicht sonderlich darum, was andere über ihn denken. Heino scheint ziemlich angstfrei zu sein, kein Wunder nach einer mehr als fünfzigjährigen Karriere und all den Anfeindungen, die er erlebt hat.
Toll – und ganz anders – waren die Gespräche mit Judith Holofernes und Johannes Oerding. Mit den beiden kann man sich stundenlang über fast alles unterhalten. Mit Oerding oder auch David Garrett lässt es sich zudem stundenlang über Musik fachsimpeln. Im Grunde haben wir da unsere Kindheitsträume umgesetzt …

BT: Sie haben 23 Interviews für das Buch geführt. Wenn Sie sich festlegen müssten, von wem stammt das beste Zitat?
Benninghoff: Da gibt es viele, die ich nennen könnte. Vielleicht eines, das ganz gut zu unserer Arbeit an dem Buch passt und von Ina Müller stammt: „Ein blödes Interview reicht heutzutage, und das kann es für dich gewesen sein.“ Das fasst ganz gut zusammen, warum viele Künstler furchtbare Sorge haben, etwas Falsches in der Öffentlichkeit zu sagen. Das ist eine Entwicklung, die ich sehr schade finde. Natürlich soll man überlegen und nachdenken, was man sagt und was nicht. Aber wenn die Schere im Kopf von vorneherein wirkt, kommen in Interviews nur noch belanglose Sprechblasen heraus. Das wollten wir nicht – und wir haben es, glaube ich, geschafft, wirklich interessante und authentische Gespräche zu führen. Aber wir haben auch manchmal darum gerungen, dass Aussagen im Interview bleiben, die mancher lieber im Nachhinein gestrichen hätte.

Vier Fragen an: Martin Benninghoff

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Martin Benninghoff, Oliver Georgi: Soundtrack Deutschland. Wie Musik made in Germany unser Land prägt. EMF München, 240 Seiten, 36 Euro.

Vier Fragen an:“ ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

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