Vier Fragen zum Thema Blutspenden

Baden-Baden (ml) – Blut kann Leben retten, etwa nach Unfällen oder in der Krebstherapie. Daran erinnert der heutige Weltblutspendetag. Die BT-Onlineredaktion fragte die aktuelle Lage beim DRK ab.

Vier Fragen zum Thema Blutspenden

Rund 2.500 Blutspenden werden pro Tag in Baden-Württemberg und Hessen benötigt. Symbolfoto: Thomas Frey/dpa

Blut ist ein kostbares Gut, es kann Leben retten – etwa nach Unfällen, bei Operationen oder in der Krebstherapie. Am heutigen Weltblutspendetag soll daran erinnert werden. Doch wie sieht es derzeit mit der Versorgung aus – während der andauernden Corona-Krise oder auch künftig in einer älter werdenden Gesellschaft? BT-Redakteur Markus Langer sprach darüber mit Eberhard Weck, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg/Hessen.

BT: Herr Weck, nachdem die Kliniken wieder verstärkt Operationen anbieten und aufgrund des zunehmenden Verkehrs auch mehr Unfälle passieren, steigt der Bedarf an Blutkonserven wieder an. Wie ist die Versorgungslage in Baden-Württemberg sowie im Großraum Karlsruhe/Baden-Baden?

Eberhard Weck: Während der vergangenen Wochen und Monate gab es aufgrund der wegen Corona verschobenen Operationen einen niedrigeren Bedarf an Blutpräparaten. Deshalb haben wir auch weniger Blut entgegengenommen. Da manche Bestandteile nur vier bis fünf Tage haltbar sind, machte es keinen Sinn, Blut entgegenzunehmen, für das es in dieser Zeit keine ausreichende Verwendung gab. Hinzu kommt, dass zwischen zwei Blutspenden mindestens acht Wochen Abstand liegen müssen. Wir haben deshalb darauf geachtet, dass Spender dann in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen, wenn der Bedarf wieder steigt. Das ist nun der Fall. Wir können derzeit den Tagesbedarf in Baden-Württemberg und Hessen decken, müssen allerdings in den kommenden Wochen unsere Vorräte wieder auffüllen.

Spendenbereitschaft hat nicht nachgelassen

BT: Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf die Spendenbereitschaft sowie auf die Einsatzmöglichkeiten von Blutspenden?

Weck: Die Spendenbereitschaft hat auch in der bisherigen Krise nicht nachgelassen, wir haben nur aus den genannten Gründen die Zahl der Termine heruntergefahren. Die fahren wir jetzt wieder hoch. Allerdings stoßen wir dabei an Kapazitätsgrenzen. Das liegt einmal daran, dass Blutspenden einen sehr strukturierten Ablauf haben, für den wir entsprechend qualifiziertes Personal benötigen. Das kann man nicht einfach kurzfristig beliebig erhöhen. Zudem benötigen wir aufgrund der geltenden Abstands- und Hygieneregeln nun größere Räumlichkeiten, die auch nicht immer einfach zu finden sind. Die Bereitschaft zur Blutspende ist derzeit sehr hoch, wir verzeichnen auch viele Erstspender, auch jüngere. Die Termine sind sehr gut ausgelastet. Ich gehe davon aus, dass wir in zwei bis drei Wochen auch bei den Vorräten wieder „den Korken oben schwimmen haben“, wenn der Zuspruch so anhält.

Blut wird in Bestandteile zerlegt

BT: Gespendetes Blut wird ja aufbereitet. Welche Verwendungsmöglichkeiten gibt es?

Weck: Blut wird grundsätzlich in drei Bestandteile getrennt, die dann den Patienten zur Verfügung gestellt werden. Sie erhalten nur die Bestandteile, die sie benötigen, Blut in Gänze wird schon lange nicht mehr verabreicht und von uns auch nicht gelagert. Separiert werden die roten Blutkörperchen, die für die Versorgung von Organen mit Sauerstoff und die Entsorgung des Kohlendioxids verantwortlich sind. Ohne diesen Austausch kann der Körper nicht überleben. Sie werden bei vier Grad gelagert und sind 42 Tage haltbar und vor allem nach einem großen Blutverlust verabreicht. Nach diesem Bedarf an roten Blutkörperchen richtet sich auch die Menge des Bluts, das wir entgegennehmen. Für Baden-Württemberg und Hessen liegt er zusammen bei etwa 2.500 Spenden pro Tag. Der zweite Bestandteil sind die Blutplättchen, die für die Gerinnung zuständig sind. Sie dürfen nicht gekühlt werden und sind außerhalb des Körpers nur vier bis fünf Tage haltbar. Vor allem in der Krebstherapie spielen sie eine große Rolle. Und dann separieren wir das Plasma, das man einfrieren und mit dem man einen Mangel an bestimmten Eiweißen beheben kann.

BT: Wie will der DRK-Blutspendedienst längerfristig auf den demografischen Wandel reagieren, da die Anzahl der potenziellen Spender mit bis zu 65 Jahren abnimmt?

Weck: Die Situation kann man mit der der Rentenversicherung vergleichen. Die Nachfrage steigt, gleichzeitig sinkt die Zahl der Einzahler. Das ist bei dem Bedarf an Blutbestandteilen ähnlich, auch, weil die Menschen immer älter werden und damit auch die Zahl der Krebserkrankungen steigt. Im Gegensatz zur Rentenversicherung können wir aber noch ungenutztes Potenzial bergen. Im Durchschnitt sind etwa drei Prozent der Deutschen aktive Blutspender, das schwankt ein wenig von Region zu Region. Wir gehen davon aus, dass – wenn man alle abzieht, die aus gesundheitlichen oder Altersgründen nicht spenden können oder es grundsätzlich nicht wollen – rund zehn Prozent der Deutschen als Spender infrage kommen. Dieses Potenzial müssen wir durch unsere Aufklärungsarbeit aktivieren. Übrigens kann man heute bis 73 Jahre Blut spenden, wenn man das auch schon vorher regelmäßig gemacht hat. Nur bei der Erstspende gibt es die Altersgrenze von 64 Jahren.