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Herrenpfädel: "Wir können nicht zaubern"
Parkende Autos und Durchgangsverkehr mit auswärtigen Nummernschildern blockieren sich gegenseitig: Alltag im Herrenpfädel. Foto: Holzmann
06.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Harald Holzmann

Baden-Baden - So viele Bürger haben in Haueneberstein schon seit Jahren nicht an der Ortschaftsratssitzung teilgenommen: Mehr als 40 saßen und standen am Montag im Zuschauerraum des Bürgersaals. Ihr Thema: die Verkehrssituation in der Eberbachgemeinde und speziell im Herrenpfädel. Zudem ging es um den Vorschlag der Verwaltung, im Zollernweg und im Steinhauerweg Einbahnstraßen einzurichten. Dieser Vorschlag wurde vom Gremium allerdings mehrheitlich abgelehnt.

Der Ortschaftsrat hatte bei der Diskussion über die Verkehrsprobleme ausnahmsweise den Bürgern Rederecht eingeräumt. Und diese nutzten die Gelegenheit ausführlich, ihren zum Teil über Jahre angestauten Ärger abzuladen. "Warum sollen nur der Zollernweg und der Steinhauerweg Einbahnstraßen werden, und nicht auch das Herrenpfädel", fragte einer. "Wir haben schließlich dort doppelt bis dreifach so viel Verkehr." Er forderte das Gremium dazu auf, sich für eine Herabstufung des Herrenpfädels von einer Kreisstraße zu einer Gemeindestraße starkzumachen. Dann sei der Weg frei für eine Einbahnregelung. Ortsvorsteher Hans-Dieter Boos versprach, sich über die Möglichkeit zu informieren.

"Wir haben zu viel Durchgangsverkehr im Ort, der eigentlich auf die B3 gehört", brachte eine Anwohnerin das Problem auf den Punkt. Man müsse etwas unternehmen, um diesen Verkehr aus Haueneberstein herauszuhalten. Die Autos im Herrenpfädel seien zu schnell unterwegs, viele rollten über Bürgersteige, nah an die Häuser und Hauseingänge heran und gefährdeten so die Fußgänger. Man müsse oft minutenlang warten, bis man aus der Hofeinfahrt auf die Straße rollen könne, so die Klagen. Die Vorschläge der Bürger reichten vom stationären Blitzer im Herrenpfädel über ein Durchfahrtsverbot für Motorräder bis zur Blockade des Herrenpfädels durch parkende Autos. "Es wäre doch richtig gut, wenn es dort mal einen richtigen Stau gäbe", sagte ein Mann.

Doch auch Anwohner des Lehnbergrings und der Karlsruher Straße machten keinen Hehl aus ihrer Unzufriedenheit. Wenn das Herrenpfädel gesperrt werde, dann würde die Belastung in der Karlsruher Straße noch weiter steigen, befürchtete eine Frau. "Irgendwo muss der Verkehr ja hin." Dabei sei diese Ortsdurchfahrt ja auch jetzt schon schlimm belastet. Ein gesamtörtliches Konzept sei nötig. "Vom Ortschaftsrat kommt da aber seit Jahren nichts außer der Forderung nach Blitzern", hieß es.

Die von der Verwaltung vorgeschlagenen Einbahnstraßen im Zollernweg und im Steinhauerweg in Richtung Karlsruher Straße, beides Verbindungsstraßen zwischen Herrenpfädel und Karlsruher Straße, wurde von den Anwohnern abgelehnt. Eine Einbahnregelung würde den Verkehr noch schneller machen, befürchteten sie. Zudem sei die Einmündung des Steinhauerweges in die Karlsruher Straße völlig unübersichtlich, das Abbiegen sei dort zu gefährlich.

Ortsvorsteher Boos wehrte sich gegen den Vorwurf, der Ortschaftsrat unternehme nichts. "Wir wollen Tempo 30 in der Karlsruher Straße und dadurch den Ort für den Durchgangsverkehr unattraktiv machen. Das geht aber nur, wenn wir die Ortsmitte umbauen. Das nehmen wir demnächst in Angriff", sagte er. "Wir werden fürs Herrenpfädel keine Lösung finden, solange Kaufland, Infoscore, das Krankenhaus und die Schulen in der Weststadt den Verkehr anziehen", sagte Helmut Reiß (Freie Wähler). Er regte an, zu prüfen, ob man die Höchstgeschwindigkeit auf 20 Stundenkilometer absenken könne.

"Wir wissen nicht, was wir tun sollen. Wir können nicht zaubern und hexen", sagte Reinhilde Kailbach-Siegle (CDU). Der Ortschaftsrat habe bei dem Thema Herrenpfädel noch keine Lösung gefunden. Eventuell könne man darüber nachdenken, die Straßen in Haueneberstein zu Anliegerstraßen zu ernennen. "In der Schußbachstraße ging das ja auch", sagte sie. Allerdings müsse man dafür auch das Herrenpfädel zur Gemeindestraße herabstufen. Zudem gebe es immer noch die Möglichkeit, eine Querspange vom Herrenpfädel zur Karlsruher Straße zu bauen. Das sei zwar schon einmal aus Umweltschutzgründen abgelehnt worden. "Aber vielleicht haben sich die Umstände seither ja geändert", sagte sie.

Sabine Iding-Dihlmann (Grüne) sprach sich dafür aus, im Zollernweg und im Steinhauerweg versuchsweise Einbahnstraßen einzurichten. Es gebe aber keine Patentlösung für das Problem Herrenpfädel. Diesem Vorschlag folgte das Gremium aber nicht. Mit den sieben Stimmen aus CDU und Freien Wählern wurde die Einbahnregelung abgelehnt.

Ortsvorsteher Boos bezeichnete die Sitzung, bei der so viele Bürger zu Wort kamen, als "Sternstunde der Demokratie". Er versprach den Bürgern, das Thema weiter im Blick zu behalten. Er wolle sich zudem dafür einsetzen, dass mehr Geschwindigkeitskontrollen im Herrenpfädel stattfinden.

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