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Pferdeosteopathie - oder die wortlose Suche nach Problemen
02.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Nina Ernst

Iffezheim - Marc Robinet öffnet Ritasuns Box-Tür, geht hinein, streichelt dem Wallach kurz über den Rücken und stellt sich in eine Ecke. Dort wartet er. Langsam bewegt sich Ritasun auf den Mann zu und stupst ihn mit dem Kopf. Das Vertrauen ist gewonnen - die eigentliche Arbeit des Pferdeosteopathen kann beginnen.

In "drei, vier" Ställen an der Galopprennbahn in Iffezheim ist Robinet regelmäßig anzutreffen, erzählt er, und zwar seit rund 17 Jahren. An diesem Nachmittag ist eine allgemeine Kontrolle bei Ritasun, der in Nuri Özdogans Rennstall steht, angesetzt. Kaum hat Özdogan das Pferd aus seinem Stall geführt, bemerkt Robinet, dass "hinten links" etwas nicht stimme - der Wallach tritt mit dem hinteren linken Huf nicht richtig auf. Nach der sogenannten Ganganalyse wird Ritasun wieder in seine Box gebracht, der Pferdeosteopath aus dem Elsass beginnt mit der Kontaktaufnahme. Zeigt sich das Pferd zutraulich, setzt der Manualtherapeut sein wichtigstes Werkzeug ein: seine Hände. Sie wandern über den großen braunen Pferdekörper, mal streichelnd, mal klopfend, mal ruhend. Dann testet er die Gelenke des Pferdes. Scheinbar mühelos hebt er die Vorder- und Hinterbeine des mehrere Hundert Kilogramm schweren Tieres an. Das sei reine Technik, sagt Robinet. Außerdem helfe ihm sein "Instinkt" bei der Arbeit, fügt er an. Seine Oma habe schon manuelle Therapie angewendet, seine Mutter ebenso und sein Sohn wird dies in der vierten Generation fortführen.

Während der 54-Jährige keinerlei Berührungsängste an seinem "Patienten" zeigt, wartet Kollegin Karin Gasteiger vor dem Stall. Sie kommt als Sporternährungswissenschaftlerin und Analystin für das Energiefeld des Tieres erst nach der manuellen Behandlung ins Spiel. Seit rund zwei Jahren betreiben der Elsässer und die Tirolerin gemeinsam "Detektivarbeit", wie Gasteiger es nennt. Ihr Ziel sei es, bei den Tieren zu erkennen, wo die Defizite liegen und die Ursachen zu behandeln. Bei Ritasun beispielsweise zeigt sich das Symptom zwar hinten links, die Ursache dafür macht Robinet jedoch schnell "vorne rechts" aus. "Wir sehen das Tier als Ganzes", erklärt der Osteopath.

Im Fokus ihrer Arbeit steht die Prävention, betont Robinet, der schon weltweit mit verschiedenen Tieren und auch Menschen gearbeitet hat. Nun sind er und Gasteiger hauptsächlich in Österreich, Frankreich und Deutschland unterwegs, und behandeln zu 30Prozent Tiere, zu 70 Prozent Menschen. Große Unterschiede gebe es dabei nicht, sagt Gasteiger: "Alle streben doch die Gesundheit an." Ihr sei es nicht schwergefallen, Tiere in ihr Programm aufzunehmen: Auch Tiere müssten sich ausgewogen ernähren, viel habe mit Logik zu tun und oft basierten Probleme auf Umweltfaktoren.

Könne ein Mensch jedoch sagen, wo es ihm wehtut und seine Leidensgeschichte erzählen, müssten diese Informationen bei Tieren anhand von Bewegungen und Verhaltensmustern aufgespürt werden, erklärt Gasteiger. Dem Menschen wollen die beiden Therapeuten durch ihre Arbeit "einen Schlüssel" zur Selbstheilung in die Hand geben, bei Tieren bekommen die Trainer und Besitzer nach abgeschlossener Untersuchung Vorschläge zur weiteren Behandlung. Und so ist auch Özdogan - kaum hat Robinet die Defizite zusammengefasst - verschwunden: Er sitzt im Büro und kümmert sich um das weitere Vorgehen, das sein Pferd schmerzfrei und leistungsstärker machen soll.

Weitere Infos bei Karin Gasteiger: karin.gasteiger@al.net.

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