Wellenreuther zeigt sich gesprächsbereit

Karlsruhe (ket) – KSC-Präsident Ingo Wellenreuther zeigt sich gegenüber dem „Bündnis KSC“ gesprächsbereit. Allerdings stellt er Bedingungen. So soll offengelegt werden, wer sich dahinter verbirgt.

KSC-Präsident Ingo Wellenreuther will wissen, wer zu dem „Bündnis KSC“ gehört. Foto: Markus Gilliar/GES

© GES/Markus Gilliar

KSC-Präsident Ingo Wellenreuther will wissen, wer zu dem „Bündnis KSC“ gehört. Foto: Markus Gilliar/GES

Von Frank Ketterer

Historisch gesehen stellt der Rücktritt eines Präsidenten beim Karlsruher SC keineswegs eine Seltenheit dar, vielmehr ist er sogar die Regel, zumindest in jüngster Vergangenheit. Schon Roland Schmider ging vor 20 Jahren keineswegs freiwillig, sondern musste nach 26 Jahren an der Vereinsspitze dazu aufgefordert werden. „Haben Sie den Mut und nehmen Sie den Hut“, hieß es im März 2000 noch einigermaßen höflich, als bekannt geworden war, dass der KSC knapp zehn Millionen D-Mark Schulden angehäuft hatte und das zurückliegende Geschäftsjahr mit rund 1,5 Millionen Miesen abschließen würde. Schmider bereitete noch den damals überlebenswichtigen Vertrag mit dem Sportrechtehändler Michael Kölmel vor – und trat zum 30. Juni 2000 zurück. Nachfolger wurde Detlef Dietrich, der im August 2000 gewählt wurde und nur anderthalb Jahr später, im Februar 2002, ebenfalls in sowohl sportlich als auch wirtschaftlich höchster Not zurücktrat. Prof. Dr. Gerhard Seiler, Karlsruhes Ex-OB, folgte ihm ins Amt, zunächst als vom Gericht eingesetzter Notvorstand, kurz darauf, ab April 2002, als von den Mitgliedern ordentlich gewählter Präsident – mit sagenhaften 99 Prozent der abgegebenen Stimmen. Seiler schaffte es durch seine mannigfaltigen Kontakte, den KSC quasi in Windeseile zu retten, dann, Ende September 2002, nach nur einem halben Jahr, musste auch er, damals bereits 72 Jahre alt, zurücktreten – freilich aus gesundheitlichen Gründen. Im Amt beerbt wurde er im November 2002 von Hubert H. Raase, unter dem der KSC sportlich wie wirtschaftlich auflebte. Sieben Jahre hatte Raase das Amt inne, ehe er im September 2009 bekannt gab, bei der nächsten Mitgliederversammlung nicht mehr kandidieren zu wollen. Sein Nachfolger wurde Paul Metzger, der ehemalige OB von Bretten, der dem KSC elf turbulente Monate bescherte, ehe er im September 2010 mit seinem Rücktritt seiner Abwahl zuvorkam. Mit Metzgers Abgang begann die Laufbahn von Ingo Wellenreuther, erst, wie Seiler, als Notvorstand, ab November 2010 als von den Mitgliedern gewählter Präsident.

Wellenreuther fordert Konzept

Auch seine Amtszeit, so weiß man seit vergangenem Donnerstag, soll nun mit einem Rücktritt enden, jedenfalls fordert dies ein sich „Bündnis KSC“ nennender Zusammenschluss regionaler Unternehmer. Gegenleistung: Sechs Millionen Euro, die den KSC vor der heißdiskutierten Planinsolvenz retten würden, über die auf einer Außerordentlichen Mitgliederversammlung diesen Freitag abgestimmt werden soll. Zwei Rücktrittsfristen hat Wellenreuther bereits verstreichen lassen (wir berichteten), gestern nun wandte er sich über seinen Rechtsanwalt, Prof. Dr. Georg Streit aus München, erneut schriftlich an Jörg Schröder, den Bündnis-Anwalt aus der Karlsruher Kanzlei Caemmerer Lenz. „Unsere Seite wird sich fairen Gesprächen nicht verschließen“, heißt es in dem Schriftstück unter anderem. Gleichsam stellt Wellenreuther vorab Bedingungen. Zum einen sollen alle Mitglieder des Bündnisses KSC (bitte „keine Strohleute“) benannt werden, zum anderen deren Letters of Intention (Absichtserklärungen) über sechs Millionen Euro vorgelegt und auf ein Treuhandkonto einbezahlt werden, damit dem KSC das Geld umgehend zufließen kann, sollte eine Einigung gefunden werden. Von Wellenreuther zudem gefordert: Die Vorlage eines Konzepts des Bündnisses für den KSC.

Erst sechs Bündnismitglieder bekannt

Hintergrund: Bislang haben lediglich sechs der angeblich zehn bis zwölf Bündnis-Mitglieder ihre Namen öffentlich gemacht, darunter die GEM Ingenieursgesellschaft von Martin Müller, Wellenreuthers unterlegenem Herausforderer bei der Präsidentenwahl im Herbst. Zudem nicht bekannt wurde, mit welcher Summe sich die einzelnen Geldgeber am Aktienkauf beteiligen möchten. Eine Reaktion des Bündnisses auf Wellenreuthers Forderungen lag bis Montagabend Abend nicht vor.


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