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Einrichtung erwirbt sich internationales Renommee
02.11.2017 - 00:00 Uhr
Von Christina Nickweiler

Baden-Baden - In diesem Jahr feiert die südbadische Sportschule ihr 60-jähriges Bestehen. Als Programmhöhepunkt findet am Freitag, 3.November, ein Handball-Länderspiel der Junioren Deutschland gegen Belgien statt. Im Sommer hatte die Schulleitung eine Ausstellung über die Geschichte der Sportschule eröffnet. Bei der Textsammlung stößt der Besucher immer wieder auf den Namen des Gründers, Fritz Herrmann, und man fragt sich, warum ausgerechnet eine kleine, bis dahin unbedeutende Gemeinde namens Steinbach sich als Sportschulstandort durchsetzen konnte.

Im Sommer 1960 wurde auf Betreiben des südbadischen Handballverbands die "Südbadische Sportschule Steinbach" zu einem Verein mit Sitz in Freiburg umgewidmet. Die Idee dahinter: Zuschüsse aus dem Landeshaushalt zu erhalten sowie die Öffnung der Schule für alle Sportarten, um eine bessere Auslastung zu erzielen. Der südbadische Handballverband wurde seinerzeit von den Steinbacher Verantwortlichen als gängelnde und gleichzeitig ineffiziente Kraft wahrgenommen, geht aus den Protokollen hervor.

Mit dem Beschluss der Landesregierung, neue Sportschulen zu errichten, brachte sich 1961 plötzlich die Stadt Freiburg als neuer Standort der Südbadischen Sportschule ins Gespräch. Allerdings hatte der Freiburger Stadtrat, als er sich einstimmig für einen Sportschulstandort Freiburg aussprach, die Rechnung ohne Fritz Herrmann gemacht. Als hervorragender Netzwerker gelang es ihm, den Kultusminister davon zu überzeugen, die Sportschule Steinbach nicht nur zu erhalten, sondern durch Zuschüsse sogar eine bauliche Erweiterung zu ermöglichen. Der damalige Kultusminister Gerhard Storz stellte im August 1962 in einem veröffentlichten Brief klar, dass die "großen finanziellen Opfer" der Stadt Steinbach mit zwei Millionen Mark Baukosten seitens der Landesregierung ausdrücklich anerkannt würden.

1963 gab es seitens der "Stadtgemeinde" Steinbach eine Verpflichtungserklärung, im Zuge der baulichen Erweiterungen auch ein Hilfskrankenhaus und einen Bunker für Bettenstationen zur Verfügung zu stellen. Diese baulichen Vorrichtungen waren in Zeiten des Kalten Krieges üblich und ermöglichten es der Stadt, zusätzlich öffentliche Mittel in Anspruch zu nehmen. Ab 1963 begannen dann weitere Bauaktivitäten: ein zweites Gästehaus, ein Lehrschwimmbecken und eine Gymnastikhalle.

1972 wurde die Fußgängerbrücke fertiggestellt, mit Hilfe derer die neuen Erweiterungsbauten auf der Südseite zu erreichen sind. Hierzu gehörte die Halle 2, deren Generalsanierung erst vor wenigen Wochen abgeschlossen wurde. Schon 1972 wurden die Gebäude für Sportler mit Überlängen bis zu 2,20 Meter sowie für behinderte Sportler ausgestattet. Zuvor, am 1. Juli 1971, hatte der Badische Sportbund Freiburg die Trägerschaft der Südbadischen Sportschule Steinbach übernommen.

Unter Fritz Herrmanns Ägide erlangte die Sportschule internationales Renommee. Sie war ein Ort, an dem der Austausch im Leistungssport in Zeiten des Kalten Krieges ein Ort für inoffizielle Völkerverständigung wurde. Olympia- und Weltmeister verschiedener Sportarten begannen im Rebland ein- und auszugehen. Regelmäßig gastierten Mannschaften aus dem europäischen Ausland, aus Übersee, Japan sowie aus den ehemaligen Ostblockstaaten in der Sportschule. Steinbach galt als Vorbereitungsquartier für die "sowjetischen Handballstars", heißt es in der Festschrift von 1982.

Bisher knapp eine Million Übernachtungen

32 Jahre lang, bis 1989, war Fritz Herrmann Sportschulleiter, 1998 starb er 80-jährig. Aus den Quellen geht hervor, dass er, ungern Widerspruch duldend, seine Mitmenschen schon mal vor den Kopf stoßen konnte. Er wollte es nicht als "autoritäres Regieren verstanden wissen", sondern, dass er als Autorität anerkannt würde, heißt es in der Festschrift. Der unabdingbare Leistungsgedanke habe stets sein Handeln geprägt, erinnert sich Alfred Herrmann. Jedenfalls erhielt Fritz Herrmann für seine Verdienste um die südbadische Sportschule 1978 zu seinem 60. Geburtstag aus den Händen seines Freundes Hermann Person das Bundesverdienstkreuz am Bande. 1988, ein Jahr vor seinem Abschied von der Sportschule, verlieh ihm der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker das große Bundesverdienstkreuz. Hierfür wurde der Staatsmann eigens - begleitet von Bundesgrenzschutz - im Hubschrauber auf den Sportplatz der Sportschule eingeflogen. "Die Sportschule war sein Lebenswerk", sagt Alfred Herrmann.

1989 folgte ihm Ewald Recker, der seit Anfang der 1990er Jahre die ersten Renovierungsarbeiten in den Gästehäusern 1 und 2 angehen musste. Recker galt als leidenschaftlicher Skifahrer. Unter seiner Führung wurden ein weiteres Bettenhaus gebaut, Tennisplätze angelegt, ein zweiter Rasenplatz erstellt und ein Tennenplatz erschlossen. Norbert Hartmann leitete die Sportschule von 2002 bis 2012. Der gebürtige Sandweierer hatte bereits seit 1982 als Studienleiter in der Einrichtung gearbeitet. In seine Zeit fielen Umbauarbeiten an, um Energie einzusparen. Kurz vor seinem Ruhestand wurde 2011 der bestehende Tennenplatz in einen Fußball-Kunstrasenplatz umgebaut und nach ihm benannt. Denn Hartmann war seit seiner Jugendzeit ein begeisterter Fußballsportler und später Tennisspieler.

Seit 2012 leitet nun Christian Reinschmidt die Geschicke der Einrichtung. Gleich nach seinem Studium zum Diplom-Sportlehrer kam er 1991 an die Sportschule. Reinschmidt gründete 1988 das erfolgreiche Schwimmteam des TV Bühl, mit dem er im Jahr 2003 den Aufstieg in die zweite Bundesliga schaffte. Er gilt als gefragter Autor sportpädagogischer Fachbücher. In Reinschmidts bisherige Zeit als Sportschulleiter fallen etliche größere Sanierungen von Gebäuden und Plätzen, um langfristig den Standort Steinbach für die Sportverbände attraktiv zu halten.

"Die Sportschule Steinbach verzeichnete in den vergangenen 60 Jahren zirka eine Million Übernachtungen", resümiert Reinschmidt. Er nennt das 1957 eröffnete Ensemble von Sporteinrichtungen inklusive Übernachtungsmöglichkeiten und Freibad eine "geniale und zukunftsorientierte Idee". Anders als vor 60 Jahren, bietet die Sportschule heute Arbeitsplätze für rund 40Personen und hat ihren internationalen Charme stets behalten. Wir freuen uns, dass wir mit dem Handball Junioren-Länderspiel Deutschland gegen Belgien ein Länderspiel der Extraklasse nach Steinbach holen konnten", freut sich Reinschmidt auf das sportliche Highlight am 3. November.

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