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Fest ist von Anfang an ein Riesenerfolg
26.05.2018 - 00:00 Uhr
Von Christina Nickweiler

Baden-Baden - In diesem Jahr finden zum 40. Mal die Mittelalterlichen Winzertage statt. Das dreitägige Fest hat bei den Menschen in Steinbach und Umweg, deren Alltag eng mit dem Weinbau verknüpft war und immer noch ist, eine große Bedeutung. Die Resonanz im Zuge der Recherchen zu nachfolgenden Ausführungen belegt dies.

Am Anfang der Winzertage stand die Idee, den hiesigen Wein einem großen Publikum zu präsentieren. Einen Blick zurück auf den Beginn des Festes zeigt die Winzertage als eine noch nie da gewesene Erfolgsgeschichte im Rebland.

Vorläufer: Obwohl der in den Bocksbeutelflaschen abgefüllte "Stich-den-Buben"-Wein schon Anfang der 1970er Jahre im europäischen Ausland, in Übersee und in Australien als begehrtes Tröpfchen zu kulinarischen Genüssen gehandelt wurde, erkannten bereits 1974 die Verantwortlichen der Winzergenossenschaften (WG) Steinbach und Umweg, dass aktive Maßnahmen notwendig waren, um den Handel mit Wein zu verstärken.

1974 feierte die WG Umweg ihr 40-jähriges Bestehen. Der damalige WG-Geschäftsführer Heinz Birnbreier nahm dies zum Anlass, den Blick auf das 500-jährige Bestehen des Rebgewannes "Hans Stich den Buben" zu lenken. 1474 hatte der Markgraf von Baden die Rebfläche unterhalb des Yburgwaldes und nordwestlich des Mauerbergs seinem Koch namens "Hans Stich den Buben" überschrieben. Die Marketing-Idee, den heimischen Wein zusammen mit der Regional- und Alltagsgeschichte zu vermarkten, wurde damit in den hiesigen Breitengraden aus der Taufe gehoben. Bis 1978 wurden die Weinfeste stets auf dem Gelände des Steinbacher Winzerkellers und im Hof der alten Schule gefeiert. Mit der Installation des Festplatzes im Kolbenacker ging der Bevölkerung der Festcharakter im urigen Ambiente verloren, und es wurde versucht, schleunigst einen Ersatz zu finden.

Von da an schwebte den Gastwirten und Hoteliers vor, mit "einer Art Stadtfest" für Steinbach als Erholungsort zu werben. Aus den Protokollen des damaligen Vorsitzenden der Winzergenossenschaft, Anton Harbrecht, geht hervor, dass sich im März 1979 etliche Personen - darunter Geschäftsleute und Vereinsvorstände - trafen, um ein Stadtfest vorzubereiten. Hierzu hatte der damalige Ortsvorsteher Kurt Böhler eingeladen. Mit dabei war auch Tina Glattfelder, die sich als PR-Fachfrau und Moderatorin bei den kurstädtischen Weihnachtsmärkten und Festen schon einen Namen erarbeitet hatte. Den Auftrag, für die Erwinstadt ein Konzept auszuarbeiten, habe Glattfelder zuvor vom Ortsvorsteher und vom Wirte-Stammtisch erhalten, ist in dem damaligen Pressebericht des BT zu lesen. Sie stellte den Anwesenden ihre Vorschläge vor, wie die Weinprodukte zusammen mit der Historie am besten anzupreisen wären.

Die Idee: Ein jährlich stattfindendes dreitägiges Fest, bei dem an mehreren Weinzentren verschiedene Sorten des Rebensaftes angeboten werden. Außerdem waren die Gastronomen und Vereinsaktiven aufgefordert, mit einfachen, aber originellen kulinarischen Angeboten, und zwar unter freiem Himmel und in Weinkellern, zur Rebenblütenzeit die Gäste anzulocken. Daher stand kurze Zeit die Bezeichnung "Steinbacher Rebenblütenfest" im Raum. Aber der "rote Faden" war klar: das Mittelalter. Denn die Steinbacher hatten 1979 bereits das Jahr 1983 mit dem 725-jährigen Stadtrechtsjubiläum im Visier. Schließlich votierten die Anwesenden mehrheitlich für den Namen "Mittelalterliche Winzertage in Steinbach".

Der Auftakt: Vom 8. bis 10. Juni 1979 fanden dann die ersten Mittelalterlichen Winzertage statt. Die Politprominenz und die Oberen der damaligen Bäder- und Kurverwaltung (BKV) waren bei der Eröffnung anwesend. Immerhin bezuschusste die BKV die Winzertage mit 1500 Mark. Veranstaltungen wie die "Winzertage" würden von der BKV sehr begrüßt, denn sie seien geeignet, den guten Ruf des Reblandes werbewirksam ins Land hinauszutragen, hieß es vonseiten der BKV.

Die erste Auflage startete wie eine Rakete: Mehr als 30000 Besucher kamen an den drei Tagen in die Erwinstadt. Eine Delegation der Eisenbahner befand sich unter den Gästen, denn sie beabsichtigte, die neue Attraktion in das damalige Ausflugsprogramm der Bundesbahn aufzunehmen. Laut einer Presseinformationen ist das mittelalterliche Spektakel in der Folge bei rund 600 Reiseveranstaltern bundesweit beworben worden.

Um den Winzertagen durch die Akteure ein mittelalterliches Flair zu vermitteln, prägten zwei Figuren vom ersten Jahr an das Fest: Der 1985 verstorbene Schreinermeister Karl Wartmann, der einen Rebmann mit Ruckkorb darstellte, sowie Herbert Scheurer, der als Nachtwächter mit der Laterne durch die Gassen ging. Beide waren die Vorboten der späteren historischen Winzergruppe - hierzu später mehr.

Vom ersten Fest an wurde versucht, den Gästen ein kulturell hochwertiges Programm zu bieten. Die Ankündigung über das Kommen von Startrompeter Walter Scholz zog die Massen an. Der ehemalige Südwestfunk-Musiker wurde bei seinem Auftritt 1979 im Städtl von Baldur Seifert mit einem Gedicht begrüßt. Der 2004 verstorbene Schauspieler und Rundfunksprecher Seifert hatte beim ersten Fest bei einer Versteigerung von Weinraritäten den griechischen Weingott Bacchus gemimt und damit seine künftige Rolle für die nachfolgenden Jahre festgelegt. Seifert zeichnete seinerzeit als Vorsitzender des SR Yburg verantwortlich.

Beim ersten Fest spielte schon in allen Winkeln die Musik, und es erklangen Lieder. Die Vereinsmitglieder von Musik-, Gesang- und Sportvereinen hatten sich Spiele ausgedacht und vorbereitet, bei denen die Besucher mitmachen und unterhalten werden sollten.

In einem Hof wurden Fässer um die Wette gerollt, in einem anderen ein Steinkegelspiel geboten. Für die Kinder gab es Ritterspiele im Schulhof. Die SR-Yburg-Handballer organisierten einen Oberliga-Torwart, der vor der Kirchenmauer die Sieben-Meter-Bälle der Besucher halten musste. Bis heute hat sich das Marktchaisen-Rennen, die Hau-den-Lukas-Attraktion, aber auch die Demonstration alter handwerklicher Berufe gehalten.

Viele Aktive in den Vereinen brachten sich von Anfang mit Herzblut ein. Bereitwillig stellten Privatleute ihre Keller und Höfe zur Verfügung. Es war ein Stück weit ihr Fest und ihr Einsatz, um ihre gastfreundliche und vom Weinbau geprägte Lebensart zu präsentieren (Fortsetzung folgt).

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