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Unfallflucht: "Jeder Vierte geht stiften"
02.05.2018 - 00:00 Uhr
Von Sarah Reith

Baden-Baden - Zu 1865 Unfällen kam es im vergangenen Jahr im Stadtkreis. Bei 489davon - das sind etwa 26Prozent - entfernte sich der Verursacher unerlaubt. Damit liegt Baden-Baden bei Unfallfluchten ungefähr im Bundesschnitt: "Jeder Vierte geht stiften", fasst Polizeidirektor Peter Westermann die deutschlandweite Statistik zusammen. In der Kurstadt spürt allerdings eine spezielle Ermittlungsgruppe viele dieser Täter erfolgreich auf.

Ungefähr 35 Prozent der Baden-Badener Unfallfluchten seien 2017 aufgeklärt worden, berichtet Westermann nicht ohne Stolz. Mit der Aufklärungsquote liege man in Baden-Baden seit Jahren leicht über dem Schnitt im Polizeipräsidium. Dennoch sieht der Leiter der Verkehrspolizeidirektion noch Möglichkeiten der Verbesserung - durch noch mehr Unterstützung aus der Bevölkerung: "Wir sind grundsätzlich angewiesen auf Zeugen. Dass jemand, der etwas sieht, sich meldet und nicht wegschaut. Das ist der erste und wichtigste Ansatzpunkt", erläutert er. Und betont: "Wenn sich noch mehr melden würden, könnten wir noch mehr aufklären."

Dabei sei jede Wahrnehmung wichtig, ergänzt Polizeihauptkommissar Günther Lorenz, der die Unfallflucht-Ermittlungsgruppe in Baden-Baden leitet. "Das ist wie ein Puzzle für uns." Das Kennzeichen des Unfallverursachers, aber auch nur Farbe und Typ des Fahrzeugs, eine Erinnerung an Aufschriften oder Aufkleber auf dem Wagen oder eine Beschreibung des Fahrers seien hilfreich. Entscheidend sei aber auch schnelles Handeln, betont Lorenz: Nach einer Woche brauche man nach dem Verursacher eines Parkremplers nicht mehr zu suchen: Bis dahin habe dieser den Schaden an seinem eigenen Auto in der Regel reparieren lassen. Die Tat ist dann kaum mehr nachweisbar.

Auch vor diesem Hintergrund stehen die vier erfahrenen Kollegen, die gemeinsam die in Baden-Baden angesiedelte Unfallflucht-Ermittlungsgruppe bilden, auch früh auf. "Wir fangen jeden Morgen um 6 Uhr an", berichtet Lorenz. Dann sei die Nachtschicht noch vor Ort, man könne aktuelle Fälle also ohne Verzögerungen absprechen - und erwische zudem Tatverdächtige oft noch zu Hause, bevor diese sich auf den Weg zur Arbeit machen.

Aktiv wird die Ermittlungsgruppe allerdings nur, wenn es nach einer durch den Streifendienst durchgeführten Unfallaufnahme in der Kurstadt oder im Landkreis Ermittlungsansätze gibt, erläutert Westermann. Das können etwa aufgefundene Fahrzeugteile des Unfallverursachers sein, Videoaufnahmen oder Nachbarschaftsbefragungen.

Ein festes Täter-Muster gibt es indessen nicht, erläutert Westermann. In den vergangenen zehn Jahren stammten die Täter bei aufgeklärten Unfallfluchten in Baden-Baden aus allen Bevölkerungsschichten, hatten die unterschiedlichsten Berufe. Der Jüngste war zwölf Jahre alt, der Älteste 96, berichtet der Polizeidirektor. Allerdings waren deutlich mehr Männer darunter als Frauen: Etwa zwei Drittel der Täter seien männlich gewesen.

Ein Motiv für Unfallflucht könne zum Beispiel der Versuch sein, eine andere Straftat wie Alkohol am Steuer, das Fahren ohne Führerschein oder ein unversichertes Fahrzeug zu verdecken. Auch Angst vor beruflichen Auswirkungen oder einem höheren Versicherungsbeitrag könnten eine Rolle spielen.

Unfallfluchten sind jedenfalls keine Kavaliersdelikte, sondern Straftaten. Einem Täter drohe eine Geldstrafe und ab einer Schadenshöhe von 1200 Euro zudem der Führerscheinentzug, erläutert Lorenz. Auch, wer vor der Weiterfahrt noch einen Zettel an die Windschutzscheibe des beschädigten Autos klemmt, kann belangt werden.

Schwerpunkte bei Parkremplern und damit auch bei Unfallfluchten gebe es an Stellen, an denen viele Autos abgestellt würden, berichten die Beamten. Solche Schwerpunkte sind in Baden-Baden etwa die Parkplätze der Klinik Balg, des Schulzentrums West und der Shopping Cité, die Tiefgaragen beim Kurhaus und am Augustaplatz sowie die Rheinstraße. "Es ist ein Riesenproblem, dass es wirklich eng zugeht", meint Lorenz und verweist auf das deutschlandweite Problem, dass die Autos immer größer werden, die Parkplätze aber gleich geblieben sind.

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