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Wenn Schrift zur Kunst wird
Sie vereint die Freude an der Kalligraphie: Hans Scheyder, Claus Oser, Reiner Baudistel (sitzend), Karin Günther, Clementine Küpferle, Johann Foltin (stehend von links). Foto: Frasch
07.07.2018 - 00:00 Uhr
Von Werner Frasch

Baden-Baden - Geduld und Freude am gestalterischen Arbeiten sind notwendig, um die Kalligraphie, die Kunst des Schönschreibens, zu erlernen. Beide Voraussetzungen eint eine Gruppe von begeisterten Kalligraphen in der Kurstadt seit mehr als 30 Jahren. Sie treffen sich jetzt wieder jeden Montagabend und pflegen ihr ausgefallenes Hobby.

Einige von ihnen haben einst am Schreibkurs eines Schreibgeräteherstellers teilgenommen und später auf privater Basis weitergemacht. Als besonderes Talent erwies sich schon damals Clementine Küpferle. Bis heute schart sich um sie ein kleiner Kreis von unermüdlichen "Schönschreibern". Längst fühlen sie sich freundschaftlich verbunden, treffen sich auch außerhalb ihrer Übungsstunden beim Stammtisch und unternehmen gemeinsam Wanderungen. Trotzdem können auch jetzt noch Interessierte dazustoßen. Denn, so meinte eine Teilnehmerin bei der jüngsten Zusammenkunft: "Wir haben es versäumt, uns um Nachwuchs zu kümmern."

Ruhender Pool und kritische Ratgeberin bei den zweistündigen, privat organisierten Übungsabenden im Schulzentrum West ist Clementine Küpferle, Autodidaktin mit der Fähigkeit, den auf ein Blatt Papier geschriebenen Text zu einem Kunstwerk zu gestalten. Sie beherrscht nicht nur die klassischen Schriftformen, sondern entwickelt auch neue Varianten, die auf den ersten Blick eher an Grafiken als an Zeichen des Alphabets erinnern. Häufig umrahmen ihre Glückwunschkarten Ornamente mit eingestreuten Zeichnungen wie etwa von ihrer Katze. Anregungen dazu hat sie von Reisen nach Usbekistan, Tansania, Ägypten und in andere arabische Länder mitgebracht. Wenn es besonders wertvoll sein soll, kommt Blattgold mit ins Spiel, das sie auf ihren Werken anbringt. Zuletzt hat sie den Ehrenbürgerbrief für Tony Marshall gestaltet. "Mein Vater hat mich in der freien Natur sehen gelernt", erinnert sie sich im BT-Gespräch. Er war Bühnenbildner am Theater in Baden-Baden und hat auch viele Festumzüge gestaltet.

Während der nächsten Wochen wird die Schreibgruppe intensiv die keltisch-irische Schrift in einer modernisierten Version üben. Denn in ihrer historischen Form, die auf die zweite Hälfte des 6. Jahrhunderts zurück geht, könnten sie heute nur noch Fachleute verstehen. Wie damals müssen auf dem Papier feine Linien gezogen werden, bevor mit dem Schreiben begonnen wird. Der Zeilenabstand richtet sich nach der Federbreite, um ein ausgewogenes Schriftbild zu erreichen. Erst durch lange Übung und die richtige Federdrehung schafft ein Schreiber den Übergang von breiten Linien in feinere in den Rundungen eines Buchstabens und Haarstriche an deren oberem und unterem Abschluss.

Als Schreibfedern können neben den herkömmlichen Stahlfedern auch zurecht geschnittene dünne Bambusrohre oder sogar Klavierfilze dienen. Auch Tinte kann selbst hergestellt werden. Reiner Baudistel, seit 30 Jahren bei der Gruppe, weiß, wie man sie in unterschiedlichen Farbtönen aus Kirschgummi, Walnussschalen oder Goldrute gewinnt. Für chinesische und japanische Schreiber gehörte die Herstellung von Tinte zur Meditation, die er an der Kalligraphie besonders schätzt.

Jeder Schreiber hat seine Lieblingsschrift. Für Hans Scheyder, auch er ein "Urgestein" aus der Anfangszeit, ist es die rundgotische Rotunda, die im 16. Jahrhundert in Lettern nachgebildet und auch im Buchdruck verwendet wurde.

Entwickelt wurde die "Kunst des schönen Schreibens" in mittelalterlichen Klöstern und diente bis zur Erfindung des Buchdrucks zur handschriftlichen Vervielfältigung von sakralen und poetischen Texten. Heutzutage werden auf diese Weise Urkunden, Ehrenbriefe und repräsentative Einträge in Gäste- und Goldene Bücher gestaltet. An Geburtstagen und Weihnachten überraschen sich die Mitglieder der kurstädtischen Kalligraphen-Gruppe gegenseitig mit kunstvollen Grußkarten. Selbstverständlich wird dann auch die Anschrift in Kalligraphie auf den Briefumschlag geschrieben.

Wer Lust hat, zu den Kalligraphen zu stoßen, kann sich bei Clementine Küpferle unter (07221)23394 melden.

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