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Vier Fragen an: Stephanie Köppinger

Stuttgart (red) – Ob Desinfektionsmittel, Nudeln oder Klopapier – in Zeiten des Coronavirusʼ werden einige Produkte rar. Doch wie sieht es mit Medikamenten aus? Diese und weitere Fragen beantwortet Stephanie Köppinger, Pressesprecherin der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg dem Badischen Tagblatt.

Stephanie Köppinger beantwortet als Pressesprecherin der Landesapothekenkammer Baden-Württemberg vier Fragen zu den Auswirkungen des Coronavirusʼ. Foto: Maks Richter

© maks richter fotograf stuttgart

Stephanie Köppinger beantwortet als Pressesprecherin der Landesapothekenkammer Baden-Württemberg vier Fragen zu den Auswirkungen des Coronavirusʼ. Foto: Maks Richter

Von Nadine Fissl

BT: Frau Köppinger, Schulklassen werden geschlossen, Arbeitgeber schicken ihre elsässischen Mitarbeiter nach Hause, Veranstaltungen werden abgesagt. Kurzum: Das öffentliche Leben steht derzeit Kopf. Viele machen sich zudem Sorgen, was die Versorgung mit wichtigen Dingen des Alltags angeht. Frau Köppinger, ist denn mit Engpässen bei Medikamenten zu rechnen?

Stephanie Köppinger: Lieferengpässe bei Arzneimitteln treten leider schon seit mehr als zwei Jahren verstärkt in den Apotheken auf. Apotheken bemühen sich täglich, die Patienten bestmöglich mit Medikamenten zu versorgen. Obwohl China ein global wichtiger Wirkstoffproduzent und damit auch Zulieferer für Europa ist, liegen derzeit aber keine konkreten Hinweise vor, dass durch die Coronaviruskrise in China bis heute zusätzliche Lieferengpässe hinzugekommen sind.

BT: Was raten Sie Patienten, die auf Medikation angewiesen sind?

Köppinger: Ein Lieferengpass bedeutet nicht automatisch, dass damit die notwendige Behandlung erkrankter Patienten gefährdet ist. Häufig sind von den Lieferproblemen Generika – also Arzneimittel ohne Patentschutz, die von mehreren Herstellern produziert werden – betroffen, sodass zumeist ein anderer Hersteller zur Verfügung steht, der den Produktionsausfall kompensieren kann. Somit ist eine Umstellung auf ein Konkurrenzprodukt mit dem identischen Wirkstoff und der identischen Wirkstärke unproblematisch.

BT: Und wenn doch ein Wirkstoff komplett fehlen sollte?

Köppinger: Auch bei Komplettausfall eines ganzen Wirkstoffes ist im Regelfall durch Arzt und Apotheker die Auswahl eines vergleichbaren und für die jeweilige Indikation zugelassenen Wirkstoffs möglich, um die Behandlung des Patienten nicht unterbrechen zu müssen. Können bestimmte Medikamente nicht geliefert werden, ist es Aufgabe von Arzt und Apotheke, alternative Medikamente für den Patienten suchen. Die Landesapothekerkammer empfiehlt den Patienten, den Arzt aufzusuchen und die Lage zu schildern. Bisher konnten wir nach Rücksprache mit dem Arzt ein alternatives und für den Patienten passendes Medikament finden. Beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) kann man sich über die aktuellen Lieferengpässe informieren. Dort gibt es eine Liste mit von der pharmazeutischen Industrie gemeldeten Lieferengpässen.

Allerdings sind diese Meldungen für die Industrie noch nicht verpflichtend und es werden meist nur Arzneimittel genannt, die zur Behandlung lebensbedrohlicher oder schwerwiegender Erkrankungen bestimmt sind. Zu den Ursachen konkreter Lieferprobleme oder Rückrufe bei einzelnen Medikamenten kann nur der jeweilige Hersteller selbst Auskunft geben.

BT: Ist es möglich, dass sich die Preisspanne einiger Medikamente durch die Krise verändert?

Köppinger: Bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln gilt weiterhin die Arzneimittelpreisverordnung. Somit ist der Preis von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln festgeschrieben. Bei den nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln sowie apothekenüblichen Waren, wie zum Beispiel Atemschutzmasken oder Desinfektionsmitteln, entscheidet die Apotheke, zu welchen Preisen diese verkauft werden. Durch die Coronaviruskrise konnte bereits festgestellt werden, dass auch die Einkaufspreise für Apotheken steigen. Die Preise sind hier also abhängig von Angebot und Nachfrage. Dies wurde vom Gesetzgeber ausdrücklich so gewünscht.

„Vier Fragen an:“ ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.


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