Wetter, Strecke, Team und Laune "einwandfrei"
14.05.2018 - 00:00 Uhr
Von Nina Ernst

Sinzheim - Etwa 830 Kilometer sind es von Sinzheim nach Pignan, 18 Läuferinnen und Läufer haben sie bezwungen - zu Fuß. Über Berg und Tal ging es vom Sinzheimer Rathausplatz aus in Richtung Partnergemeinde in Südfrankreich, rund 20 Kilometer vom Mittelmeer entfernt. Sieben Tage lang ließen die Sportler jetzt ihre Sohlen qualmen, um mit ihrem Lauf Spenden für die Lebenshilfe Baden-Baden/Bühl/Achern und die französische Kinderkrebsforschung "Franck - un rayon de soleil" zu sammeln.

Außerdem geht ein Teil der Spenden an das Kinder- und Jugendheim Baden-Baden. Der Heim-Mitarbeiter und Läufer Thomas Linderer hatte für diverses Equipment gesorgt, und dafür erklärte man die Einrichtung spontan zum dritten Sozialpartner.

Nachdem die Idee des Staffellaufs beim Sinzheimer Neujahrsempfang 2017 geboren wurde und durch Teilnehmersuche, Strecken- und Detailplanung im Laufe der Zeit Gestalt annahm, ging es am Freitagmorgen, 4. Mai, endlich los. Angeführt von den Organisatoren Rudolf Mahlburg, Werner Schmitt und Peter Gassenschmidt von den Vereinen Breitensport Sinzheim und "Laufendhelfen.de" fiel der Startschuss am ersten Tag.

Etwa 40 Läufer durchquerten um 7 Uhr den Startbogen vor dem Sinzheimer Rathaus und begaben sich gen Süden. Bei Bühl verabschiedeten sich einige Wegbegleiter, darunter auch Bürgermeister Erik Ernst, Lebenshilfe-Geschäftsführer Harald Unser und Christoph Hagel, Rektor der Realschule. 18 tapfere Sportler blieben übrig.

Und schon von der ersten Etappe war "Streckenchef" Mahlburg "positiv angetan". Das ausgefeilte Konzept funktionierte: Jeweils zwei Sportler befanden sich auf der Strecke - einer auf dem Rad, einer als Läufer. Nach zehn Kilometern wurde gewechselt, die Aktiven durften im Begleitfahrzeug, das stets hinter den Sportlern hertuckerte und bis zum Schluss erfolgreich navigierte, Platz nehmen, ein neues Duo schnürte die Laufschuhe. Ziel war es, an jedem Tag 120 Kilometer zurückzulegen. Hatte eine Gruppe ihre Aufgabe erledigt, standen Ausflüge, Aufbau der Zelte oder Kochen für den Abend an.

Durch "reizvolle" Landschaften zogen sich laut Schmitt die Wege der ersten Etappe. Über Felder, Wiesen ohne erkennbare Wegführung, Straßen und bei Rheinau mit der Fähre über den Rhein gelangte man ins französische Neuf-Brisach.

Am zweiten Tag bewältigten Läufer und Radfahrer auf dem Weg nach Maîche die erste Bergetappe, dabei tauschten sie teilweise schon nach ein bis zwei Kilometern ihre Rollen, um Kraft zu sparen. Mit Erfolg: Wie schon am vorherigen Tag machte die motivierte Gruppe erneut 20 Kilometer gut. Und das aus gutem Grund, stieg man doch am dritten Tag ins Juragebirge ein. Mit einer selbst gemachten Nudelpfanne am Abend belohnte das Küchenteam die Läufer, die an diesem Tag sowohl 30 Grad Hitze als auch Blitz, Donner und Regen trotzen mussten.

Von Saint-Laurent-en-Grandvaux aus feierte die Truppe am vierten Tag "Bergfest" - im wahrsten Sinne des Wortes. Auf der "Königsetappe", wie Mahlburg sie nennt, über eine Hochebene inklusive einer zehn Kilometer langen Bergstrecke in Richtung Montalieu-Vercieu im Rhonetal war Abenteuer angesagt: Da standen Begegnungen mit Wildschweinen und verschlammte Wege, auf denen der Radfahrer sein Gefährt tragen musste, auf dem Programm. Und auch eine unvorhergesehene Brückensperrung musste bewältigt werden.

Am fünften Tag lebte die Gruppe zum französischen Feiertag anlässlich des Endes des Zweiten Weltkriegs den europäischen Gedanken: Es gesellte sich ein ehemaliger Studienkollege des Läufers Thomas Nowak bei Lyon zur Gruppe und lief einige Kilometer ebenso mit wie der Co-Verwalter des Ziel-Campingplatzes in Tain-l'Hermitage, der sich der Aktion kurzerhand begeistert anschloss.

Apropos Begeisterung: Als "einwandfrei" betitelt Mahlburg Teamgeist, Atmosphäre und Motivation ("Alle helfen mit!"). Das Wetter, überwiegend trocken und sonnig, machte zusätzlich gute Laune, und von Verletzungen blieben alle verschont. Und die Außenwirkung? "Wir verursachen zwar den ein oder anderen Verkehrsstau, aber viele Leute grüßen uns, winken uns zu und zollen uns Respekt", freut sich Mahlburg.

Am sechsten Tag mussten die Läufer noch einmal einen "Hammerberg" mit sechzehn Prozent Steigung bezwingen und auf einem großen Trail ohne schattenspendende Bäume bei 30 Grad schwitzen. Am Abend hieß es, ein letztes Mal wie gewohnt in gemütlicher kleiner Runde bei einem Gläschen Rotwein zusammenzusitzen, den nächsten Tag zu planen und sich dann auf dem nostalgischen Platz in Saint-Jean-de-Maruéjols-et-Avéjan in den Zelten schlafen zu legen.

Ein letztes Mal, denn der siebte Tag bedeutete: Schlussetappe. Ganz entspannt ging die Truppe die letzte Wegstrecke laut Mahlburg mit dem Gedanken "Es wird klappen!" an. Gedacht, getan: Wie ausgemacht liefen alle Sportler gemeinsam mit einigen Gastläufern um 18.30 Uhr in Pignan ein. Dort warteten nicht nur französische Mitglieder des Partnerschaftsvereins, sondern auch eine Sinzheimer Delegation, die das verlängerte Wochenende in Südfrankreich verbrachte. Mit Applaus, Jubel, Trommelschlägen und Flötenklängen bereiteten sie den Spendenläufern einen Empfang, der herzlicher nicht hätte sein können. Gänsehautstimmung pur! An die Bürgermeisterin Pignans, Michelle Cassar, übergaben die Sinzheimer dann in feierlicher Runde den Staffelstab, der den Weg ans Mittelmeer unversehrt überstanden hatte - lediglich "der Strich des A ist auf dem Weg verrutscht", meint Mahlburg lachend -, und sie lüfteten das Geheimnis um die Spendensumme. Sage und schreibe 13000 Euro gehen an die drei Institutionen! Der Bericht der Scheckübergabe folgt.

Mit einem Überraschungsausflug rund um die Themen Wein und Oliven ging am Freitag die Reise zu Ende. Eine Reise, auf die sich die Läufer begaben, um jedem ihrer Schritte einen Sinn zu geben - ganz im Sinne praktisch gelebter Städtepartnerschaft.

Für den guten Zweck im Einsatz waren: Willi Gartner, Peter Gassenschmidt, Henk Geilen, Astrid Kettenis, Sebastian Kühn, Thomas Linderer, Brigitte und Rudolf Mahlburg, Klaus Merkel, Thomas Nowak, Klaus Schmidt, Werner Schmitt, Christian Schnäbele, Kurt Schneider, Annemarie und Bernd Schorpp, Rudi Volz, Brigitta Welle.

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