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Artist schwebt an Tüchern durch den Altarraum
19.03.2018 - 00:00 Uhr
Von Fabian Sauter-Servaes

Baden-Baden - Hell und warm leuchteten die Kirchenfenster in der Nacht der offenen Kirchen vergangenen Freitag. Bei der noch früh eintretenden Dunkelheit wirkten die vielen verschiedenen Kirchenräume umso einladender auf die flanierenden Passanten. Zum vierten Mal hatte die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Baden-Baden das Ereignis initiiert, bei dem alle beteiligten Kirchen ein abwechslungsreiches Programm bieten.

Musik und Meditation, Geschichten und Gebete, Kunst und Klänge waren im reichhaltigen Angebot. Zusammengeführt wurden all diese Veranstaltungen beim gemeinsamen Gottesdienst in St. Josef in der Innenstadt. "Schön, dass sie da sind", begrüßte Pfarrer Michael Teipel stellvertretend für alle Konfessionen die Menschen im vollen Gotteshaus. Gespannt erwarteten die Anwesenden das getanzte Gebet des Artisten Carismo (Martin Bukovsek), der für seine Performance eigens einen Haken an der hohen Decke des Altarraumes von St. Josef angebracht hatte, um daran seine Tücher zu befestigen. Angelehnt an die Lesung aus dem Buch Genesis von Jakobs Traum, in dem ihm eine Himmelsleiter mit Engeln erscheint, erklomm Carismo die luftigen Höhen der Kirche. "Himmelwärts" war dafür das passende Motto in der Ankündigung gewesen.

Anmutig und kraftvoll waren die Bewegungen Carismos. Sein Gebet zeigte er in der universellen Sprache des menschlichen Körpers. So war es auch passend und stimmig, dass er mit nacktem Oberkörper auftrat: eine ungewöhnliche Ästhetik in einem christlichen Sakralraum Mitteleuropas. Sein Tanz mit den Tüchern in ständigem Auf und Ab spielte mit den Gegensätzen des Schwebens und Festhaltens, der luftigen Freiheit und der sicheren Gebundenheit. Kunstvoll nahm er die Haltung des gekreuzigten Christus ein und stellte so ein mächtiges Bild des Leidens dar. Mit Hilfe der Tücher verwandelte er sich weiter in den Auferstandenen oder einen Engel, der über dem Altar schwebend Geborgenheit vermittelte. Unterlegt mit meditativer Musik zog er die Zusehenden in seinen Bann. Die Atmosphäre des Gebets blieb dabei stets gewahrt. So zeigten ihm die Gottesdienstbesucher auch erst nach Beendigung des gemeinsam gesprochenen "Vater unser" mit tosendem Beifall ihre Bewunderung.

Der Schlussgottesdienst mit einem Artisten wie Carismo, aber auch alle anderen dezentralen Veranstaltungen in der Nacht der offenen Kirchen zeigten, dass die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Baden-Baden sich zu Herzen genommen hat, was der katholische Theologe Eugen Biser einmal in Anlehnung an den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer das "Sprachproblem der Religion" genannt hat. Das Bemühen eine neue Sprache zu finden, die die Menschen erreicht, wurde ganz verschieden umgesetzt.

In der Spitalkirche konnte der Zauber der Andachten und Meditationen von Taizé erfahren werden. Die schönen Gesänge aus der ökumenischen Bruderschaft von Taizé in Burgund werden mehrfach wiederholt gesungen und nur von Stille und Gebet unterbrochen. Ganz im Stil des Vorbilds war die Spitalkirche mit Ikonen und Kerzen geschmückt, auch einfache Gebetsbänke waren vorhanden, um direkt am Altar beten und singen zu können.

In der Stiftskirche stand das Kreuz aus dem 15. Jahrhundert im Mittelpunkt der Betrachtung. Eine intensive, detailreiche Interpretation der Darstellung des Gekreuzigten wechselte mit Orgelmusik und Gesang. In der Johanniskirche, von vielen Badenern immer noch "englische Kirche" genannt, wurden zu wunderbarer englischer Kirchenmusik an der Orgel Anekdoten aus der Geschichte der "All Saints Church" zum Besten gegeben. Ein eher unbekanntes Stück Baden-Badener Religionsgeschichte wurde so lebendig. Den anglikanischen Gottesdienst besuchte seinerzeit auch Schriftsteller Mark Twain, der seine Eindrücke im "Bummel durch Europa" verarbeitet hat.

Das 19. Jahrhundert stand auch im Mittelpunkt der Kurzgeschichten in der evangelischen Stadtkirche. In Kombination mit passenden Chansons, Liedern und anderen Stücken wurden wichtige Personen aus der Geschichte der Stadtkirche vorgestellt. Das spendable Fräulein Charlotte von Schubert wurde ebenso erwähnt wie die engagierte Leonore Katz, die nach dem Krieg eine der fünf neuen Glocken spendete. Auch in den Stadtteilen und im Rebland wehte an diesem Abend der Geist christlicher Gemeinsamkeit. Trennendes wurde überwunden, und es wurden Brücken zwischen Konfessionen und Glaubensrichtungen geschlagen.

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