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Einen vielfarbigen Klangteppich ausgebreitet
Festkonzert mit dem Cellisten Claudio Bohórquez und dem Pianisten Petér Nagy.  Foto: Brüning
16.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Gisela Brüning

Baden-Baden - Der Abrissbagger stand schon bereit, um das "kleine Haus auf dem Hügel" in Lichtental dem Erdboden gleichzumachen, als 1965 bürgerliches Engagement die letzte noch erhaltene Wohnstätte des Komponisten Johannes Brahms (1833-1897) vor der Zerstörung rettete. Darüber informierte Christof Maisch, amtierender Präsident der Brahmsgesellschaft Baden-Baden, am Donnerstagabend das zahlreich erschienene Publikum im Weinbrennersaal des Kurhauses.

Brahms und Baden-Baden hätten das Zeug für einen tollen Film mit Glamour-Faktor, zeigte sich Maisch überzeugt und belegte seine Aussage mit historischen Fakten und Namen, deren Nennung allein schon wie Musik klang: Pauline Viardot, Clara Schumann, Liszt, Strauß, Wagner, Berlioz und viele andere mehr stießen im Auditorium sofort auf Sachkenntnis.

Was dank heroischen Einsatzes für das Brahmshaus mit seinem kleinen Museum, den zwei nachempfunden eingerichteten Stuben und dem Studio für Studenten und internationale Wissenschaftler inzwischen zur Pilgerstätte für Brahms-Verehrer aus aller Welt erkauft wurde, ist auch heute nicht allein mit Idealismus zu bezahlen. Die Instandhaltung des "kulturellen Erbes" (OB Margret Mergen) verschlingt hohe Summen, die durch Mitgliedsbeiträge, Museums-Tickets, Brahmstage und Spenden erwirtschaftet werden müssen. So begrüßte die Brahmsgesellschaft mit Freude das Angebot von Claudio Bohórquez und Petér Nagy, das Festkonzert zum 50-jährigen Bestehen des Brahmshauses mit dem hochkarätigen Duo zu gestalten.

Bohórquez, peruanisch-uruguayscher Abstammung, in Deutschland geboren, hat eine langjährige Beziehung zu Baden-Baden und ist hier schon als sehr junger Mensch eine bekannte Größe des Musiklebens gewesen. Inzwischen ist der Cellist ein internationaler, mehrfach preisgekrönter Star, der mit vielen großen Namen des Konzertlebens im gleichen Atemzug genannt wird. In Petér Nagy fand er einen kongenialen Duo-Partner, der als einer der jüngsten Vertreter einer international bekannten neuen Generation von ungarischen Pianisten Furore macht. In seinem Auftreten eher introvertiert wirkend, offenbarte er am Klavier dynamische Kräfte, die zwischen filigranem Pianissimo und donnerndem Fortissimo dem Cellisten einen vielfarbigen Klangteppich ausbreiteten, den dieser mit höchst virtuosen Ornamenten zum vollendeten Kunstwerk gestaltete.

Auf dem Programm standen fünf Stücke im Volkston op.102 von Robert Schumann, Freund und Förderer des jungen Brahms', denen die Kritik 1851 wohlwollend gegenübertrat, weil sie erkannte, dass Schumann mit "Volkston" seine Absicht verriet, die Instrumente ganz einfach unprätentiös kantabel sprechen zu lassen, so Dr. Joachim Draheim im sorgfältig und kompetent gestalteten Begleitheft. Auch seine Analysen der beiden Sonaten für Klavier und Violoncello e-Moll (op.38) und F-Dur (op.99) von Johannes Brahms erwiesen sich dem Besucher als nachvollziehbarer nützlicher Leitfaden. Die Rhapsodie für Violoncello und Klavier von Béla Bartók beendete das offizielle Programm des Abends.

Inspiriert durch seinen morgendlichen Besuch im Brahmshaus, vergab Bohórquez noch einige musikalische Geschenke, darunter die ungarischen Tänze. Auch hier zeigte sich das Publikum tief beeindruckt von der Meisterschaft des Cellisten, der sein ganzes Wesen im wechselnden Gestus seines Vortrags sprechen ließ. Man erlebte ihn mit geschlossenen Augen, den verebbenden Klängen seines schönen Instruments nachlauschend, oder mit wilder "Mähne" exzessiv das Cello zu fordern. Berührt von dieser kostbaren Musik, bildeten die Menschen eine lange Schlange im Foyer, um die demnächst erscheinende CD des Duos signieren zu lassen.

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