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Zuschauer hängen ihm atemlos an den Lippen
Dieter Nuhr, einer der beliebtesten Kabarettisten Deutschlands, zieht das Publikum drei Stunden lang in seinen Bann. Foto: Hecker-Stock
20.01.2018 - 00:00 Uhr
Von Conny Hecker-Stock

Baden-Baden - "Nuhr hier, nur heute" gab es im ausver-kauften Bénazetsaal zu erle-ben, und bei ihm bedeutet das fast drei Stunden lang Ge-schützfeuer, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Mit ihm brachte einer der beliebtesten Kabarettisten Deutschlands seine geballte 30-jährige Bühnenerfahrung ein, und nicht umsonst erinnerte er zu Beginn an frühere Geschichtenerzähler, denen ihre Zuhörer atemlos an den Lippen hingen.

Er hatte ja vorgehabt, die erste Halbzeit der neuen Regierung zu widmen, die wir fast gehabt hätten, doch der Zigarrendampf der FDP habe mit dem Weihrauchatem der CSU nun mal nicht harmoniert. Da die Schlauen in der SPD vorher alle abgehauen waren, musste Martin Schulz ran, im Wissen, dass Angela Merkel wie eine schwarze Witwe immer verlässlich ihre Partner verspeist, im Gegensatz zur weiblichen Spinne, die nur gelegentlich diese Gelüste auslebt. Das Problem bei einer Demokratie seien nun mal die Wähler, wobei hier schon deutlich gesiebt werde, müssten die Parteinamen fehlerfrei ausgeschrieben werden, meinte Nuhr süffisant.

Unter Applaus regte sich der sonst eher Tiefenentspannte über die unangemessene Unzufriedenheit in Deutschland auf, da wir immerhin seit 70Jahren in Mitteleuropa im Frieden leben dürfen. Daran sei auch der Freihandel schuld, denn es mache sich nun mal schlecht, die potenzielle eigene Kundschaft abzumurksen. Deshalb sei Großbritannien ohne Europa nichts als eine Nordseeinsel, was dort so langsam begriffen werde.

Der Digitalisierung sieht Nuhr den heutigen Katastrophenwahn geschuldet, da aus jedem Winkel der Erde jede Meldung sofort im Netz verfügbar sei und die sich selten auf gute Nachrichten beziehen würden. In diesem Jahrtausend seien in Deutschland 14 Menschen durch Terroranschläge ums Leben gekommen, wovon jeder Einzelne einer zu viel war, doch dem stünden 5000 Tote durch Badeunfälle gegenüber, für die kein Brennpunkt geschaltet werde. Früher habe es genauso viele Irre gegeben wie heute, doch die "standen allein an der Theke und sprachen in ihr Glas, und der Wirt war ihr einziger Follower". Dagegen heute ein Klick im Netz, und jeder weiß Bescheid, wobei viele die Auseinandersetzung mit dem realen Leben verpasst hätten, sinnierte Nuhr. Zu seiner Zeit seien die Kinder draußen spielen gewesen, "teils sogar bei Wetter", sie hätten an der Teppichstange geturnt und sei ein Kind heruntergefallen, sei ein neues gemacht worden. Heute fahren dagegen Minis mit Sturzhelm auf dem Dreirad "die hätten wir früher als Weicheier verprügelt". Kinder sollten ihre Konflikte ohne elterliche Einmischung lösen, Nuhr sah es als verbrieftes Menschenrecht, sich auszuprobieren. Der Kabarettist hat ein Problem mit ständiger Übersteigerung.

Alle Autos umzustellen auf Batterie, dafür reiche das Lithium auf der ganzen Welt nicht aus. Und da die 15 größten Schiffe der Welt ebenso viel "Schadstoffe raushauen" wie 750 Millionen Autos bringt es auch nichts, den Diesel abzuschaffen und dann auf Kreuzfahrt zu gehen. Und gegen Rom oder Athen sei der Feinstaubalarm in Stuttgart ein Klacks. Hart ins Gericht ging er auch mit all jenen, die mit der Selbstbestimmung und Freiheit der Frauen bei uns nicht klarkämen, "sie leben hier im falschen Land".

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