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Im Stress: Von einer Sitzung zur nächsten
07.07.2018 - 00:00 Uhr
Von Nina Ernst

Baden-Baden - Einmal sein Idol hautnah erleben und praktischen Einblick in seinen Traumjob erhalten - und das alles in einem. Wunschvorstellung für so manchen jungen Menschen. Für Analena Mahler aus Haueneberstein ist das keine Wunschvorstellung mehr, sondern wurde Ende Juni Wirklichkeit. Im Bundestag hat sie als "Abgeordnete" diskutiert und debattiert.

Das Planspiel des Besucherdienstes des Deutschen Bundestags "Jugend und Parlament" findet in der Regel einmal im Jahr statt. Junge Menschen aus der ganzen Republik kommen dafür vier Tage nach Berlin, um als "Abgeordnete" im Berliner Reichstag zu tagen. Vom 23. bis 26. Juni reiste die 21-jährige Mahler mit 354 weiteren 17- bis 20-Jährigen deswegen in die Hauptstadt.

Jeder Teilnehmer wurde von einem Bundestagsabgeordneten persönlich nominiert. Mahlers Nominator war der FDP-Mann Dr. Christian Jung (Wahlkreis Karlsruhe-Land). Für die junge Frau kein Unbekannter. Schließlich ist die Studentin für BWL, Marketingkommunikation und Public Relations, die auch als freie Mitarbeiterin für die BT-Redaktion arbeitet, im Kreisverband der FDP tätig.

In Berlin war sie jedoch nicht als FDPlerin vertreten: Für vier Tage legte Mahler ihre wahre Identität ab und wurde zu Sophie Maier (63, Steuerberaterin, nicht verheiratet, keine Kinder), die der ebenfalls fiktiven "Bewahrungspartei" mit CDU/CSU-Gesinnung angehörte. "Das war zum Schutz für den späteren beruflichen Werdegang", erklärt Mahler.

War der Rollenwandel einmal vollzogen, mussten sich die neuen jungen "Abgeordneten" in einen von zwölf Ausschüssen einschreiben. Die Hauenebersteinerin entschied sich für den Arbeits-Ausschuss. Immer drei Ausschüsse mussten zusammen einen Gesetzesentwurf zu einem Thema aufstellen. Gemeinsam mit Innen- und Gleichstellungsausschuss war es die Aufgabe von Mahlers' Ausschuss, darüber zu diskutieren, ob bei Bewerbungsunterlagen die persönlichen Angaben wie Alter und Geschlecht geschwärzt werden sollen. Mahlers Bachelorarbeits-Thema kam ihr dabei ganz gelegen, hatte sie doch über die Sinnhaftigkeit der gesetzlichen Frauenquote geschrieben.

Und dennoch war der Weg hin zu einem Gesetzesentwurf, kein leichter. Manchmal sei es für sie schwer gewesen als Sophie Meier aus CDU/CSU-Sicht zu argumentieren, wenn sie als reelle Analena Mahler doch eine ganz andere Meinung zum Thema habe. Einigen sei es in der ganzen Zeit nicht gelungen, sich in ihre fiktive Rolle einzufinden.

Nicht nur deswegen sei es in den Sitzungen (zehn Stück an drei Tagen und zum Abschluss die große Plenarsitzung) heiß hergegangen. Insgesamt vier verschiedene Parteien und vor allem zahllose verschiedene Gesinnungen seien da "wie im richtigen Leben" aufeinandergetroffen, persönliche Beleidigungen seien keine Seltenheit gewesen und Machspielchen sowieso. "Ich hätte nie gedacht, dass es so kompliziert ist, ein Gesetz zu ändern", resümiert Mahler die "ganz schön stressige Zeit". Und dann kassierte sie nach all der Arbeit, nach Tagen, "an denen man nicht zur Ruhe kam", nach gefühlten 24-Stunden-Tagen mit ihrer Partei in der Plenarsitzung auch noch einen Dämpfer: "Wir konnten die anderen nicht von unserer Idee überzeugen."

Deutlich wurde ihr bei der Abstimmung und den Abschlussreden vor dem Parlament auch, "dass man als kleine Partei wenig Chancen hat, seine Ideen umzusetzen" und das man als Mitglied des Bundestages viel einstecken müsse. Das alles zum Glück nur fiktiv. Ganz und gar nicht fiktiv erlebte sie die Atmosphäre im Bundestag. Aufgrund der Asyl-Streitereien habe merklich "schlechte Stimmung" auf den Gängen geherrscht.

Abgeschlossen wurde das Projekt damit, dass die Teilnehmer mit den echten Vorsitzenden aller echten Parteien ins Gespräch kommen und so ihre Idole kennenlernen konnten. Mahlers Idol? "Christian Lindner natürlich", sagt sie und grinst dabei.

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