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Trotz Fastnacht: Autofahrer meist nüchtern
Bei Kontrollen ertappt die Polizei bundesweit regelmäßig Autofahrer, die unter Drogeneinfluss stehen. Auch in der Kurstadt gibt es solche Fälle immer wieder. Foto: dpa
12.02.2018 - 00:00 Uhr
Von Sarah Reith

Baden-Baden - Bundesweit nehmen die Unfälle unter Drogeneinfluss seit Jahren zu: Diesen Trend kann man laut Peter Westermann, Leiter der Verkehrspolizeidirektion Baden-Baden, auch in der Region beobachten. Bei gezielten Kontrollen auf der B500 in Richtung Baden-Baden habe man schon mehrfach in wenigen Stunden mehr als 20Autofahrer unter Drogeneinfluss erwischt, weiß Polizeihautkommissar Thorsten Gleicher zu berichten. Ganz anders sieht es bei Alkohol am Steuer aus, erläutert Westermann. Hier seien die Zahlen seit Jahren rückläufig.

Daran ändern auch die derzeitigen Kontrollen nichts - im Gegenteil: "Während der Fastnachtszeit haben wir übers Jahr gesehen die wenigsten Alkoholunfälle und -aufgriffe", sagt Westermann. Es gebe landesweite Vorgaben, in dieser Zeit vermehrt zu kontrollieren. Das erfolge immer dort, wo Veranstaltungen stattfänden. Erst vor wenigen Tagen sei man in Sinzheim vor Ort gewesen. Viele angetrunkene Autofahrer gingen dabei aber nicht ins Netz: "Die Leute wissen, dass wir verstärkt kontrollieren", erläutert Erster Polizeihauptkommissar Ralf Durm, der als Leiter des Autobahnpolizeireviers Bühl viel Erfahrung mit alkoholisierten oder unter Drogeneinfluss stehenden Autofahrern hat. Aus Angst vor Kontrollen würden nach Fastnachtsveranstaltungen oft Fahrgemeinschaften gebildet oder man greife auf ein Taxi zurück. Die meisten alkoholisierten Autofahrer würden dagegen im Sommer erwischt, ergänzt Westermann.

Aber auch, wenn es weniger Fälle von Alkohol am Steuer gibt als vor zehn oder gar 20Jahren, handelt es sich dabei immer noch um das Hauptproblem: Laut Westermann kommt auf zehn Unfälle mit Personenschaden unter dem Einfluss der "Kulturdroge" Alkohol nur ein Unfall unter Einfluss von illegalen Drogen.

Hohe Dunkelziffer

bei Drogendelikten

Allerdings sei gerade im Fall von Drogen die Dunkelziffer hoch, betont Westermann. Insgesamt handle es sich beim Drogenbereich um eine sogenannte Holkriminalität: Je mehr Kontrollen durchgeführt würden, desto mehr Fahrer unter Drogeneinfluss würden auch ertappt und schlügen sich folglich in der Statistik nieder.

Dabei sei man in der Region sehr gut aufgestellt, sagt Westermann: 2015 habe es im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg 499 Drogendelikte gegeben, das seien 9,1 Prozent der landesweiten Fälle. Damit stehe man an zweiter Stelle im Land: Nur in Mannheim wurden im Verhältnis zur Einwohnerzahl noch mehr Fälle festgestellt.

Im vergangenen Jahr wurden im Bereich des hiesigen Polizeipräsidiums laut Westermann sogar 575 Drogenfahrten aufgedeckt, davon allein 149von der Autobahnpolizei. Letztere ist im gesamten Gebiet des Polizeireviers unterwegs. Kontrollen führt sie unter anderem an der Tank- und Rastanlage Baden-Baden durch.

25 Führerscheine entzogen

Das wiederum schlägt sich auch in der Statistik der städtischen Führerscheinstelle nieder: Diese hat allein im vergangenen Jahr 25Mal einen Führerschein wegen Drogenmissbrauchs dauerhaft entzogen. Ein Entzug ist deutlich schlimmer als ein Fahrverbot, erläutert Niels Nellissen von der Führerscheinstelle: Bei einem Verbot darf nach Ablauf einer bestimmten Zeit wieder gefahren werden, bei einem Entzug ist der Lappen komplett weg. Wer ihn wiederbekommen möchte, muss dann erst einmal einen Antrag auf Neuerteilung stellen und entsprechende Tests bestehen.

Bei 15 der 25 Betroffenen im vergangenen Jahr handelte es sich um Ausländer, erläutert Nellissen. Denn: Wenn ein Autofahrer keinen Wohnsitz in Deutschland habe, gelte das "Tatortprinzip". Es sei also die Führerscheinstelle zuständig, auf deren Gebiet die Kontrolle stattgefunden habe. Wer in einer anderen Region in Deutschland lebe, für den sei nach einer hier durchgeführten Kontrolle hingegen die dortige Behörde zuständig - er findet sich also gar nicht in der städtischen Statistik wieder.

Abgesehen von den ausländischen Fahrern ist die Führerscheinstelle natürlich auch für in Baden-Baden gemeldete Autofahrer verantwortlich - egal, ob diese irgendwo bei einer Verkehrskontrolle aufgefallen sind oder ihnen der Konsum harter Drogen etwa im Zuge von polizeilichen Ermittlungen nachgewiesen wurde. Denn das ist ebenfalls ein Grund für einen sofortigen Führerscheinentzug, egal ob sie unter Drogeneinfluss auch Auto gefahren sind oder nicht.

Ohnehin werde häufig unterschätzt, wie lange die Wirkung einer Droge anhalte, warnt Polizeihauptkommissar Gleicher, Dienstgruppenleiter beim Autobahnpolizeirevier. Wenn jemand regelmäßig konsumiere, bauten sich die Abbauprodukte im Körper immer weiter auf - und es könne auch Stunden oder Tage später noch zu sogenannten Flashbacks kommen.

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