Jungstörche bekommen "Personalausweis"
08.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Alois Huck

Sinzheim - Jeden Frühsommer muss Heike Seywald ihre Höhenangst überwinden, wenn sie in den Korb am oberen Ende der Sinzheimer Feuerwehrleiter steigt, um die Jungstörche in Leiberstung zu beringen. Dabei hat sie damit schon jahrelang Übung, denn sie führt das Erbe des ehemaligen Ortsvorstehers Paul Frietsch weiter, der sich viele Jahre um die Leiberstunger Störche gekümmert hatte.

Auf dem etwa 18 Meter hohen Mast bei der Wendelinushalle haben seit etwa 20 Jahren Storchenpaare eine ideale Umgebung für die Aufzucht ihrer Jungen gefunden, denn in den Feldern rund um Leiberstung gibt es scheinbar genug kleines "Lebendfutter" für die ganze Adebarfamilie.

Nachdem Bernd-Peter Schlack, Feuerwehrmann und Fahrer des Drehleiterfahrzeugs bei der Freiwilligen Feuerwehr Sinzheim, Heike Seywald den Zugang zum Korb geöffnet hat, fährt er die Leiter flott Richtung Storchennest. "Ich kann nicht nach unten schauen, ich blicke immer zum Horizont", gesteht die "Leiberstunger Storchenmutter", die eine kleine Zange und Kunststoffringe mit sich führt. Sie sind quasi die "Personalausweise" der Adebars. Die Eltern der vier Jungstörche haben schon Minuten vorher die Flucht ergriffen und beobachten aus sicherer Entfernung, was sich da im Nest tut. Die etwa sechs Wochen alten Jungstörche betrachten die ungewöhnlichen Besucher als Gefahr, stellen sich instinktiv tot und drücken sich flach in das Nest.

Derweil beobachten vom Erdboden aus Ortsvorsteher Josef Rees, Ortschaftsrätin Angelika Audet-Binz und Cornelia Bilger, die beim "Storchenturm" nach dem Rechten schaut, die Beringungsaktion. Flott greift Heike Seywald nach einem Bein und drückt oberhalb des sogenannten Intertarsalgelenks die beiden Ringhälften zusammen. Durch die eingravierte Buchstaben- und Zahlenkombination können die Störche so ihr ganzes Storchenleben dem Brutnest zugeordnet werden.

Eine neue Heimat hat ein zweites Storchenpaar in Leiberstung auf einer Platane neben der Ortsverwaltung und dem Kindergarten gefunden. Dort baute das Paar auf einem starken Ast ein Nest, in dem inzwischen zwei Jungstörche heranwachsen. Sie sind etwa drei Wochen alt und tragen noch das flauschige Daunenkleid, wie Heike Seywald bei ihrem zweiten "Aufstieg" feststellt. Allerdings können sie nicht beringt werden, da sie noch zu jung sind. Höhenangst hat Seywald inmitten der Bäume beim Kindergarten diesmal keine.

Der 76-jährige "Storchenvater" Josef Günther aus Moos freut sich über das ideale Wetter in diesem Frühjahr, denn 2013 und 2016 waren durch die nasskalte Witterung jeweils drei Jungstörche verendet. Günther bedauert, dass inzwischen nicht mehr alle Jungstörche beringt werden können, da die Anzahl der verfügbaren Ringe eingeschränkt wurde. Als "Storchenexperte" gibt er in ganz Mittelbaden Tipps und Anregungen, welche Voraussetzungen die Adebars benötigen. Als vor rund 35 Jahren die Storchenpopulation sehr gering geworden war, wurde ein Auswilderungsprogramm gestartet, das den Störchen eine gute Zukunft bescherte.

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