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Zu viele Missverständnisse

Freiburg (red) – Rückschlag für den SC Freiburg. Der badische Fußball-Bundesligist verlor sein Heimspiel gegen den Tabellenletzten SC Paderborn mit 0:2.

Die Entscheidung: Freiburgs Torwart Alexander Schwolow wählt beim Elfmeter die falsche Ecke. Foto: Seeger/dpa

© dpa-avis

Die Entscheidung: Freiburgs Torwart Alexander Schwolow wählt beim Elfmeter die falsche Ecke. Foto: Seeger/dpa

Von Christian Rapp

Natürlich müsse er in die Mannschaftskasse bezahlen, erklärte Abdelhamid Sabiri energisch und lachte. „Wie viel genau, weiß ich aber gar nicht“, diktierte der Paderborner Mittelfeldspieler den Journalisten mit einem breiten Grinsen im Gesicht in die Notizblöcke. Sabiri hatte allen Grund zum Lachen, erzielte er in Minute 84 per Foulelfmeter das entscheidende 2:0 für die Ostwestfalen beim SC Freiburg, verbunden mit drei ganz wichtigen Punkten im Kampf um den Klassenerhalt. Da war der Obolus, den sein Trainer Steffen Baumgart für seine dritte Gelbe Karte der Saison in die SCP-Mannschaftskasse zu entrichten hatte, lediglich das i-Tüpfelchen.

Nur wenige Meter neben Sabiri stand Freiburgs Lucas Höler Rede und Antwort – mit leerem Blick und leiser Stimme. Der 25-Jährige war am Samstagmittag im Schwarzwaldstadion so etwas wie die personifizierte Freiburger Glücklosigkeit. Höler rackerte und ackerte, ging lange Wege, versuchte sich im Dribbling, als Flankengeber – allein der Ertrag tendierte gen null. Schlimmer noch: In einer ereignisarmen ersten Hälfte, in der der Tabellenletzte aus Paderborn strukturierter und schnörkelloser nach vorne spielte und der Gastgeber mit dem aggressiven Anlaufen des Aufsteigers seine Probleme hatte, besaß dennoch der SC die beste Chance, doch standen sich Höler und Teamkollege Koch nach einer butterweichen Kwon-Flanke im Weg (28.).

Den Ausgleich auf dem Kopf

In Halbzeit zwei, nachdem SC-Innenverteidiger Dominique Heintz im Mittelfeld den Ball vertändelte, Paderborn schnell umschaltete und Christopher Antwi-Adjei im Alleingang die Gästeführung erzielte (48.), hatte Freiburgs Rekordtorschütze Nils Petersen den Ausgleich auf dem Kopf, doch Kollege Höler mischte auch da wieder kräftig mit und blockte den Ball wenige Meter vor dem SCP-Tor ab. Vollends zum Unglücksrabe avancierte Höler schließlich in Minute 84, als er im Freiburger Strafraum Gegenspieler Kai Pröger im Gesicht traf. „Ich stelle den Körper rein und er läuft auf mich drauf“, schilderte Höler die Elfmeterszene. Schiedsrichter Christian Dingert zögerte jedoch nicht und zeigte auf den Punkt. Sabiri traf, die Völkerwanderung raus aus dem Schwarzwaldstadion setzte ein.

„Wir haben einfach unsere Torchancen nicht genutzt, in der zweiten Hälfte war es ein Spiel auf ein Tor“, erklärte Höler. In der Tat: Nach der Gelb-Roten Karte für Jamilu Collins (59.) übernahmen die Hausherren die Spielkontrolle, drückten Paderborn tief in die eigene Hälfte, eine Flanke nach der anderen (am Spielende waren es schier unglaubliche 27) segelte in den Gästestrafraum – doch ein Abnehmer wurde nur selten gefunden. Meist köpften die beiden Paderborner Abwehrhünen Christian Strohdiek und Sebastian Schonlau den Ball aus der Gefahrenzone. Rutschte das runde Leder doch mal durch, agierte der SC zu umständlich oder offenbarte eklatante Schwächen im Abschluss.

Streich: „Wir waren nicht gut genug“

„Es war ein schwieriges Spiel. Wir waren fußballerisch nicht gut genug. Es gab zu viele Fehler und Missverständnisse. Wir haben verdient verloren gegen gute Paderborner“, sagte Trainer Christian Streich und fügte hinzu: „So gewinnt man in der Bundesliga kein Spiel.“ Für Petersen, der von Tor Nummer 85 für den SC in etwa so weit entfernt war wie derzeit Schnee im Schwarzwald, fehlte „der letzte Punch“.

Und Baumgart? Der war sichtlich zufrieden mit seiner Truppe. „Wir freuen uns sehr. Die Jungs haben einen sehr guten Job gemacht“, sagte der SCP-Trainer, der dann doch noch Bezug auf seine Gelbe Karte nahm: „Wenn das heute respektlos von mir war, versteh ich die Welt nicht mehr. Der Vierte Offizielle meinte zu mir, dass ich das manchmal nicht merke. Aber ich war heute sehr friedlich für meine Art.“ Sprach’s und machte sich auf den Weg – vielleicht direkt Richtung Mannschaftskasse.

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Erstellt:
27. Januar 2020, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 51sec

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