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Steiler Anstieg, edle Tropfen, herrlicher Blick
21.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Christina Nickweiler

Baden-Baden - Angenehm kühle Luft umgibt die zahlreichen Gäste, die sich im Foyer des Winzerkellers der Baden-Badener Winzergenossenschaft (WG) in Neuweier an einem schwülen Frühsommerabend eingefunden haben. Auf dem Programm steht die erste Weinbergwanderung auf den Mauerberg inklusive Weinproben.

Neu ist der Programmpunkt im Rebland, weil die Winzergenossenschaft seit kurzem über zwei kompetente Personen verfügt, die Gäste in die vielfältigen Geheimnisse des Weinanbaus einführen: Andreas Burkart, zertifizierter Wein-Guide, und Jürgen Meier, neuerdings geprüfter Wein-Ranger. Sein Ranger-Dasein erkennen die Anwesenden an seinem olivfarbenen Polohemd und seinem Strohhut.

Dass die WG mit ihrem neuen Angebot ins Schwarze getroffen hat, davon zeugen die vielen Anmeldungen, die die Organisatoren vorab erreicht haben. Mehr als 50 Anmeldungswünsche von Menschen aus der gesamten Region seien eingegangen, berichtet WG-Geschäftsführer Thomas Goth in seinen kurzen Grußworten an die Gäste. Daher ist die ursprünglich geplante Gruppengröße von 25 Personen auf 30 erweitert worden.

Zur Begrüßung sprudelt ein süffiger, rosafarben schimmernder Secco aus den Gläsern der Besucher. In wenigen Sätzen erläutert Andreas Burkart das Sektverfahren und den Unterschied zwischen Secco und Sekt. Die Besucher - darunter vorwiegend jüngere Leute - erahnen, dass es hier viel Wissenswertes zu erfahren gibt.

Dann marschiert die Gruppe los, um eine der steilsten Reblagen Deutschlands zu erklimmen, den Mauerberg. Der Wein des Neuweierer Mauerbergs hat es ab Mitte der 1920er Jahren zu Weltruhm gebracht, denn er wurde im Zeppelin-Luftschiff den gut betuchten Gästen beim Atlantiküberflug serviert, erfahren die Ausflügler. Jürgen Meier führt die Gruppe an und lotst sie zwischen zwei Häusern einen schmalen Pfad entlang, in Richtung Steilhang.

Bruchsteine bilden einen engen Treppenpfad. Auf jede Stufe passt gerade einmal ein Fußgänger. Schnell haben die Wanderer die Hälfte des Steilhangs erreicht, manche keuchen, der Weg ist beschwerlich. Jeder vermeidet den Blick zurück in die Tiefe. Der Mauerberg ist extrem steil, so dass manche Wanderer sich an den vorderen Stufen zu halten versuchen und bisweilen auf allen Vieren klettern. Trotz passendem Schuhwerk geben zwei ältere Damen auf und kehren um. "Ich bin nicht schwindelfrei", sagt eine der beiden, die für das Erklimmen des Mauerbergs eigens aus Karlsruhe angereist ist.

An der ersten Station angekommen, stehen auf einem asphaltierten Platz Bistrotische mit kühlen Getränken bereit. Mit einem sagenhaften Blick in Richtung Süden, entlang des Gebirgspanoramas und in die Rheinebene sind die Strapazen des Aufstiegs schnell vergessen. Inzwischen gießt Andreas Burkart den Gästen einen Sauvignon blanc ins Glas, es folgt eine kommentierte Weinprobe in unterhaltend blumiger Sprache. Dazu gibt es Käsewürfel und Brot.

Die Teilnehmer erfahren, warum der Mauerberg ein besonderer Wein ist. Und zwar, weil in dieser Steillage sämtliche Arbeiten per Hand erbracht werden müssen. Für jeden Arbeitsgang zur Pflege der Weinstöcke müssen die Winzer den schmalen Weg hoch und runter steigen. "Die Arbeit ist gefährlich", erfahren die Zuhörer. Die Handarbeit lässt den Mauerberg-Wein bei privaten Weingütern im hochpreisigen Segment rangieren, da nur Weinkenner abseits von Lebensmittelketten diesen Umstand zu würdigen wissen. Inzwischen verkosten die Teilnehmer den Mauerberg-Riesling und schmecken im Glas dem Wein-Erklärer zufolge den "Schweiß, der hier vergossen wird".

Wein-Ranger Meier erklärt dann den Weinstock und worauf der Winzer nach der Blüte achten muss, um eine hohe Qualität zu bekommen. "Die Güte des Weins wird im Weinberg produziert", sagt Jürgen Meier. Weiter erläutert er, dass mittlerweile die hiesigen Winzer auf Herbizide verzichten. Die Kontrollen des Landwirtschaftsamts seien dahingehend sehr streng.

Umgeben von einer aufregenden Naturatmosphäre lauschen die Besucher aufmerksam den Worten der beiden Wein-Experten. In den Kurzvortrag mischen sich das Zirpen einer Grille und das ferne Geläut der St.-Michaels-Kirche. Ein Stück weiter weg kreist ein Raubvogel über den Rebhängen. Hinter der Bergkuppe im Osten türmen sich hohe weiße Wolken in den sattblau gefärbten Himmel. Der Wald präsentiert sich in unterschiedlichem Grün. Es wirkt dort dunkler, wo kleinere Wolken einen Schatten werfen.

Direkt an der Mauer, an der die Weingruppe steht, schwirren einige Hornissen um eine Mauerfuge herum, sie haben dort ihr Nest. Während sich die kleinen Summer in den frühen Abendstunden in ihre geschützten Brutstätten zurückziehen, wandern die Wein-Entdecker zu den historischen Trockenmauern.

Trockenmauern gibt es in und rund um Neuweier in einer Länge von mehr als 20 Kilometern. Die einmalige Anlage ist nicht nur kulturgeschichtliches Zeugnis früherer Generationen, sondern sie dient auch als Rückzugsort für bedrohte Echsen und Insekten.

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