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Von Menschen und Affen

Straßburg (red) – Die Rheinoper in Straßburg hat jetzt Richard Wagners „Parsifal“ auf dem Programm. Der japanische Regisseur Amon Miyamoto erzählt die Geschichte spektakulär in sehr verschiedenen Bildsprachen. Ein Glücksfall ist der belgische Tenor Thomas Blondelle (Foto: Beck).

Von Menschen und Affen

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Von Georg Rudiger

Eine unheilbare Wunde, ein gefallener Ritter, eine verfluchte, doppelgesichtige Frau – kaum eine Oper ist derart mit Bedeutung aufgeladen wie Richard Wagners Bühnenweihfestspiel „Parsifal“. Jeder bedarf der Erlösung. Und Parsifal, der am Ende die Heilung bewirkt, hat selbst schwer zu tragen an seiner Vergangenheit. Der japanische Regisseur Amon Miyamoto fügt an der Straßburger Rheinoper zur komplexen Geschichte noch eine weitere Ebene hinzu, indem er Parsifal einen gleich gekleideten Jungen (Mathis Spolverato) gegenüberstellt, der mal beobachtend, mal aktiv ins Geschehen eingreifend den knapp fünfstündigen Abend begleitet. Das Kind betritt mit seiner Umhängetasche schon beim Vorspiel die Bühne, wenn es seine betende Mutter, die sich entkleidet und nackt auf die Couch legt, plötzlich bedroht und davonläuft.

Die Gralsburg ist in Straßburg ein Museum über die Menschheit (Bühne: Boris Kuclicka). Hier schlendert der Junge über die Drehbühne durch die einzelnen Räume, ehe er in der Gemäldegalerie auf Gurnemanz trifft, der mit seinen langen Haaren und dem weiten Gewand so aussieht, als sei er gerade einer der vielen Kreuzigungsszenen entsprungen (Kostüme: Kaspar Glarner). Religion ist hier nur noch im Museum ausgestellt und zur Kunst geworden. Aber Miyamoto bleibt nicht bei einer einheitlichen Bildsprache. Die Enthüllung des Grals inszeniert er als brutalen Aderlass auf dem OP-Tisch, damit der schon halbverweste Titurel (mit mächtigem Bass: Konstantin Gorny) wie auch die anderen verletzten Ritter das lebensnotwendige Blut trinken können. Spektakuläre Videos zeigen die Erde in Vogelperspektive (Bartek Macias) oder führen das Publikum gleich ins Weltall. Und immer wieder taucht an entscheidenden Stellen ein Affe auf, der laut Regisseur für die Reinheit der Natur und damit auch Parsifals stehen soll. Außerdem geistert die Mutter des Kindes gelegentlich mit der Taschenlampe durch die Kulissen. Ganz am Ende versöhnt sie sich doch mit ihrem Jungen. Und der kleine folgt nicht dem großen Parsifal und dem lockenden Affen in den Zauberwald. Er ist erwachsen geworden.

Mitunter übertreibt es Miyamoto mit seiner Assoziationsflut und den rätselhaften Arrangements. Das heterogene Nebeneinander erschließt sich nicht immer. Dafür sorgt die musikalische Umsetzung für Klarheit.

Dirigent Marko Letonja braucht ein bisschen, bis das Orchestre philharmonique de Strasbourg den Abend wirklich gestalten kann. Der heikle Unisono-Anfang missrät, die Mischung der Register ist im ersten Aufzug noch nicht optimal. Aber das Orchester findet nach und nach unter seiner souveränen Leitung zu einer größeren Suggestionskraft. Die Klarheit der musikalischen Interpretation äußert sich auch in der vorbildlichen Textverständlichkeit der Solisten. Ante Jerkunica ist als Gurnemanz ein in allen Höhen und Tiefen souveräner Erzähler. Markus Marquardts Amfortas hat Dramatik und Fundament. Christianne Stotijn ist eine darstellerisch präsente, stimmgewaltige Kundry mit enormer Tiefe, aber auch flackernder Höhe. Simon Baileys Klingsor hat enorme lyrische Qualitäten. Wie überhaupt der zweite Aufzug in Klingsors Zauberschloss mit Überwachungszentrale, digitaler Orchidee und den befleckten Blumenmädchen auch szenisch große Wirkung entfaltet.

Mit dem belgischen Tenor Thomas Blondelle besitzt die Produktion zudem einen großartigen, lyrisch grundierten Parsifal voller Leuchtkraft und Wärme. Großer Jubel am Ende für Musik und Regie.

Die Gralsburg als Museum der Menschheitsgeschichte: Szene mit Thomas Blondelle als Parsifal. Beck/Rheinoper

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Die Gralsburg als Museum der Menschheitsgeschichte: Szene mit Thomas Blondelle als Parsifal. Beck/Rheinoper

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Erstellt:
29. Januar 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 35sec

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