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Beistand für Trauernde
Der Tod eines nahe stehenden Menschen ist ein schlimmer Verlust. Vielen Menschen scheint es, als ob ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Denn der Tod reißt nicht nur eine klaffende Lücke an der Stelle, die eben dieser Mensch gefüllt hat. Er verändert auch die Lebensposition der Hinterbliebenen, da er die gefestigte Struktur von Rollen, Funktionen und Beziehungen aufreißt. So verändert ein Todesfall ganze Familien oder Freundeskreise.
Nach dem ersten Schock über eine Todesnachricht folgt zumeist ein tiefes Trauererlebnis. Psychologen raten dazu, diese Trauer bewusst zuzulassen und sich dem eigenen Leiden zu stellen. Dies hilft am ehesten, diese Phase des inneren Abschieds zu bewältigen und seelisch unbeschadet aus diesem Lebensabschnitt wieder herauszukommen. Wichtig ist es, sich für das Abschiednehmen die erforderliche Zeit zu nehmen. Dies kann von Trauerndem zu Trauerndem sehr unterschiedlich sein - ebenso wie die Art des Abschieds. Manche suchen nochmals den körperlichen Kontakt zum Toten, andere wollen den Leichnam keinesfalls mehr sehen oder berühren, um ihn in lebendiger Form in Erinnerung zu behalten. Hier sollte jeder den Mut haben und zugesprochen bekommen, den Weg zu wählen, der für ihn der richtige ist.
Hilfe bei der Trauerbewältigung bieten viele Organisationen an (siehe Kapitel: Wo erhalte ich Hilfe)

Einige Gedanken rund um Tod, Sterben und Trauer hat Barbara Weiler, Trauerbegleiterin und Lebensberaterin, in erklärende und tröstende Worte gefasst:

Text?

Als hätte es Dich nie gegeben
Erinnerungen an einen Verstorbenen

Einen geliebten verstorbenen Menschen wird man nie vergessen. Die direkten Angehörigen oder die allerengsten Freunde werden das, was man verloren hat, für immer in sich tragen und in regelmäßigen Abständen daran denken. Bestimmte Tage und bestimmte Orte werden dieses Gefühl noch verstärken. Auch ohne diese markanten Daten und Punkte wird die Erinnerung nie vollständig verblassen. Doch was ist mit den Menschen im etwas erweiterten Umfeld – den ehemaligen Arbeitskollegen, Nachbarn, Vereinsmitgliedern? Werden die sich ebenfalls daran erinnern, wer einmal in ihrer Mitte war?
Die Erfahrung zeigt, dass die Gedanken an einen ehemaligen Mitstreiter, sei es in Beruf oder Freizeit, schnell verblassen. Für die engsten Vertrauten des Verstorbenen ist diese Erkenntnis teilweise sehr schwer zu verstehen. Oft wirkt die Situation, als hätte es den Menschen, der nicht mehr da ist, nie gegeben. So manch ein Angehöriger wünscht sich, speziell am Todestag einen Anruf oder eine Nachricht, nicht nur aus dem engsten Familienkreis. Es tut einem Hinterbliebenen sehr gut, zu erfahren, dass der Mensch, den er einmal geliebt hat, nicht in Vergessenheit gerät. Es tut gut, zu spüren, dass auch das Umfeld – oft Personen, von denen man es zuletzt vermuten würde -, sich an solchen Tagen Gedanken machen und diese auch mitteilen.
Gerade, wenn der Todestag schon mehrere Jahre zurückliegt, ist an solchen Tagen ein Zeichen der Erinnerung an den Verstorbenen für den Trauernden sehr wohltuend, Und es geht in erster Linie nicht darum, getröstet zu werden. Vielmehr tut es gut, zu spüren, dass der Verstorbene nicht in Vergessenheit geraten ist. Oft lesen wir in den Zeitungen Traueranzeigen, die noch Jahre nach dem Tod des Verstorbenen geschaltet werden. Warum tun Hinterbliebene so etwas? Vielleicht, weil der Trauernde das Bedürfnis hat, den Verstorbenen der "Außenwelt" wieder ins Gedächtnis zu rufen. Man wünscht sich, dass das Leben, das unter Umständen viel zu kurz war, einen Sinn hatte und sich die Umwelt weiterhin an diesen Menschen erinnert. Und sei dies auch noch zehn oder mehrere Jahre danach.
Daher ist es wichtig, dass man an die Hinterbliebenen an bestimmten Tagen denkt. Die Angst, alte Wunden aufzureißen, sollte dem Gedanken, dass ein Anruf sehr wohltuend sein kann, weichen. Denn es wäre gut, wenn sich Trauernde nie so fühlen müssten, "als hätte es Dich nie gegeben".

Text?Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne
Abschiede gehören zu jedem Lebensabschnitt dazu – und somit auch die Trauer

Immer wieder im Leben werden Menschen mit den unterschiedlichsten Abschieden konfrontiert. Traurige Momente in einzelnen Lebensabschnitten gehören zum Reifeprozess eines jeden. Abschiede können sehr unterschiedlich sein und haben dennoch stets eine traurige Note. Sei es der Abschied aus der Grundschule oder bei einem Arbeitsplatzwechsel, sei es der Abschied von einem Wohnort, der alten Mietswohnung oder sei es der Abschied von der ersten großen Liebe. All diese Trennungssituationen erwecken auch ohne den Tod große Trauer. Es gehört daher zum Leben, diese Situationen zu meistern. Man lernt damit sehr früh, mit Trauer umzugehen – jeder auf seine eigene Weise. Abschiede, die jeden einmal treffen, sind beispielsweise das Ende der Kindergarten- und Schulzeit oder das Ende der Ausbildung. Auch wenn uns da nicht der endgültige Verlust eines Menschen trifft, so verliert man doch Weggefährten. Das Leben bereitet den Menschen schon mal auf traurige Momente vor. Solche Trauermomente können sich stetig wiederholen.
Neben diesen "alltäglichen" Abschieden gibt es auch welche, die jeder einzelne Lebensabschnitt mit sich bringt. Abschiede von der Kindheit oder der Pubertät sind ganz entscheidende Trauersituationen. Plötzlich hat man in der Gesellschaft nicht mehr den Bonus eines Kindes. Man muss Dinge verantwortungsvoller angehen, obwohl man noch nicht zu den Erwachsenen gehört. Dieser Abschied begleitet den Menschen einige Zeit. Wiederholung findet dies beim ganz natürlichen Verlust der Jugend. Denn teilweise sind wir dann in der Fußballmannschaft plötzlich nicht mehr die Nummer eins. Und das nur, weil man bereits in der Mitte der 20er Jahre steckt. Die ersten Falten oder grauen Haare, altersentsprechende körperliche Beeinträchtigungen und "Midlife Crises" sind wiederum Lebensabschnitte, die aus vielen kleinen Abschieden bestehen. Auch sie erfüllen den Menschen oft mit Trauer.
Eine weitere Abschiedsform ist die, die man freiwillig wählt. Das kann zum Beispiel der Austritt aus einem Verein sein. Ein bewusster Abschied kann auch die Trennung vom Lebenspartner sein.
Bei all der Vielzahl von Abschieden muss man sich aber immer eines vor Augen halten: Man kann nicht jede Beziehung, ganz gleich welcher Art, ein Leben lang aufrecht erhalten. Es ist unvorstellbar, im Alter noch alle Freundschaften aus allen Lebensphasen zu pflegen. Dieser Freundeskreis würde eine Größe einnehmen, der man nicht mehr gerecht werden kann. Vielmehr besteht das Leben zum Großteil aus Weggefährten, die den Menschen eine geraume Zeit begleiten. Denn nur wenn man Abschied nehmen kann, dürfen auch wieder neue Menschen in das Leben treten und können dadurch neue Freundschaften entstehen. Und wie schrieb Hermann Hesse einst in seinem Gedicht "Stufen": "Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne." Daher muss man bereit sein, sich von manchen Dingen zu verabschieden, um diesen Zauber zu erleben.

Text?Plötzlich ist alles anders
Lebens- und Sinnkrise: Ressourcen, um ins Leben zurückzufinden

Ist es in der Tat nicht so, dass unser Leben oft in ruhigen Bahnen verläuft und wir die gewohnten Regelmäßigkeiten als normal betrachten? Wir glauben, wir haben unser Leben in der Hand und nichts kann uns erschüttern. Doch dann kommt plötzlich der Tag, an dem unser ganzes Leben erschüttert wird – das Schicksal schlägt zu. Dies kann auf unterschiedlichste Weise der Fall sein. Ob es sich dabei um den Tod eines Nahestehenden, einen Unfall, eine Krankheit oder den Verlust des Arbeitsplatzes handelt, all das kann dazu führen, dass nichts mehr ist, wie es einmal war.
Doch warum erschüttern uns diese Dinge so sehr? Wir befinden uns von einem Augenblick auf den anderen in einer Krisensituation, die uns die gewohnte Sicherheit nimmt und wodurch wir uns in unserer Existenz, unserer Gesundheit oder unserem Leben gefährdet sehen.
Dies ruft Gefühle wie Trauer, Wut, Enttäuschung, Betäubung oder Angst hervor. Unser Körper und unsere Seele kommen in einen "Überlebensmodus" und versuchen, mit diesen starken Gefühlen das noch Unbegreifliche zu verarbeiten. In dieser Situation wird uns plötzlich bewusst, was wir zuvor doch für ein glücklicher Mensch waren, auch wenn wir das so gar nicht wahrgenommen haben. Im ersten Zustand des Schocks sehen wir gar unsere Umwelt mit anderen Augen und können nicht verstehen, dass sich die Welt um uns herum weiter dreht. Wir reden dabei von einer Lebens- oder auch Sinnkrise. Wir fragen uns: Warum ich? Warum trifft es ausgerechnet meinen geliebten Partner? Welcher Sinn steht dahinter? Wie soll mein Leben weitergehen? Hat mein Leben überhaupt noch einen Sinn und Zweck? Wo soll mich das Ganze hinführen? Werde ich jemals wieder glücklich sein und und Freude empfinden? Wir leben nicht mehr nach außen, sondern sind uns selbst zugewandt.
Jetzt ist es wichtig, über welche Ressourcen jeder Einzelne verfügt, um wieder ins Leben zu finden. Eines muss dabei bewusst sein: So wie früher wird es nie wieder werden. Selbst wenn sich das Schicksal ins Positive wendet, wird uns das Erlebte für immer ein Begleiter sein. Das alles ist keineswegs schlecht. Aus einer Krise kann jeder gestärkt hervorgehen. Alles im Leben hat zwei Seiten und gibt uns dadurch die Möglichkeit, uns zu entscheiden: Entweder ich nehme die Herausforderung an und werde daran reifen und gestärkt aus der Krise hervorgehen oder ich kapituliere und verschenke mein Leben.
Im ersten Fall besteht die große Chance, unserem Leben eine Tiefe zu geben. Die Chance, diese existenzielle Erfahrung in positive Energie umzusetzen, Dinge anders zu betrachten und Kleinigkeiten zu schätzen und offen mit anderen und der Umwelt umzugehen. Denn jede Erfahrung hat letztendlich nur die Bedeutung, die wir ihr geben.

Text?

Barbara Weiler
Trauerbegleitung und Lebensberatung
Langenackerstr. 17
76593 Gernsbach-Reichental
Tel.: (0 72 24) 50 2 85
Internet: www.trauerbegleitung-weiler.de
E-Mail: info@trauerbegleitung-weiler.de

www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
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