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Vom Rollstuhl aus direkt aufs Oldtimer-Motorrad
Motorrad fahren, kegeln oder Briefe austragen: Die Senioren haben die Wahl zwischen verschiedenen Videospielen. Foto: Hecker-Stock
25.07.2018 - 00:00 Uhr
Von Conny Hecker-Stock

Baden-Baden - "Memore" steht für ein System an Videospielen, das in völlig neuer Form Senioren aktivieren und deren Motorik, Gedächtnis und Kognition trainieren soll. Nach einem Haus in Stuttgart ist das DRK-Ludwig-Wilhelm-Stift die zweite Institution in Baden-Württemberg, die diese Spieltherapie einsetzt.

Aus dem Foyer des Hauses in der Rotenbachtalstraße schallt fröhliches, nicht zu überhörendes Gelächter. Schon früh am Morgen finden sich hier die ersten Interessierten ein, die es kaum erwarten können, bis der TV-Bildschirm eingeschaltet ist und der erste Film abläuft. Konzentriert sitzt Inge Schneider in ihrem Rollstuhl vor der Mattscheibe. Gebannt verfolgen ihre Augen die Fahrt des alten Ducati-Motorrades, dessen Kurs sie über die Bewegungen ihres Oberkörpers steuert.

Neigt sie sich nach rechts, zieht auch der Fahrer eine langgezogene Rechtskurve. Kommt sie dabei zu weit ins Kiesbett, erklärt ihr ein kurz eingeblendeter freundlicher Herr, dass nun eine Linksbewegung notwendig ist, um wieder in die Spur zu kommen. Die Frage nach dem höchsten Dom lässt sie den Weg nach Köln statt nach Berlin einschlagen, und immer fixer umrundet sie mit ihren Bewegungen die integrierten Hindernisse der Strecke.

Als der Fernseher ihr Ergebnis verkündet, strahlt sie mit den anderen um die Wette. Doch schon drängt ihre Nachbarin heran, die eine Runde kegeln möchte und die Kugel mit leichten Armbewegungen in Schwung bringt. Insgesamt vier Spiele liegen bis jetzt vor, beim über die Handbewegung gesteuerten Tischtennis können auch Bälle angeschnitten oder härter geschlagen werden.

Beim bislang schwierigsten Spiel geht ein fiktiver Postbote in New York seiner Arbeit nach, muss einen ganzen Wolkenkratzer bestücken und seine Route halten. "Der Postbote ist die Speerspitze dessen, was ein Senior spielen kann", sagt Mario Naumann vom Menore-Team im Pressegespräch. Die Spielebox wurde zwar unter anderem als sanfte Therapieform selbst für beginnende oder bestehende Demenz entwickelt, für die Nutzer ist das jedoch nicht erkennbar, für sie steht allein der Spaß im Vordergrund. Der Wiedererkennungswert ist hoch. So ist das Motorrad bewusst eine Ducati aus den 50er Jahren, auch die Kleidung der gezeigten Menschen stammt aus dieser Zeit. Die Spiele sind mit Musik aus dieser Ära unterlegt, manche Senioren kommen sogar nur deshalb ins Foyer und wollen gar nicht aktiv teilnehmen. "Wir möchten so viele Menschen wie möglich abholen, die dabei ihre Freude haben sollen" umreißt Naumann die Philosophie. Das DRK-Ludwig-Wilhelm-Stift lässt sich den Spaß laut dem Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes, Harald Kothe, 4000 Euro jährlich kosten.

Das Ganze funktioniert als Mietmodell, neu entwickelte Spiele werden dabei automatisch zugespielt, die Wartung ist ebenfalls enthalten. Bei der Entwicklung haben die Berliner Humboldt-Universität und die Münchner Ludwig-Maximilian Universität unterstützend mitgewirkt. Seit "Memore" vor sechs Wochen installiert wurde, seien der Spaßfaktor und der Gemeinschaftsgeist im Haus deutlich angestiegen, sind sich Stiftsleiterin Charlotte Schneider und Pflegedienstleiterin Heike Hils einig. Laut Naumann liegt es auch im Sinn der Entwickler, den Pflegealltag damit zu erleichtern und abwechslungsreicher zu gestalten. Aussagen hierüber sind nach der kurzen Zeit jedoch noch nicht möglich.

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